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Cartouche.
Aber er kannte ſie nicht. Befragt über ſeine Mit⸗ ſchuldigen, erklärte er, er habe keine. In der Confronta⸗ tion beſtritt er, daß er irgend einen der ihm vorgeſtellten Spießgeſellen kenne; denn— er ſei weder noch kenne er den Louis⸗Dominique Cartouche, für den man ihn unſchuldigerweiſe gefangen geſetzt! Er ſei kein anderer als Charles Bougoignon, Sohn des verſtorbenen Thomas Bourgoignon zu Bar⸗ſur-Seine. An dieſer Fiction hielt er feſt. Als ſeine eigene Mutter und ſein jüngerer Bru⸗ der ihm vorgeführt wurden und ihn wieder erkannten, ließ er ſich nicht im Geringſten beirren, leugnete ihnen ſtarr ins Geſicht und ſagte: die Leute wären Betrüger. Aber man hatte bei ſeiner Arretirung einen Paß bei ihm gefunden auf den Namen eines Jean Petit, Kaufmann, der vom Herzog von Lothringen unterzeichnet war. Zu welchem Zwecke beſaß er denſelben, wie hatte er ſich deſſen bedient. Hier gerieth er zum erſten Mal ins Stocken, behauptete dann, er ſei ſelbſt dieſer Jean Petit.
Uebrigens zeigte er ſich, trotz ſeiner furchtbaren Lage, heiter, ja ausgelaſſen, er ſcherzte mit dem Criminal⸗Lieu⸗ tenant, zog die Schützenwachten auf, ſang obſcöne Lieder und trank, wo er es konnte. Auch in ſeinem Gefäng⸗ niſſe ging es ihm wie Jacques Shappardz er ward beſucht und gefeiert von den Pariſern, war er doch ihr Lion ge⸗ worden. Ihre Spenden verſüßten ihm die Kerkerleiden. Mit zwei Damen, die ihn beſucht, unterhielt er ein lan⸗ ges und heitres Geſpräch. Als eine ihn bedauerte, daß er auf Stroh ſchlafen müſſe, ſagte er:„Sie ſehen noch nicht Alles, Madame,“ und indem er ihr ſeine mit Ket⸗ ten umſchloſſenen Beine enthüllte:„Wie gefallen Ihnen dieſe Strumpfbänder?“
Ein Dichter Le Grand hatte eine Komödie:„Car⸗ touche“ geſchrieben, die, noch während dieſer in der Con⸗


