Jahrgang 
1857
Seite
709
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allgemeinen Dürrung) angeſtellt wurden, welche der Er⸗

krankung der Kartoffelknolle ungünſtig waren, keines voll⸗

giltigen Beweiſes fähig, ſo machen ſie doch ſehr wahrſchein⸗ lich, daß das ſpätere Abblatten der Pflanzen die Ausbildung ihrer Knollen nicht bedeutend behindert, während das zu

frühzeitige Entfernen des Krautes und vorzüglich das Ab⸗

ſchneiden des Stengels dieſes im höheren Grade zu thun ſcheint..

2) Als Einwand auf den Vorſchlag des Abblattens der Kartoffelpflanzen zur Verhütung der Knollenfäule könnte ferner aufgeſtellt werden:Man hat das Kraut dieſer Pflan⸗ zen ſchon häufig durch Abhauen entfernt, ohne der Krankheit Einhalt thun zu können. Dieſes Abhauen, das in der Regel mit Pflanzen geſchah, die ſchon im höchſten Grade er⸗

krankt waren, welche die mehr erwähnten Pilzfrüchte ſchon

entwickelt hatten, muß als gänzlich überflüſſig, ſogar als ſchädlich bezeichnet werden, indem entweder ſchon vor dem Abmähen die Urſache zur Erkrankung in die Erde und in die Nähe der Knollen gelangt iſt, oder dieſes erſt bei der ſtarken Erſchütterung der Pflanzen durch jene Entfernungsweiſe ge⸗ ſchieht, da unter ihr die locker anſitzenden Pilzfrüchte noth⸗ wendig abſpringen müſſen. Iſt dieſe Art der Laubent⸗ fernung aber auch wirklich zu einer Zeit ausgeführt worden, wo Pilzfrüchte ſich noch nicht entwickelt haben konnten, ſo liegt auch hierin durchaus kein Beweis gegen den Erfolg der vorgeſchlagenen Methode. Durch das Abmähen kann nur der obere Theil der Pflanzen entfernt werden, ein Theil des Stengels, an welchem ſich immer eine größere Anzahl der älteſten Blätter befindet, bleibt zurück, und an eben dieſen kann der Blattpilz in größter Menge ſich entwickeln, ſeine Sporen zeitigen und ſomit die Knollenfäule unterhalten. Bekanntlich beſteht das Verheerende der Kartoffelkrankheit darin, daß die Knollen nicht blos faulen, ſondern auch nicht

die gewöhnliche Reife erlangen. Dieſes Zurückbleiben in der

Entwicklung wird, wie oben erwähnt, durch ein zu frühzei⸗ tiges Abſterben des Pflanzenſtengels veranlaßt und Aehn⸗ liches bewirkt auch, wie Experimente gelehrt haben, das frühzeitige Entfernen(Abhauen) der Stengel. Durch zweck⸗ mäßiges Abblatten wird der Stengel wenigſtens ſo lange erhalten, bis die Knolle reif geworden iſt.

3) Wird der Pilzſamen und ſomit die Krankheit ſich nicht von Feldern, auf welchen das Abblatten nicht vorge⸗ nommen wurde, auf diejenigen übertragen, wo das Ent⸗ blättern der Kartoffelſtöcke geſchah? Wahrſcheinlich wird dieſes der Fall ſein und zwar um ſo mehr, je mehr die Nähe kranker Pflanzen und Winde dieſe Uebertragung der Pilz⸗ ſporen erleichtert; doch wird aus naheliegenden Gründen die Erkrankung der Knollen ſicher nie den Umfang gewinnen, als bei nicht abgeblatteten Pflanzen, wo die Pilzſporen auf dem kürzeſten Wege zu den Knollen gelangen können. Gegen die Anſteckung durch fremde Felder wird man um ſo mehr geſchützt werden, als die beſprochene Behandlungsweiſe der Krankheit möglichſt allgemein in Anwendung kömmt.

4) Wird das Abblatten auf Kartoffelpflanzungen von größerem Umfange ausführbar ſein? Verſuche über dieſen Punkt habe ich in größerer Ausdehnung nicht vornehmen können. So weit aber meine Erfahrungen reichen, ſo habe ich gefunden, daß das Entblättern der Kartoffelſtöcke eine, bei einiger Uebung, ſchnell von Statten gehende Arbeit iſt. Man faßt mit der linken Hand die Spitze des Pflanzen⸗ ſtengels und ſtreift mit der rechten in einem Zuge die Blätter ab. Sicher werden in dieſer Weiſe einige fleißige Arbeiter in einem Tage die Kartoffelpflanzen eines preußi⸗ ſchen Morgens entlauben können. Müſſen auf dieſe Arbeit

auch einige Taglöhne verwendet werden, ſo leiſtet das ge⸗ wonnene Kartoffelkraut, das ſich ſicherlich auf irgend eine Weiſe verwerthen läßt, mehr als ausreichenden Erſatz für die Ausgabe.

