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davon anſchaffen, ſtets fördern ſie damit irgend einen Ge⸗
werbszweig und es fließt als Arbeitslohn den darin beſchäf⸗ tigten Arbeitern zu. Ebenſo, wenn ſie die Summe, um eine Rente davon zu ziehn, als Kapital in Aktien, Hypotheken oder in einem neuen von ihnen ſelbſt entrirten Geſch legen, wo es ganz unfehlbar zuletzt irgend einem Produktions⸗ zweige, ſei es der Landwirthſchaft, dem Bergbau, der in⸗ duſtriellen Fabrikation, dient und ſchlüßlich in Form von Arbeitslöhnen verausgabt wird.
Das einzige, natürliche Lohnminimum, von dem ſich a llenfalls reden läßt, Dauer, immer nur derjenige Lohnbetrag ſein, der zur aller⸗ nothdürftigſten werſeinu mit den unerläßlichſten Lebens⸗ bedürfniſſen erforderlich iſt. Denn wird dieſer Betrag nicht erreicht, ſie, vermöge der der menſchlichen Natur eingebornen Träg⸗ heit, überhaupt nicht mehr geneigt ſein, zu arbeiten, und wenn die Arbeit ſie einmal nicht mehr vor dem Verhungern ſchützt, dieſem lieber ohne Plage und Mühe entgegen ſehn.
Wirklich iſt denn auch, dies muß anerkannt werden, die allgemeine Einſicht in neuerer Zeit ſoweit geſtiegen, daß in
äft an-
wird daher, zum wenigſten auf die
müſſen die Leute bei der Arbeit hungern, ſo werden papiergeldes, der Aſſignaten feſtſetzte,
civiliſirten Staaten es ſich eine Regierung nicht ſo leicht bei⸗
kommen läßt, auf direktem Wege mindeſtens, zwangsweiſe in die Regulirung der Werthe und Löhne einzugreifen, und Niemand, der Etwas von der Sache verſteht, namentlich das Wohl der arbeitenden Klaſſen am Herzen liegt, wird ſolchen Maßregeln das Wort reden. Nur das Anwachſen des produktiven Kapitals eines Landes, nur deſſen Anlage in induſtriellen Unternehmungen, weil es die Menge und den Umfang der Etabliſſements, alſo die Nachfrage
und dem
nach Arbeitern vermehrt, kann wohlthätig auf das Steigen der öffentliche Bankerott.
der Löhne einwirken. Das Einſchreiten der Staatsbehörden zu dieſem Behufe aber iſt nicht nur völlig vergeblich und
ſuchte, verfehlte ſie ihren Zweck gänzlich.
machtlos, ſondern bewirkt gerade das Gegentheil. Denn indem es die freie Bewegung, das Gedeihen, ja die Exiſtenz der Etabliſſements gefährdet, wie wir zeigten, und einen dem Riſiko angemeſſenen Gewinn der Unternehmer ſchmälert, hemmt es das Anwachſen, die Bildung neuer Kapitalien und bewirkt, daß ſich die bereits vorhandenen aus einer der⸗ geſtalt gemaßregelten und nicht lohnenden Induſtrie zurück⸗ ziehen. Die traurige Folge davon aber iſt, daß ſie ihre Anlage in den Nachbarländern unter günſtigern Bedingungen ſuchen und in der Heimat verödete Werkſtätten, eine verküm⸗ merte Gewerbsthätigkeit und Haufen brodloſer Arbeiter zu⸗ rücklaſſen. Einen verhängnißvollen Beleg hierzu bietet uns die franzöſiſche Revolutionsgeſchichte. Mit dem berüchtigten Dekrete des Nationalkonvents vom 11. April 1793, worin man zuerſt den Kours, den Zwangswerth des Staats⸗ begann jene Reihe unſinniger Verordnungen, welche zunächſt die Preiſe der nothwendigſten Lebensmittel, weiter aber auch aller andern Waaren, ſowie die Arbeislöhne fixirten, und viele Händler zwangen, unter dem Einkaufspreiſe zu verkaufen, bei Strafe, als verdächtig vor das Revolutionstribunal geſtellt zu wer⸗ den, was dem Gulllotiniren ſo ziemlich gleich kam.
mentlich die Pariſer Commune die Maßregel durchzuführen Das Intereſſe fand tauſend Wege, das Geſetz zu umgehn, das Kapital zog ſich aus dem Verkehr zurück, und aus ſonſt nur vonlborgehender Theurung entſtand dauernder Mangel. Das Ende aber war, außer dem Ruin von Tauſenden irgelrer Bürger, den tyranniſchſten Eingriffen in den innerſten Haushalt der Familien, allen Leiden der entſetzlichſten Beamtenwillkür,
Die Kartaffelknalle und ihre Erkrankung.
Von hr. J. Speerſchneider.
III.
Durch welche Mittel Kann man erwarten, der Nartoffelfäuſe Einhalt zuethun?
*(Schluß.)
Am 18. Juli hatte ich zuerſt entſchiedene Spuren der ſuche,
Kräuſe lkrankheit bemerkt, und einige Tage ſpäter ließ ich eine dritte Partie zum Theil blühender Kartoffelſtöcke auf die oben bezeichnete Weiſe abblatten.
Während einer allgemeinen Dürrung, in welcher die Kartoffelpflanzen vieler Aecker abſtarben, wenigſtens welkten, in welcher ein großer Theil ſelbſt der Pflanzen des Feldes, auf welchem ich meine Verſuche angeſtellt hatte, zu Grunde ging, erhielten ſich die Pflanzen, mit welchen ich experimen⸗ tirte, verhältnißmäßig friſch bis Ende Auguſt. Gegen die Mitte Septembers wurden die Knollen des beſagten Ackers eingeerntet und hierbei ergab ſich Folgendes:
Die Knollen waren durchgehends kleiner, wenn auch eben ſo zahlreich als in früheren Jahren. Die Fäule war höchſt unbedeutend, denn unter etwa 160 Scheffeln konnten bei dem ſorgfältigſten Nachſuchen kaum einige Dutzend kranke Erd⸗ äpfel aufgefunden werden.
Zu jeder der drei Verſuchsreihen waren hundert Pflan⸗ zen verwendet worden. Unter den ſämmtlichen Knollen derſelben fand ſich zwar nicht eine einzige faulende, ein gleiches war aber auch der Fall bei hundert ſich ſelbſt über⸗ laſſenen Pflanzen.
In Bezug auf Schutzfähigkeit laſſen demnach dieſe Ver⸗ wegen allgemeinen Ausbleibens der Krankheit, keinen Schluß zu, wohl aber geben ſie Anhaltepunkte zur Beant⸗ wortung der oben aufgeworfenen Frage:„Wirkt das Ab⸗ blatten ſchädlich auf die Entwicklung der Knollen?“— Nach Zählung und Wägung der Kartoffelknollen von je zehn Stöcken der drei hundert, auf dreierlei Weiſe behan⸗ delten Pflanzen, ſtellte ſich im Vergleich zu den ſich ſelbſt überlaſſenen, nicht abgeblatteten und nicht abgeſchnittenen, als Endergebniß heraus, daß die Kartoffelſtöcke, welche An⸗ fangs Juni zum erſten Male, in weiterem Verlaufe ihrer Vegetation in ziemlich gleichen Zwiſchenräumen noch zwei Mal abgeblattet wurden, der Zahl nach etwas mehr, dem Gewicht nach etwas weniger Knollen lieferten. Die Anfangs Juni, und ſpäter noch einmal abgeſchnittenen Kartoffelſtöcke, hatten an Zahl die meiſten, an Gewicht die wenigſten Knollen produzirt. Bei denjenigen Pflanzen, die erſt am 20. Juli eines größeren Theiles ihrer Blätter beraubt worden waren,
zeigten die Knollen weder an Zahl noch an Gewicht eine be⸗
deutendere Differenz. Sind auch dieſe Verſuche, wegen ihres geringen Um⸗ fanges und hauptſächlich, weil ſie unter Umſtänden(einer
Dennoch,, trotz der furchtbaren revolutionäͤren Energie, mit welcher na⸗


