412 Constantin Weise.
Conv.⸗Münze in öſterreichiſchen Banknoten und die drei bei der Erbtheilung vermißten Brillantringe.
Weiſe ging aus dem Hauſe der Schweſter ſofort zum Criminalrichter, wiederholte hier dieſelbe Anklage und verlangte ausdrücklich, in das Gefängniß abgeführt zu werden.
Schon am folgenden Tage wurde Conſtantin ge⸗ richtlich vernommen. Nachdem er über ſeine Familien⸗ verhältniſſe das uns Bekannte zu Protocoll gegeben und namentlich der zweiten Verheirathung ſeines Vaters er⸗ wähnt hatte, ſagte er:
„Ich kannte Anna, ja ich liebte ſie früher, ehe der Vater ſie heirathete. Sie war meine Jugendgeſpielin und, als ich älter wurde, meine Geliebte. Wenn ich die Ferien im väterlichen Hauſe verlebte, trafen ich und Anna öfters auf Spaziergängen zuſammen; wir ent⸗ warfen den Plan für die Zukunft und dachten damals nicht, welch großes Unglück uns bevorſtehe. Im Som⸗ mer 1830 ſchrieb Anna, deren Vater ein halbes Jahr früher verſtorben war, mir nach Jena und machte mir Vorwürfe über meinen angeblichen Umgang mit der Tochter des Profeſſor K—d. Ich antwortete ihr in einem empfindlichen Tone und erhielt zu meinem Schrek⸗ ken gegen Michaeli 1830 vom Vater die Nachricht, daß er ſich mit Anna vermählt habe. Ohne das väterliche Haus zu beſuchen, ließ ich mich im Herbſte 1831 vor der Regierung in M... eraminiren, ging, wie geſagt, auf Reiſen und kehrte erſt vor Oſtern 1834 in die Hei⸗ mat zurück. Das Verhältniß zwiſchen mir und Anna war in den erſten Tagen höchſt drückend, bald aber waren wir Beide nicht mehr mächtig, unſere frühere leiden⸗ ſchaftliche Liebe zurückzuhalten; wir wurden Verbrecher!“ — Da Weiſe bat, das Verhör abzubrechen, er auch


