Jahrgang 
1857
Seite
697
Einzelbild herunterladen

Mas belieht.

Bangkok, die Hauptſtadt von Siam, am Fluß Menam, we⸗ nige Meilen von der Küſte des Golfs von Siam gelegen, iſt eine dicht bevölkerte Stadt, aber weniger ungeſund als von ihrer ſüd⸗ lichen Lage an einem breiten Fluſſe erwartet werden dürfte. Man glaubt, daß ſie dieſe Geſundheit theilweiſe der Sitte ver⸗ dankt, die in Siam allgemein iſt, die Todten zu verbrennen. Die Frau eines engliſchen Conſuls erzählt darüber in den Household-words: Als wir am Morgen nach unſrer Ankunft im Hauſe des amerikaniſchen Conſuls frühſtückten, bemerkten wir lebhafte Bewegung unter den Dienern. Stühle und Tiſche wurden weggetragen, Porcellan und Gläſer verſchwanden, Boten gingen fortwährend ab und zu, augenſcheinlich im Intereſſe des Prinzen. Neugierig fragten wir, ob denn die Edelleute hier die Gewohnheit hätten, die Geräthe und das Eigenthum der Frem⸗ den zu borgen. Nein, lautete die Antwort, gewöhnlich iſt das nicht der Fall, aber der Prinz als unſer Nachbar nimmt dieſes Vorrecht in Anſpruch. Er verbrennt ſeine Mutter und entlehnt für die bei dieſem Anlaß gewöhnlichen Feſtlichkeiten einige Geräthe. Er verbrennt ſeine Mutter! Ich erfuhr nun, die alte Dame ſei geſtorben und ihr Körper ſolle auf dem Grunde eines benachbarten Tempels verbrannt werden, wo der Holzſtoß ſchon aufgeführt ſei. Die Zurüſtungen zu dieſer Ceremonie währten mehrere Tage, denn 3 königliche Leichen ſollten mit einander verbrannt werden, ein Onkel eines der Könige und eine gleichzeitig geſtorbene Prinzeſſin. Wir wurden zu der Feierlich⸗ keit eingeladen. Ich fürchtete mich gerade zur Verbrennung zu kommen, denn ich dachte mir dieſen Anblick ſehr widerwärtig; allein meiner Bemühungen ungeachtet langten wir in dem Au⸗ genblicke an, wo der Oberprieſter unter vielen Formen und Um⸗ ſtänden den Holzſtoß anzündete. Die drei Särge hatten die Geſtalt von Urnen, ungefähr 3 Fuß hoch, vergoldet, aber ohne weitere Zierrathen; in ihnen waren die Leichname, bereits ein⸗ balſamirt, in ſitzender Stellung. Die Urnen waren von Eiſen, der Boden derſelben beſtand aus eiſernen Stäben, die einen Roſt bildeten. Die darin befindlichen Todten wurden in Proceſſion, unter Begleitung vieler Prieſter und Leidtragenden, an die Stelle gebracht, wo ſie verbrannt werden ſollten. Hier war ein großes, mit Flaggen und Blumen verziertes, mit weißem und rothem Tuch behangenes Zelt aufgeſchlagen; in der Mitte war eine Er⸗ höhung, von drei Oeffnungen durchbrochen, unter jeder dieſer Oeffnungen war Brennmaterial für ein großes Feuer. Nachdem die Urnen über dieſelben geſtellt, wurden die Feuer angezündet, die Leichname verbrannten ſchnell, die Aſche fiel hinab in die Gluth. Die leeren Urnen wurden entfernt, bevor wir aufbrachen, keine Spur ihres früheren Inhaltes war erkennbar. Aller wider⸗ liche Geruch wurde, wie es ſcheint, bewältigt durch die Maſſen von Weihrauch, welche die Prieſter verbrannten und durch das wohlriechende Holz, das man bei dem Scheiterhaufen angewendet. Es war dieß eine bedeutende Feierlichkeit dieſer Art, der beide Könige mit ihren ſämmtlichen Weibern anwohnten. Die Prieſter und alle auch noch ſo entfernten Verwandten trugen weiße Klei⸗ der und ebenſolche Gürtel, anſtatt der gewöhnlichen rothen und blauen, auch die Frauen waren ſämmtlich in Weiß gekleidet, dieß war aber auch das einzige äußere Zeichen der Trauer. Schmaus und Luſtbarkeit folgte nun in Menge, Spiele und Er⸗ götzlichkeiten aller Art wurden freigebig dem Volke dargeboten. Die Muſiker ſpielten in der nächſten Nähe des Zeltes eine Art Trauermelodie.

