Zeitschriftenband 
19 (1852)
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430 Candidat Rüsau.

Von fünffachem Blute triefend, ſtieg er noch eine Treppe höher und tödtete ſeine zweite Tochter Johanna, die mit zwei Koſtgängerinnen in einem Zimmer ſchlief. Auch hier kein Erwachen, kein Aufzucken, keine Ahnung. Es blieb todtenſtill nach der Mordthat, wie es todten⸗ ſtill vorher war. Ein anderer Berichterſtatter läßt ihn ſein ſchlafendes Kind, das zwiſchen den beiden Penſio⸗ nairinnen lag, leiſe herausheben und ihm die Gurgel ſo abſchneiden. Die ſchöpferiſche Romantik war alſo auch da geſchäftig, und es fehlt nur noch, daß alle drei Kin⸗ der in einem Bett geſchlafen, und er ſeines in die Luft gehoben, ihm dort, noch im Schlaf, den Hals abge⸗ ſchnitten und dann wieder den blutenden Leichnam zwi⸗ ſchen die beiden Penſionairinnen zurückgelegt hätte!

Von einem der jungen Mädchen, denen ſein Mord⸗ ſtahl ſo nahe geblitzt, erzählte man nachher, daß es je⸗ des Mal, wenn während der Unterſuchung Rüſau's Name genannt ward, krampfhaft zuſammengezuckt ſei; nach ſei⸗ ner Hinrichtung war ſie in eine lebensgefährliche Krank⸗ heit verfallen.

Die verſchiedenen Erzählungen, die wir vor uns ha⸗ ben, weichen hier übrigens von einander ab. Eine vom Jahre 1803(zweite AuflageRüſau, der Theologe und Kaufmann, als ſiebenfacher Familienmörder u. ſ. w. dar⸗ geſtellt von einem Rechtsgelehrten) läßt ihn ſeine Fa⸗ milie in anderer Ordnung umbringen und zuletzt erſt in die Kammer der Gattin treten, die mit dem kleinſten ihrer Kinder im Arme geſchlafen hätte. Er läßt auch dieſe ſich wehren und endlich mit ihrem jüngſt geborenen an ihrem Buſen ſterbend hinſinken. Um die ſiebenfache Mordthat voll zu machen, muß bei dieſem Verfaſſer die 45 jährige Madame Rüſau noch ein Mal ſchwanger ſein. Wir haben allen Grund der gebildetern, ſpätern Dar⸗

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