Zeitschriftenband 
19 (1852)
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434 Candidat Rüsau.

wir gefolgt ſind, gegeben. Der Quell iſt nur unſerm Auge entrückt, aus welchem Rüſau zuerſt jene Hypo⸗ chondrie ſchöpfte, die endlich, überall Nahrung fangend, in ihm zur fixen Idee ward; dieſe fixe Idee ſelbſt, daß man verhungern werde, iſt in neuern Zeiten nicht mehr eine Seltenheit, und ebenſo wiſſen wir Beiſpiele, wo ſie, genährt durch die Kriſen und Umſtürze in der Po⸗ litik, bei reichen Leuten bis zum Wahnſinn und Selbſt⸗ mord führte. Rüſau war freilich kein reicher Mann, und dieſe weltgeſchichtlichen Kriſen, damals von Ham⸗ burg noch weit entfernt, ſcheinen ihn nicht berührt zu haben; aber in einer Kaufmannſtadt kannte er die Wan⸗ delbarkeit des Schickſals und hatte ſie, verſchuldet oder unverſchuldet, zum Theil an ſich ſelbſt erlebt. Wodurch dieſe Grille Schritt um Schritt Nahrung erhielt, wie er in ſeiner Iſolirung und Abgeſchloſſenheit, ſelbſt ohne ſchaffenden, klar blickenden Geiſt, ohne die Fähigkeit, ſich in Bedrängniſſen zurecht zu finden, die Mittel ſich ſelbſt abgeſchnitten, die finſtere Ahnung zu bekämpfen, das iſt Alles ſo deutlich geſagt, daß es keiner Wieder⸗ holung bedarf. Er mag myſtiſchen Träumen nachgehan⸗ gen, eine eigene Philoſophie ſich gebildet haben, durch welche er ſeine That vor ſich rechtfertigte, das bleibe außer dem Spiel, weil außer unſerer Kenntniß. Aber auch ohne ſie erſcheint uns heut die dunkle That erklärt, wenn wir alle die einzelnen Thatſachen verfolgen, welche eine um die andere ſein wundes Gemüth mehr und mehr verletzte, ohne daß ein Heilmittel, ein Tropfen Balſam darauf fiel. Denn die Frau, die ihn nur belächelte, wenn er ſeine Sorgen ausſprach, die doch that, unbe⸗ kümmert um ihn, was ſie für nöthig hielt, ſcheint ebenſo wenig als Jemand ſonſt es verſtanden zu haben, ihn durch wahren Troſt aufzurichten. Das einzig helle Wort