468 Die Herzogin von Choiseul-Praslin.
ihm die Anſprüche und Begehrlichkeiten der Frauenzim⸗ mer nach, mit denen er Verhältniſſe hatte. Bizarrerie der Menſchen! Mich hat er immer geopfert, unterdruckt, verwundet, gedemüthigt, gemishandelt, verſtoßen wie Perſonen, die— er nicht einmal geliebt hat!—— Und vielleicht, in ſeinem Innern, zieht er mich doch dieſen Frauen vor, die er verachtet und fürchtet!—— Er begreift nicht, daß ich ihm jetzt vergeben und ver⸗ geſſen könnte. Mein Verdienſt dabei wäre nicht ſo groß, als er glaubt. Ich kann nur eiferſüchtig ſein, ſo lange ich liebe; wenn das vorbei iſt, vergebe ich leicht. Seit nun meine Gefühle ſich ſo ganz verändert haben, zürne ich ihm nur der Kinder wegen.——— Unſere Lage iſt ſo bizarr als traurig.——— Wie wird das enden? An eine vollſtändige Ausſöhnung, wie ſie un⸗ ſerer Kinder wegen wünſchenswerth wäre, glaube ich nicht mehr. Er wird mich immer fliehen, weil er ſich im Unrecht fühlt, und ich werde ihn nur der Kinder wegen aufſuchen.
„Mein Gott! Mein Gott! halte mich aufrecht, leite mich. Ich fürchte mich vor der Zukunft, vor den Drohungen, die er aus ſprach. Aber du wirſt bei mir ſein, mein Gott, ich habe das Vertrauen, du wirſt die arme Mutter aufrecht erhalten, der du die Kraft gegeben haſt, für ihre Kinder zu kämpfen. Herr, ſtehe mir bei!“
Das ſind die letzten Worte der unglücklichen Herzo⸗ gin; die letzten, die wir von ihr aufgezeichnet haben.
Sie fürchtete ſich vor den Drohungen, die er ausge⸗ ſprochen!— Bringt man dieſe Drohungen mit der That in Zuſammenhang?


