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Der Leuenmord in Luzern. 9
hut auf hoher Stange über einer alten Linde zu Hoch⸗ dorf, das Volk verſammelte ſich und erklärte: Aus der Centralregierung ſoll nichts werden.—„Lieber wolle Luzern, ſo lauteten die Stimmen, wenn der Schild von Sempach nicht mehr zu ſchützen ver⸗ möge, unter die Flügel des gekrönten, mächtigen und weiſen Adlers, in deſſen Reich Ruhe und Wohlſtand herrſche, zurück, als unter die Ta⸗ tzen des nach neuem Kirchenhonig dürſtenden Bären mit der Jakobinermütze.“ So berichtet der Wortredner der letzthin in Luzern herrſchenden ultramon⸗ tanen Partei Verhörrichter Ammann, ſelbſt in ſeiner Schrift. Alſo: lieber damalig Oeſterreichiſch, als un⸗ ter einer vereinigten Schweiz mit liberalen Grundſätzen. Von der entgegengeſetzten Seite hörten wir jüngſt: lie⸗ ber Unterthanen einer liberal adminiſtrirten Monarchie, lieber die Schweiz untergehen unter einem geſetzlichen Staate, einem conſtitutionellen Königthum, als der Name Freiheit unter luzerner Jeſuitenherrſchaft!
Die Schweiz ward noch nicht centraliſirt und 1835 kam Leu wieder in den Großen Rath. In den Ba⸗ dener Conferenzartikeln ſah er eine neue, kirchenfeindliche Tendenz; er ſah voraus, daß„die Scheingläubigen, die in lauem Zuckerwaſſer Umgetauften“ würden aufblühen, da⸗ gegen die„Bollwerke der katholiſchen Kirche durch mate⸗ rielle Gelüſte der Lauen und Flauen“ untergraben wer⸗ den. Dieſes Bewußtſein„machte ihn zum Agitator“. Als ſein Widerſtand im Rathe umſonſt war, ſtiftete er, dem Culturverein gegenüber, einen Betverein. Von nun an war er der Ausgangs⸗ und Mittelpunkt einer antiradicalen Bewegung und ihre Seele. Sein Haus war der Gleichgeſinnten Sammelpunkt, er ſelbſt beſtän⸗
dig auf Miſſionsreiſen. Drohbriefe kamen, ſie erſchreck⸗ 1**