5) Wird bei dem Abblatten der Kartoffelpflanzen der Pilz und ſomit die Krankheit ſich nicht durch den zurückge⸗ bliebenen Stengel unterhalten und verbreiten?

Um dieſem Einwand zu begegnen, müſſen wir in's Ge⸗ dächtniß zurückrufen, daß fruchttragende Stämmchen unſeres Blattpilzes nur aus den Athem⸗(Spalt⸗) Oeffnungen her⸗ vorwachſen. Nun beſitzt die Oberfläche des Kartoffelſtengels zwar ſolche Oeffnungen, aber nur in höchſt geringer Anzahl. Aus dieſem Grunde wird man nie, wenigſtens höchſt ſelten, Früchte von Peronospora devastatrix(am Blattpilze) an dem Stengel finden, und deßhalb kann die Anſteckung der Knollen die vom Stengel ausgeht, im ungünſtigſten Falle, eine nur ſehr beſchränkte ſein.

Eine flüchtige Unterſuchung lehrt allerdings, daß der Stengel der Kartoffelpflanzen oft in bedeutendem Grade leidet; dieſe Erkrankung geht aber immer von den Blättern, durch die Sporen des Blattpilzes aus, und hat ſo ziemlich gleiche Bedeutung wie die Erkrankung der Knolle.

Zu dieſen verſchiedenen Einwänden wird man noch mehrere andere fügen können, allein beſſer als alle weit⸗ läufigen Erörterungen wird der Verſuch über den Werth meiner Vorſchläge entſcheiden. Zu dieſen Verſuchen kann ich nur auf das angelegentlichſte auffordern, da nach meiner feſten Ueberzeugung ein Erfolg mit großer Wahrſcheinlich⸗ keit zu erwarten ſteht. Oder hält man ſolche Verſuche für überflüſſig, weil die Natur die Krankheit ſchon ſelbſt be⸗ ſeitigen wird?

So wenig wie an ein Ausſterben anderer Schimmelpilz⸗ Arten, z. B. des Schimmelpilzes, der gewöhnlich das Brot anfällt, zu denken iſt, ebenſowenig wird der Kartoffelpilz von ſelbſt verſchwinden, ich glaube, nicht einmal von ſelbſt ſich bedeutend verringern. Brot und andere gewöhnlich ſchim⸗ melnde Dinge ſind beſtändig in dem Bereiche von Pilz⸗ ſamen. Dieſe Samen keimen und treiben Pflanzen, ſobald einigermaßen günſtige Bedingungen eintreten. Ein gleiches iſt mit der Kartoffelpflanze der Fall. Auch ſie iſt bei der allgemeinen Verbreitung ihres Schimmelpilzes, jedenfalls immer von deſſen Samen umgeben, allein es ſind gewiſſe Bedingungen nothwendig, welche die Entwicklung jener Keime einleiten und unterhalten. Von dem Vorhandenſein oder Mangeln dieſer Bedingungen hängt das Auftreten der Kartoffelſeuche mit all ihren Folgen ab. Und dieſe Be⸗ dingungen ſind, einige Regentage, einige Zeit feuchte und kühle Luftſtrömungen in einer gewiſſen Periode.

Ich habe voriges und auch dieſes Jahr geſehen, daß bei anhaltender Dürre die Entwicklung der Kräuſelkrankheit auf⸗ gehalten wurde. Durch das ſchnelle Verdorren der er⸗ krankten Blätter wurde die Pilzbrut zerſtört, aber ich habe auch beobachtet, daß ein einziger Regenſchauer die Pilzkeime

in Unzahl wieder weckte und in wenigen Tagen weite Felder

der Krankheit überlieferte. Fallen ſolche Regentage in die Zeit, wo der Schmarotzer eben erſt in die Blätter der Kar⸗ toffelpflanzen eingedrungen iſt, wo die Knollen noch jung ſind, dann wird die Seuche immer eine verheerende ſein, während, wenn ſie erſt ſpäter ſich einſtellen, wie voriges und auch dieſes Jahr, wohl das Kraut erkranken, ſelbſt in ſehr großer Ausdehnung leiden kann, die reife Knolle aber, durch ihre dicke Schale geſchützt, in verhältnißmäßig geringem Um⸗ fange von der Fäule ergriffen wird.