Zeitschriftenband 
14 (1849)
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470 Die Herzagin von Choiseul-Praslin.

rätheriſchen Veranſtaltungen, den Schein eines Einbruchs von außen herzuſtellen. Wie ganz anders hätte er mit der teufliſchen Vorabſicht handeln können!

Wir ſcheiden von dieſem Criminalfall nicht ohne Er⸗ ſchütterung. Das Gräßliche der Mordthat tritt zurück vor der inneren Tragödie, die ſich in den Briefen und Memoiren Schritt für Schritt vor uns entwickelt, ein ſo vollſtändiges Seelengemälde, mit Charakteren, die warmblütig, fertig, aus dem Rahmen zu ſpringen ſchei⸗ nen, Producte eines ſocialen Lebens, das in ſeinen Wi⸗ derſprüchen, ſeinen Anforderungen den Keim der Fäulniß in ſich ſelbſt trägt, und bei aller Weihe der Bildung und der reinſten göttlichen Anſchauung der Verhält⸗ niſſe, doch der ſittlichen Kraft entbehrt, dieſe Verhältniſſe ins richtige Maß zu bringen, den Keim der Fäulniß, ſei es auch mit Schmerz, auszubrennen. Erſchlaffung und Ueberſpannung ſind kein Ehebund, der ein geſundes Geſchlecht erzeugt. Alle reiche, glänzende Geiſtesmitgift hilft dieſen Mängeln nicht auf.

Man ſagt, unſere moderne Zeit liefere keinen Stoff mehr zur großartigen Tragödie. Hier liegt er vor, mehr als das, das Trauerſpiel iſt fertig; nur der Dichter fehlt, der es dialogiſirt.

Am 26. Auguſt ward die Leiche des Herzogs zur Erde beſtattet. Nicht in einer Familiengruft, nicht in ſtolzem Wagen, mit Wappen und Federn geſchmückt. Nachts um halb ein Uhr ward der zergliederte Leichnam, in Gegenwart der Polizei⸗Commiſſare und des Directors der Gefangenanſtalt, in ein Grabtuch gehüllt und in einen Eichenholzſarg gelegt, der keinen Namen, keine Embleme, nur die laufende Nummer auf einer bleiernen Platte trug.