466 Die Herſogin von Choiseul-Praslin.
frau wird genannt.„Du weißt es, mein Gott, es iſt nichts mehr von Rache oder Gereiztheit in meinem Herzen, und mit aller Inbrunſt habe ich Dich angefleht, daß Die, welche mir ſo viele Schmerzen bereitet, zu ihrem Heil, zu beſſern Geſinnungen zurückkehren. Du weißt es, wenn ich etwas that, was meinen Kindern, ihrem Vater, hart ſchien, es nur geſchah, weil ich es für meine Pflicht hielt. Ach, wie gern hätte ich, indem ich ſie mit der einen Hand fortſchickte, meiner Kinder wegen, ihr die andere gereicht und ihr geſagt: Ich ver⸗ gebe Dir und zürne Dir nicht.“
Die Deluzy war noch nicht gleich nach der Kündi⸗ gung aus dem Hauſe gegangen, wie wir wiſſen; man ſah ſich nur gegenſeitig nicht mehr. Aus dieſer Zeit ſind die letzten Impressions der Herzogin, datirt vom 13. Juli.
Sie begreift ihren Mann nicht, er klagt, daß er ver⸗ leumdet werde, und gibt doch fortwährend Jedermann den Stoff an die Hand.„Er bricht mit uns und iſt immerfort mit ihr. Es gibt keinen räthſelhaftern Cha⸗ rakter. Iſt das das Uebermaß der Verderbtheit oder der Schwäche?— Hat er Furcht vor dieſem Weibe, daß er nicht wagt, ſo lange ſie im Hauſe iſt, die Kinder ihrer Mutter zurückzugeben? Wer gab ihr dieſe Herr⸗ ſchaft über ihn? Das iſt nicht natürlich. Sie muß ein Mittel haben, ihn durch Drohungen zu feſſeln.— Der arme Mann!—— Welche Zukunft blüht ihm! —— Wenn er mit 42 Jahren ſich ſo durch Intri⸗ guanten feſſeln läßt, was wann er ein Greis iſt!“
Sie begreift jetzt nicht, wie ſie ihn jemals hat ſo leidenſchaftlich lieben können:„Nichts belebt ihn, nichts intereſſirt ihn, nichts erhebt ihn; alle edeln Leidenſchaf⸗ ten, aller Enthuſiasmus rühren weder an ſein Herz,
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