Jahrgang 
1857
Seite
694
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geſehen haben. Eingewendet kann hauptſächlich zweierlei werden. Wird wirklich der Same zur Erkrankung, d. h. die Pilzſporen, durch die Saatkartoffeln in das jedesmalige Kartoffelfeld gebracht? Dieſer Fall iſt möglich, ſelbſt wahrſcheinlich, aber keineswegs erwieſen. Sind jene Mittel, wie etwa Kalk u. ſ. w., im Stande, die Keimfähig⸗ keit der Sporen des Kartoffelpilzes zu zerſtören.) Auch hierüber fehlt der entſchiedene Nachweis. Ausgemacht iſt nur, daß die Samenkörner der meiſten Pilze höchſt zählebige Bildungen ſind, die nicht blos die ungünſtigſten Witterungs⸗ zuſtände, nicht blos ſehr hohe Wärme- und Kältegrade gut ertragen, ſondern ſelbſt nach Einwirkung chemiſcher Agentien bis zu einem gewiſſen Grade ihre Keimfähigkeit behalten.

Ein anderes Verfahren, den Ausbruch der Kräuſelkrank⸗ heit zu verhüten, welches ſich hie und da Vertrauen erworben zu haben ſcheint, beſteht darin, das Kraut der Kartoffel⸗ pflanzen zu einer gewiſſen Zeit mit einer ätzenden Subſtanz, am häufigſten Kalk, zu beſtreuen. Neben der aufgeworfenen Frage über die Wirkſamkeit einer ſolchen Subſtanz auf den Pilz iſt hier noch zu bedenken, daß der Pilz ſich im Innern des Blattes entwickelt, daß in ſeine unmittelbare Nähe zu gelangen, nur die untere Blattfläche Gelegenheit, durch die blos hier befindlichen Spaltöffnungen, giebt, die aufgeſtreute Subſtanz aber zum bei weiten größten Theile blos auf die obere Blattfläche trifft, die keine unmittelbaren Wege zum Innern beſitzt.

Da es höchſt wahrſcheinlich iſt, daß die Früchte des Knollenpilzes(Fusisporium Solani), vielleicht auch die des Blattpilzes(Peronospora devastatrix), Anlaß zur jähr⸗ lichen Wiederkehr der Kräuſelkrankheit geben, ſo verdient das erkrankte Kartoffelkraut und vorzüglich die erkrankte Knolle höchſt ſorgfältig behandelt zu werden. Vielleicht dürfte die Beachtung folgender Vorſchläge geeignet ſein, die bekannte Seuche mehr zu beſchränken, als alle jene empfohlenen Aetz⸗ mittel.

1) Man laſſe die Knollen nicht zu lange in der Erde liegen. