Jahrgang 
1857
Seite
706
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mit einem Brief unter Auguſts Adreſſe in das Zimmer.

Flüchtig ſah ihn dieſer an und gab ihn uneröffnet zu⸗ rück.Laſſen wir

Circular.

heute die Geſchäfte, es iſt ein bloßes

Aber wo bleibt die Pflichttreue? rief lächelnd Herr

Forſter.

ergebenſt

Faſt beſchämt erbrach Auguſt das Siegel und las: Mit Nachfolgendem beehren wir uns, Ihnen anzuzeigen, daß unſer Herr Auguſt Büchner, bisher Prokuraträger, als Theilnehmer unſers Geſchäftes eingetreten iſt und zeichnen wir demzufolge fortan hochachtungsvoll und Forſter und Büchner.

Die Cramer-Klett'ſche Maſchinenfabrik in nürnberg.

Als man in Deutſchland anfing, Eiſenbahnen zu bauen, befand man ſich in Bezug auf das Material für dieſelben in der vollſtändigſten Abhängigkeit vom Ausland. Schienen, Eiſenbahnwagen, Lokomotiven mußten von auswärts her be⸗ zogen werden. Es gab in Deutſchland keine einzige bedeu⸗ tende Maſchinenfabrik. Das iſt in den letzten 10 Jahren an⸗ ders geworden. Die Maſchinenfabrikinduſtrie hat in Deutſch⸗ land einen außerordentlichen Aufſchwung genommen, und keine Eiſenbahnverwaltung denkt mehr daran, ihren Bedarf vom Ausland zu beziehen. In allen bedeutenden Staaten ſind große Etabliſſements entſtanden und haben ſich raſch vergrößert. Sie haben zum Theil einen europäiſchen Ruf erlangt. Wer kennt nicht die Fabrik von Borſig in Berlin? die Maſchinenfabrik in Eßlingen? die von Maffei in Mün⸗ chen? die von Cramer⸗Klett in Nürnberg?

Während in dem Etabliſſement des Herrn Maffei in München vorzugsweiſe Lokomotiven gebaut werden, beſchäf⸗ tigt ſich die Maſchinenfabrik des Herrn Cramer⸗Klett vor⸗ zugsweiſe mit dem Bau von Eiſenbahnwagen. Die raſche Entwicklung der letztern beginnt erſt mit dem Jahre 1851. In jener Zeit wurde der Eiſenbahnbau in Bayern kräftiger in die Hand genommen, und das Etabliſſement wurde faſt ausſchließlich durch Staatsaufträge beſchäftigt. Allein im Jahre 1855 geriethen die Bahnbauten in Bayern in's Stocken, und das inzwiſchen bedeutend vergrößerte Etabliſſe⸗ ment ſah ſich gezwungen, für die öſtreichiſchen Bahnen zu arbeiten. Inzwiſchen waren aber die Vorbereitungen für das bayriſche Oſtbahnnetz vollendet, zu deſſen Gründern und Leitern Herr Cramer⸗Klett ſelbſt gehört, und die dadurch nöthig gewordenen Arbeiten geben der Fabrik reichliche Be⸗ ſchäftigung. 4

Das Cramer⸗Klett'ſche Etabliſſement liegt ſüdöſtlich der Stadt Nürnberg und bildet ſelbſt eine kleine Stadt von Fabrikgebäuden. Neun Dampfmaſchinen mit mehr als 300 Pferdekraft ſetzen die vorhandenen 267 Betriebsma⸗ ſchinen in Bewegung. Die Zahl der Arbeiter beträgt über

R2200. Die Anſtalt theilt ſich in eine Abtheilung für Ma⸗

ſchinenfabrik, eine Abtheilung für Herſtellung von Eiſenbahn⸗

bedarf, eine Abtheilung für Brücken⸗ und Eiſenbauten, in

eine Gießerei und in eine Schrauben⸗ und Drahtſtiftfabrik.

Aus der Maſchinenfabrik ſind in den letzten Jahren mehr als 160 Dampfmaſchinen hervorgegangen, darunter mehre von 400 Pferdekraft. Neueſtens hat man begonnen,

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kleinere Dampfmaſchinen von ½ bis 20 Pferdekraft auf Lager herzuſtellen. Dadurch ſollte der Gebrauch der Dampf⸗ maſchinen den kleinern Gewerben zugänglich gemacht werden; denn die gleichzeitige Anfertigung vermindert die Herſtellungs⸗ koſten, und Hr. Cramer⸗Klett iſt bereit, die Maſchinen gegen wöchentliche Abſchlagszahlungen abzulaſſen.

In der zweiten Abtheilung wird aller Eiſenbahnbedarf geliefert, mit Ausnahme der Lokomotiven. Der Eiſenbahn⸗

wagenbau und die Räderfabrikation wird im großartigſten

Maßſtab betrieben. Man kann ſich eine Vorſtellung davon machen, wenn man erfährt, daß die Fabrik ſich contraktlich verpflichten kann, täglich 6 bis 8 Laſtwagen(je nach der Conſtruktion) und einen Perſonenwagen ganz fertig herzu⸗ ſtellen.

Aus der Abtheilung für Brücken⸗ und Eiſenbauten iſt die große Schrannenhalle in München mit einer Länge von 1126 Fuß, einer Breite von 98 Fuß und einem Geſammt⸗ eiſengewicht von 20,000 Centner, ferner der Münchner Glaspalaſt mit 30,286 Centnern Guß⸗ und Schmiedeeiſen, ferner die Froße eiſerne Brücke über die Iſar bei Großheſſel⸗ lohe und Anderes hervorgegangen. Die Gießerei producirt jährlich 45 50,000 Centner Maſchinenguß, die Draht⸗ ſtifte-Fabrik Drahtſtifte auf 32 Maſchinen.

Das Etabliſſement zerfällt in 12 verſchiedene Werk⸗ ſtätten: 1) die Gießerei, 375 Fuß lang, 80 Fuß breit, mit 4 Luftöfen, 6 Krahnen, mehren Trockenöfen; 200 Arbeiter ſind hier beſchäftigt; 2) die große Schmiede mit 100 Schmiede⸗ feuern und 5 Ventilatoren, Zahl der Arbeiter 310; 3) die neue Schloſſer-Werkſtätte mit 44 von einer Dampfmaſchine ge⸗

triebenen verſchiedenartigen Drehbänken u. ſ. w., Arbeiter⸗

zahl 276; 4) Keſſelſchmiedegebäude; 5) Drehereigebäude mit Montirerei und Schloſſerei; 6) ein Montirungsge⸗ bäude; 7) eine Modellſchneiderei; 8) ein ganzer Complex von größeren Gebäuden für Holzarbeiten oder Wagenbau mit den Baulichkeiten für 16 verſchiedene Dampfſägen; die Räumlichkeiten ſind ausgedehnt genug, um die gleichzeitige Aufſtellung von 188 Eiſenbahnwagen zu geſtatten; 9) das Drahtſtiftengebäude mit 32. Bureaugebäude, zugleich die Zeichenſäle enthaltend; 11) zwei Magazingebäude; 12) die Gasbereitungsgebäude.

Der jährliche Umſatz an Geld beträgt 5 bis 6 Millionen Gulden, der Aufwand an Arbeitslohn von 700,000 bis 800,000 Gulden.

Dampfmaſchinen; 10) das