Zeitschriftenband 
15 (1850)
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414 Constantin Weise.

rung meines Vorſatzes noch ein Mal mit ihr in ihrer Schlafſtube, und hier kamen wir überein, daß der Vater vergiftet werden ſolle und daß wir dann unter fremden Namen in Arona, wo ich früher geweſen war, uns niederlaſſen und dort als Mann und Frau leben woll⸗ ten. Ich ritt am 21. Sept. 1835 nach M... ließ mir in der dortigen Apotheke für einen Groſchen Arſe⸗ nikpulver, angeblich gegen die Mäuſe, geben, kehrte an demſelben Tage wieder nach K... zurück, konnte aber damals Anna nicht allein ſprechen. Am 22. September war Abends Geſellſchaft bei Wagner's. Ich ſollte auch daran Theil nehmen, allein ich blieb zu Hauſe, um die Vorkehrung zur Ausführung des Verbrechens zu treffen, was ich der Anna vor ihrem Weggange mit wenigen Worten ſagte. Als ich glaubte, der Vater werde nun zurückkehren, ließ ich durch das Stubenmädchen Brenner das Zuckerwaſſer zurecht machen, welches der Vater jeden Abend vor dem Schlafengehen zu trinken pflegte. Ich that die größere Hälfte des Arſenikpulvers hinzu, rüt⸗ telte die Flüſſigkeit einige Mal um und wollte mich eben entfernen, als der Vater und Anna von Wagner's zu⸗ rückkamen. Ich gab Anna einen Wink, mit dem ich ſagen wollte, was geſchehen ſei, und entfernte mich. Gegen 11 Uhr war der Vater heftig krank; er hatte das Waſſer getrunken, Erbrechen bekommen und Krämpfe. Er verlangte nach dem Arzte, ich that, als eile ich ihn zu rufen, ging aber nach einer Weile wieder in das Zimmer und ſagte, der Doctor ſei verreiſt. Ich ſollte dann einen Chirurg rufen, allein auch dieſer war, wie ich fälſchlich vorgab, nicht einheimiſch. Gegen Morgen war der Vater ſchon gefühlloſer; er verlangte nicht mehr nach dem Arzte, trank eine große Menge Waſſer und verſchied am 23 September Nachmittags 2 Uhr. Das