Zeitschriftenband 
15 (1850)
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410 Constantin Weise.

Auf der Iſola Madre traf er einen ſihm bekannt ſchei⸗ nenden jungen Mann, auf deſſen blaſſem Geſicht eine tiefe Schwermuth lagerte.

Wir müſſen uns, ſagte der Profeſſor,ſchon ir⸗ gendwo geſehen haben, darum entſchuldigen Sie, wenn ich mir die Freiheit nehme, nach Ihrem werthen Namen zu fragen.

Nennen Sie mich Troſtlos, erwiderte der junge Mann;ich bin in der That, was dieſer Name ſagt. Ich verlor vor 14 Tagen meine Gattin in Arona und bin nur hierher gekommen, die Stellen noch ein Mal zu beſuchen, die ich noch kürzlich mit einem weiblichen We⸗ ſen durchwanderte, deſſen Tod mein irdiſches Paradies zertrümmert hat. Er brach dabei in einen Strom von Thränen aus und ſagte nach einer Pauſe zum Lands⸗ mann:Ich reiſe in einigen Tagen nach K... ab, um meine Schweſter zu beſuchen, die ich lange nicht ſah..

Nach K..., fiel der Profeſſor ein,im Herzog⸗ thum2

Eben dahin, erwiderte der junge Mann, und Beide trennten ſich. Der Profeſſor nicht ohne einen Schauer⸗ Der ganze Zuſammenhang der Dinge ſtand ihm augen⸗ blicklich vor der Seele, er kannte genau die gräßliche Geſchichte in der, ſeinem Domicil benachbarten, ſächſi⸗ ſchen Stadt; der des Vatermords und der Blutſchande

geziehene Sohn hatte in der Geſtalt des blaſſen, düſtern

Troſtlos vor ihm geſtanden.

Der Profeſſor fuhr nach Arona und ſtellte Erkun⸗ digungen an. Ohne Mühe erfuhr er, daß ſeit dem No⸗ vember 1835 ſich hier ein junges deutſches Ehepaar aufgehalten. Die junge Gattin ſei im April 1836 von einem todten Kinde entbunden worden, und ein Jahr