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mit ſeinen Kindern, die, dem Vorurtheil der Welt tro⸗ tzend(2), ihn in ſeinem Gefängniß beſucht haben. Wenn Sie ihn geſehen, ſage ich, wie er die umarmte, die er geſchlagen, verwundet hatte, ſein Verbrechen verdammend, und im Schooße der Seinen betend, dann, meine Her⸗ ren, würden Sie nicht glauben, daß Bomal der Mann iſt, den Ihnen die öffentliche Anklage geſchildert hat. Ich ſchließe, meine Herren, indem ich Sie frage, ob Sie glauben können, daß Bomal ein mit Vernunft ausge⸗ ſtatteter Menſch geweſen, da in der Nacht vom 2. zum 3. December, oder ob er da ein Wahnſinniger geweſen?“
Wer will antworten, er habe mit Vernunft gehan⸗ delt, wer aber ſchlägt die Vernunft, mit der er die That vorbereitet und nachher ſich vor der Verfolgung zu ver⸗ bergen geſucht, ſo gering an, daß er den Mann für unzurechnungsfähig erklären will? Der beſonnenſte Ver⸗ brecher, der jeden Moment, jede Chance ſeiner That vor⸗ ausberechnet, irrt, ſchwankt im Augenblick der Ausfüh⸗ rung, und ein Impuls verdirbt oft, was jahrelang planirt warz es iſt die ewige Natur des Menſchlichen, ſei es ihr Fluch, ſei es ihre Wohlthat. Eine gewiſſe Art Wahnſinn, eine ſtille oder laute Raſerei, wird bei den meiſten Ver⸗ brechen, die zu dieſer Kriſis gediehen ſind, die Thäter er⸗ griffen haben, jenes Seelenfieber, von dem der ſtärkſte geſchüttelt wird, wenn er über den moraliſchen Organis⸗ mus zur nackten ſchwindelnden Höhe ſich hinausgearbeitet hat, wo alle Anhalt⸗ und Stützpunkte ihm fehlen; der Starke lehnt ſich an einen Schatten und der freiſte, ſchärfſte Denker fühlt auf Augenblicke ſich unter der Herr⸗ ſchaft des craſſeſten Aberglaubens. Grauſamkeit und Wolluſt ſind Geſchwiſterkinder, ſo ſind es Angſt und Furcht mit dem Uebermuth, ſo neſtelt ſich an die freieſte That, welche die Grenzen des Gewöhnlichen überſpringt,


