428 Candidat Rüsau.
ſie ſoll gezittert haben vor„einer möglichen, unbeſonne⸗ nen, raſchen That ihres Mannes“. Sie bat ihn den Hausarzt zu conſultiren. Seine ewige Gegenrede war: ihm könne kein Arzt helfen.
Es heißt nun, die Quelle wird nicht angegeben, er ſei einige Zeit wirklich mit dem Gedanken umgegangen, ſich ſelbſt zu entleiben. Er gab ihn auf, weil es ja doch nur eine Quelle geworden wäre unauslöſchlicher Schande und neuen Elends für ſeine Familie.
Da wurzelte in ihm der Gedanke: das beſte Ret⸗ tungsmittel ſei, ſich und ſeine Familie zugleich aus der Welt zu ſchaffen.
Er beſchloß ſchon einige Tage vor dem 15. Auguſt dieſen Gedanken auszuführen,„als ein nothwendiges, durch keine Gewalt abzuwendendes Uebel“ Ob dies ein actenmäßiges Eingeſtändniß iſt, bleibe dahingeſtellt. Aber bei der Unbeſtändigkeit ſeiner Entſchlüſſe war es möglich, daß auch dieſer vor der Ausführung ſich wandelte.
Sonntag am 14. Auguſt 1803 war er mit ſeiner Familie bei ſeiner Schwiegermutter, der Witwe Päthau. Er aß wenig, trank nur zwei Gläſer Wein, auch dieſe nur auf Zureden ſeiner Frau, und war wie immer ſehr ſtill und verſchloſſen. Man ſchonte ihn, da man den Grund ſeines Kummers wußte, man mochte auch nicht die Art verſtehen, einen ſolchen Seelenkranken zu be⸗ handeln.
Gegen Abend ging die Familie nach Hauſe, um 10 zu Bett. Alle ſchliefen, nur Rüſau wachte. Das Ge⸗ ſpenſt einer grauenvollen Zukunft, des Hungertodes ſeiner Familie, wollte, bis der erſte Morgenſtrahl durch die Fenſterläden fiel, nicht von ſeinem Bette weichen.


