Zeitschriftenband 
19 (1852)
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432 Candidat Rüsau.

Es heißt, er fand im Vorübergehen das Stuben⸗ mädchen ſchon wachend. Nach einem Andern trat er an ihr Bette und klopfte ihr leiſe auf die Schulter, um zu forſchen, ob ſie vielleicht durch das Geräuſch wach ge⸗ worden. Sie erwachte, er ſagte ihr, er gehe aus, ſich zu baden, ſie möge ruhig noch ein Paar Stunden ſchla fen, aber um 7 Uhr den Kaffee bereit halten. Er ſpricht ſo ruhig, daß in ihr kein Verdacht aufkommen kann.

Er öffnete ſich ſelbſt die Hausthür, die hinter ihm wieder von ſelbſt ins Schloß ſprang. Er wartet am Deichthor, bis es geöffnet wird, und will ſich dort in den Graben ſtürzen. Es ſind aber zu viel Menſchen da. Ueber den Steindamm ſucht er ſich einen Weg nach der Alſter. Am Schlachterhofe geht er wirklich ins Waſſer hinein. Aber in dem ſehr heißen Sommer iſt es ſo ausgetrocknet, daß, ſelbſt als er ſich darin nieder⸗ wirft, er ſeinen Zweck nicht erreichen kann. Ans Ufer zurückgekehrt, ſucht er nach einem Werkzeug, um ſich zu tödten. Er hat nur ein kleines Meſſer in ſeiner Taſche. Damit verſetzte er ſich mehre Schnitte in die linke Seite des Halſes, einen an der Handpulsader, einen Stich unter dem Herzen. Alle an und für ſich nicht tödtlich; die Halswunde blutete jedoch ſo ſtark, daß er daran zu verbluten hoffte. Aber das Blut ſtillte ſich von ſelbſt. Dies war ihm ein Zeichen: der Himmel wolle, daß er zur Verſöhnung der Menſchheit die That büßen müſſe. Er ließ ſich gehen, d. h. er blieb erſchöpft liegen, mit dem Vorſatz, wenn er ſich erholt, ſich ſelbſt dem weltlichen Richter zu übergeben.

Die Art ſeiner Verhaftung iſt in dem oben Geſagten genügend dargeſtellt. Stich und Verwundung waren aber der Art, daß ſie eine bedeutende Zeit zur Heilung erfoderten, woher die Verzögerung, bis er vor Gericht

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