Herr Julian Schmidt, der Leipziger Kritikaſter, der in den Grenzboten ſeine Lügen⸗ und Verleumdergewebe mit der ihm

eignen Anmaßung treibt, welche trotz der damit verbundenen Unwiſſenheit nicht ſelten durch ihre Inſolenz imponirt, hat außer einer Geſchichte der deutſchen nun auch eine Geſchichte der neuen franzöſiſchen Literatur ſeit der Revolution geſchrieben. In den kritiſchen Blättern für Literatur und Kunſt von Schmidt⸗Weißen⸗ fels wird ihm nun nachgewieſen, daß er das Buch aus vielen franzöſiſchen Werken zuſammengeſudelt hat. Z. B. Hr. Schmidt citirt Verſe aus Voltaire's Mahomet oder Brutus, aber er hat die Bücher nicht ſelbſt vor ſich, ſondern er nimmt die Verſe aus Toubin's Geſchichte des franzöſiſchen Theaters; da Hr. Toubin ſie fehlerhaft citirt hat, ſo gehen die Fehler natürlich auch in die Citation des Hrn. Julian Schmidt über. Mit geringen Form⸗ änderungen ſchreibt Hr. Julian Schmidt auch ſeine Urtheile aus franzöſiſchen Büchern ab; nie fällt es ihm ein, eine Quelle zu nennen. Ganze Bogen des Schmidt'ſchen Buches ſind aus einer Schrift von Henri Taine excerpirt. Dabei laufen die ärgſten Lüderlichkeiten mitunter. Trotzdem aber gibt es noch immer Leute in Deutſchland, bei denen Hr. Julian Schmidt, dem ſeine lüderliche Buchmacherei und Compilation ſchon hundertmal nach⸗ gewieſen wurde und der nichts für ſich anführen kann als ſeine Impertinenz und Anmaßung, in großem Anſehen ſteht, ja die wirklich ſeinen kritiſchen Urtheilen Werth beilegen.

Bei der jetzigen Geldcalamität, die ihren Ausgangspunkt in Nordamerika hat, wird man die folgenden ſtatiſtiſchen No⸗ tizen mit Intereſſe leſen und unterrichtend finden. Das in Nord⸗ amerika angelegte britiſche Capital(das in Folge der eigenen Bedürfniſſe Englands wohl theilweiſe zurückgezogen wurde, wo⸗ durch nothwendig in Amerika Verlegenheiten herbeigeführt wer⸗ den mußten) beträgt nicht weniger als die ungeheure Summe von 450 Mill. Dollars oder 90 Mill. Pf. St., 54 Mill. Dollars mehr als von 1793 bis 1857 in Nordamerika im Ganzen Gold ausgemünzt wurde, ſo daß das geſammte in Nordamerika cirku⸗ lirende Gold nicht hinreichen würde, den Engländern ihre For⸗ derungen zurückzubezahlen. Rechnet man die ganze in den Vereinigten Staaten cirkulirende Silbermaſſe noch hinzu, ſo würde dieſe zuſammen mit dem cirkulirenden Gold zwar zur Bezahlung der engliſchen Guthaben hinreichen, aber nach Be⸗ zahlung derſelben würden nur 38 Mill. Dollars noch in Nord⸗

amerika zurückbleiben. Die amerikaniſchen Eiſenbahnen ſtellen

eine Strecke von ungefähr 22,000 engl. Meilen dar. Sie wur⸗ den von Eiſenbahngeſellſchaften gebaut, aber kaum eine dieſer Geſellſchaften hat mit dem eingezahlten Capital den Bau be⸗ ſtritten, faſt alle haben Schulden und die bedeutendſten haben die meiſten Schulden: ſo hat die Newyork⸗ und Erie⸗Bahn ein eingezahltes Capital von 10 Mill. Dollars und eine Schulden⸗ maſſe von 26 Mill., die Illinois Centralbahn 2 ½ Mill. Capital, 19 Mill. Schulden, die Newyork Centralbahn 24 Mill. Capital, 14 Mill. Schulden, Baltimore⸗Ohio 13 Mill. Capital, 10 Mill. Schulden u. ſ. w. Gleichwohl kommen die amerikaniſchen Bah⸗ nen ſämmtlich wohlfeiler zu ſtehen als die europäiſchen. Land iſt wohlfeil, Gerichtskoſten unbedeutend, die Bahnhöfe auf den größeren Stationen unſcheinbar und ohne allen Luxus, an den geringeren Stationen bloße Breterhütten. Die Wagen ſind zwar ſämmtlich erſter Claſſe, aber kaum beſſer als die zweiter Claſſe in England und viel ſchlechter als die zweiter Claſſe in Deutſch⸗ land. Aber freilich machen ſich die Bahnen unter ſich ſolche Concurrenz, daß die Preiſe oft unter dem Koſtenpunkt ſtehen. Dagegen werden nun aber in Amerika auch ungeheure Werthe producirt. Der Export von Amerika betrug im Jahre 1855