Zeitschriftenband 
14 (1849)
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464 Die Herzogin von Choiseul-Praslin.

beruhigen. Wie er geſtern eilte, nach Praslin zu reiſen, um es kurz abzumachen! Ja gewiß, wie man mir ge⸗ ſagt, ich habe ihm ſelbſt auch damit einen wahren Dienſt geleiſtet. Aber mir wird er es nie verge⸗ ben. Er wird ſich an mir rächen, Tag für Teg, Stunde für Stunde, Minute um Minute, daß ich ihm den Dienſt geleiſtet, daß ich vernünftig war, wo er thöricht war. Der Abgrund wird täglich tiefer zwiſchen uns werden. Je mehr er nachdenkt, je mehr er ſich ſchuldig fühlen wird, deſto mehr werde ich es büßen, deſto mehr wird ſein Rachegefuhl ſich gegen mich entladen. Ich ſchaudere vor der Zukunft. Ich zittere, wenn ich daran denkez ich fühle mich ſehr ſchwach. Gott, komme mir zu Hülfe; gib mir Kraft, dieſe neuen Prüfungen zu ertragen, wie es dein Wille iſt, und deine Gnade zu lenken auf meine Kinder, auf ihn, den Unglücklichen. Ein grauſam Leben bereitet er mir, und doch möchte ich ſeine Lage nicht mit meiner vertauſchen.

Wie ausgetauſcht! Immer traurig, mürriſch, un⸗ zufrieden mit Allem, mistrauiſch gegen Jeden, über Alles in Aerger! Man ſieht, daß die Gewiſſensbiſſe im In⸗ nern thätig ſind. Er ſcheint mir gar nicht mehr derſelbe Menſch. Da ſieht man, was die Abweſenheit aller religiöſen Gedanken hervorgebracht hat, der mora⸗ liſchen Grundſätze, ſiehe da die Früchte der Unthätigkeit, der Faulheit. Er war doch beſſer, es waren Keime guter Dinge in ihm; aber wenn man Dir von Kindheit an keine großartigere Anſicht der Dinge eingeflößt hat, keinen Enthuſiasmus für das Erhabene, dann wird das Leben zum Vegetiren, bis die entnervten Fähigkeiten immer mehr abnehmen und endlich das Materielle allen Raum erfüllt. Er leidet, man ſieht es; denn Alles be⸗