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Durch alle Buchhandlungen und Poſtämter für 12 ½ Ngr. vierteljährlich zu beziehen.
Inhalt: Weihnachtsabende. Eine Alltagsgeſchichte von Hans Hollar.— Die Cramer⸗Klett'ſche Maſchinenfabrik in Nürnberg.— Volkswirth⸗ ſchaftliche Skizzen. Von H. Schulze⸗Delitzſch. XII.— Die Kartoffelknolle und ihre Erkrankung. Von Dr. J. Speerſchneider.(Schluß.)— Zur Geſchichte bes britiſchen Reichs in Oſtindien.— Aus dem Weltleben.— Was beliebt.— Ankündigung.
Weihnachtsabende.
Eine Alltagsgeſchichte von Hans Hollar.
1.
Im Jahre 1854 ſaß am Weihnachtsabend eine bür⸗ gerlich ſauber gekleidete Frau ſtrickend bei einer Schirm⸗ lampe. Die Stube war zwar klein, doch wohldurchwärmt, und zeugte in ihrer Einrichtung von ſparſamer Be⸗ haglichkeit. Neben dem Picken der Wanduhr hörte man ſogar das leiſe Klappern der Stricknadeln. So ſtill war es, und die Frau augenſcheinlich recht in Gedanken ver⸗ ſunken, ihre Bewegung mit den Stricknadeln rein me⸗ chaniſch. Die Frau war alt, ihr Geſicht ſchwerlich jemals von tiefen Leidenſchaftskämpfen verzerrt. Dennoch lag ein tiefer Schmerzenszug darin, jener Ausdruck reſignirter Ergebung, wie wir ihn oft bei Wittwen finden, die ihre Einſamkeit ohne Klage, wie eine naturgemäße Schickung hinnehmen. Man weiß nur freilich nicht, wie es im tief verſchleierten Herzen ausſieht. Während die Uhr fort⸗ pickte und die Nadeln fortklapperten, und das ruhige Ge⸗ ſicht der alten Frau ſich nicht verzog, trat doch eine ganz einſame, ſchwere Thräne aus den noch jetzt großen Augen. Und gerad, da ſie dieſelbe faſt verſchämt mit der wei⸗ ßen Schürze abtrocknete, klingelte draußen eine Glocke haſtig, wie von einem Dampfſchiff. Von vielen Men⸗ ſchentritten und Menſchenſtimmen ward es gleichzeitig laut auf der Straße. Sie kamen ſämmtlich aus einer Richtung, verſtreuten ſich dann hörbar nach den verſchie⸗ denſten Seiten und waren bald bis auf einzelne Nachzüg⸗ ler verklungen.
Doch eben bei dieſem plötzlichen Lärmen hatte die
weite.
Frau bitterlich in ſich hineingeweint. Als es dann ſtill war, trat ſie an's Fenſter und blickte, an den Scheiben wiſchend, hinaus in die Winternacht, welche ein dünner, friſchgefallener Schnee dämmernd erhellte. Grad dem Fenſter gegenüber, jenſeits der Straße ſchloß ein koloſ⸗ ſales Gitterwerk einen ſehr weiten Hofraum ab, deſſen Tiefe und beide Seiten ein langgeſtrecktes, doppeltge⸗ flügeltes Haus mit unzähligen Fenſterreihen einnahm. Kaſernenartig war es anzuſehen, und die hohen Kaminen⸗ ſchlote, welche rechts und links über den Dächern empor⸗ ragten, ließen die Fabrik nicht verkennen. Nur verirrt und düſter erleuchtete ein Lichtſchein hier und da eines der Fenſter. Zugleich ziſchte mit brauſender Gewalt aus einzelnen auf das Dach geſetzten Röhren ein weißer Qualm in die ſchneehelle Nachtluft empor. Man ließ den Dampf aus den Maſchinen. Vollkommen dunkel blieben nur die Fenſter des Mittelgebäudes. Nach und nach verloſchen jedoch auch die letzten Scheine in den Nebenflügeln; das Brauſen des Dampfes war vorbei, einzelne ſchwarze Geſtalten gingen noch über den weiten Hofraum und aus dem Gitterthore. Ein Mann in dicken Mänteln ſchlug deſſen Flügelthüren klirrend zu und ſchloß ſie ſorgfältig, worauf er im Fabrikgebäude ver— ſchwand.
Die Frau ſtand noch immer am Fenſter. Es war jetzt ſterbenseinſam und todtenſtill in ihrer ganzen Blick⸗ Halb dachte ſie es, halb ſprach ſie es:„Vor'm Jahr kam er auch herüber! Da war's drüben im Mit⸗


