436 Candidat Rüsau.
immerhin, daß der Boden, in dem er grub, ein düſterer Fatalitätsglauben war, den weder Umgang, noch Bildung und Studien zu Tragbarkeit edlerer Früchte cultivirt hatten. In der Verſchiedenheit der That eines Bomal und eines Rüſau drückt ſich indeß auch wieder die Verſchiedenheit der Zeiten aus. Bomal grollte mit ſeinem Schickſal, mit der Welt um ihn her, ein roher Menſch, der ſich, indem er die Seinigen aus dieſer ſchlechten Welt befreite, ſich ſelbſt eine Freiheit, wenigſtens eine geringere Por⸗ tion von Sorgen, bereiten wollte. Der Egoismus ſprach mit, der ſich für berechtigt hält, über das Leben An⸗ derer zu ſchalten, um das eigene zu beſſern. Bomal führte den Schlag, indem er einen wiederholten Krieg mit der ſittlichen und geſetzlichen Ordnung führte, in der Hoffnung, aus den Ruinen, die er hinſetzte, ſich ſelbſt zu retten, zugleich ſich zu rächen an der Vorſehung, daß ſie es nicht beſſer mit ihm gemeint.— Von einem ſol⸗ chen Kampfe und Bewußtſein iſt bei Rüſau wenigſtens nichts zu merken. Er fühlte nichts weniger in ſich als den titaniſchen Beruf, mit dem Schickſal zu ringen. Er erkannte nur ein Fatum, dem man ſich nicht entziehen kann; er fügte ſich darin, nachdem die ſchwachen Ver⸗ ſuche, die er angeſtrengt, mislungen waren, und das einzige Ziel des Schwächlings war, die Leiden, die er kommen ſah, ſo raſch wie möglich zu einem Ende zu bringen.*)
*) Später erzählte man ſich folgenden Zug: Acht Tage vor dem Blutmorgen unterhielt ſich Rüſau am Tiſche ſehr freundlich mit ſeiner Frau.„Ich werde dich und deine Kinder bald ſehr glücklich machen!“ ſagte er bedeutungsvoll.„Kann ich glücklicher ſein, als ich wirklich bin?“ erwiderte ſie.„Du liebſt mich, un⸗ ſere Kinder ſind geſund, und wir leben ohne Kummer und Brot⸗ ſorgen.“—„Dennoch ſollſt du bald vollkommen glücklich ſein“, ſagte Rüſau und ſah gen Himmel.


