438 Cartouche.
erregt, als die Nachricht von Cartouche's Arretirung. Die Stadt war wie in einem Rauſche. Die Italiener und das Theater frangais ſpielten nur Stücke, die auf den Gegenſtand Bezug hatten, die Anſpielungen boten, welche das Publicum beklatſchen konnte. Grandval pu⸗ blicirte eine Epopöe auf Cartouche, die reißend abging; darin die Verſe:
Da iſt nicht klein, nicht groß, Marquis und Straßenjungen,
Der nicht ein Lied beſitzt, das von Cartouche geſungen.
Sein Name fliegt umher auf allen Straßenbühnen,
Er iſt im Italien, ſelbſt im Frangais erſchienen.
Cartouche, Du Glücklicher, dem ſo etwas gelingt,
Dieweil man Helden erſt nach ihrem Tod beſingt. Die Theater wurden durch mehre Wochen nicht leer; jeder wollte von Cartouche hören.
Nachdem ihr Hauptmann gefangen, zerſtreute ſich die Bande. Die Mehrzahl rettete ſich; gegen 150 ſollen unter andern Namen in die Regimenter eingetreten ſein. Car⸗ touche ſelbſt wurde im großen Chatelet mit der äußer⸗ ſten Vorſicht und Strenge bewacht. Ein Arm war ihm vorn geſchloſſen, der andere hinten. Sechs Schützen durf⸗ ten ihn nie aus den Augen verlieren, und wurden alle zwei Stunden abgelöſt.
Dennoch gab Cartouche den Gedanken nicht auf, ſich doch noch befreien zu können. Mit der Bewachung durch die Schützen muß es in der Folge nicht zu ſtreng ge⸗ halten worden ſein, wenn die folgende Erzählung eines ſeiner Verſuche richtig iſt.
Mit den Eiſen, die er trug, hatte er die Stärke der Mauer ſeines Gefängniſſes geprüft. Aus dem hohlen Tone ſchloß er, daß ein Keller daran ſtoßen müſſe. Wenn er dahin gelange, hoffte er gerettet zu ſein. Mit Geduld und Muth bewaffnet, und unterſtützt durch einen neben ihm ſitzenden Maurer, machte er ein Loch, durch welches


