Lord Lovat und die Rebellen von Culloden. 5
Aehnlich dem vorſichtigen Börſenjobber, der doppelte Engagements, auf Steigen und Fallen deſſelben Papie⸗ res eingeht, um in jedem Falle wenigſtens etwas gedeckt zu ſein.
Endlich behalte man im Auge, daß die Clanstreue etwas Beſonderes und Verſchiedenes von der Lehnstreue war. Es waren nicht Hörige und Mannen, die ihrem Feudalherrn in Blut und Tod folgten, ſondern Ge⸗ ſchlechts- und Sippſchaftsgenoſſen, deren uralt celtiſches und germaniſches Bluts- und Ehrgefühl ihnen gebot, das Schickſal ihres wirklichen oder präſumtiven Stamm⸗ vaters, ihres Häuptlings, in Leid und Freud zu theilen.
Damit iſt nicht geſagt, daß jene Kämpfe nicht reich ſind an wirklichem Heroismus, an glänzenden Thaten der Tapferkeit und rührenden der Aufopferungstreue, im Gegentheil, auch die Geſchichte erkennt deren viele; aber nicht Alles, was hier glänzt, war Gold. Neben der ſchlichten Einfalt und Treue, der wilden Roheit, ererbt und unverwiſcht durch eine hochcultivirte Zeit, operirte und calculirte die Argliſt mit, und die eifrigſten Anhän⸗ ger des Legitimismus wurden damals wie jetzt durch die ſchlauſte Berechnung ihres Vortheils in die Parteien und aus den Parteien gedrängt. Der Verrath ſpielte auch damals ſeine Rolle, das franzöſiſche Geld und die Aus⸗ ſicht auf Rache und Beförderung eine noch größere, und Charaktere ſehen wir intriguiren für das von Gott ein⸗ geſetzte Königsgeſchlecht, welche an Blaſirtheit, Unglau⸗ ben, der Unfähigkeit an Tugend und Reinheit zu glau⸗ ben, an Frivolität und Ränkeſucht ſelbſt in der nächſt⸗ folgenden Periode der moraliſchen Depravation ihres Gleichen ſuchen, und in unſerer, trotz aller ihrer Mat⸗ herzigkeit und der Irrwege, wohin die Phantaſie geführt,


