20 Lord Lovat und die Rebellen von Culloden.
Die glaubwürdigſten Berichterſtatter aus jener Zeit verſichern uns, daß die Nachricht von der Unternehmung des Prinzen ſeinen aufrichtigſten Anhängern in Schott⸗ land höchſt ungelegen, wenn auch nicht ganz unerwartet kam. Sie ſtanden in genauer Verbindung, die man immerhin Verſchwörung nennen mag, denn ſie waren durch die vorangängigen mislungenen Verſuche gewitzigt, und kannten ihre eigenen und die europäiſchen Verhält⸗ niſſe. Der Kampf der Stuarts war der Kampf gegen eine neue Weltordnung. Nur wenn Frankreich mit ſei⸗ ner vollen Macht ſie unterſtützte, konnten ſie auf einen Sieg rechnen. Auch dann blieb es mehr als zweifelhaft, ob ſie das reiche, gewerbfleißige, ſtolze England mit ſei⸗ nen Antipathien gegen die alte Kirche und die alte Dy⸗ naſtie, mit deren grauenvollen Erinnerungen überwinden konnten. Die Hoffnung der vernünftigen Jacobiten ging nicht weiter, als daß ſie unter der Hülfe jenes Beiſtan⸗ des Schottland vielleicht wieder von dem mächtigern Schweſterreiche losreißen und ein eigenes Königreich grün⸗ den möchten. Aber der romantiſche Zug eines aben⸗ teuerlichen Jünglings, ohne Mittel und Kriegserfahrung, der von Frankreich nur mit geringem Gelde, wenigen Waffen unterſtützt wurde, und keine andern Chancen hatte als die Begeiſterung der Hochländer und der ka⸗ tholiſchen Schotten und Engländer im Flachland, keine andern Hülfstruppen als die von andern Abenteurern, welche bei einem Kriegsausbruch jeder Fahne zuſtrömen, konnte ihnen kein Vertrauen auf Erfolg einflößen.
Die Mehrzahl der Häuptlinge und Führer, welche ſich ſpäter am eifrigſten zeigten, griff unluſtig zu den Waffen. Es war die drückende Pflicht der Loyalität, welche es ihnen gebot. Der kluge Lord Lovat beeilte ſich zum wenigſten. Der S0 jährige Greis konnte, im glück⸗


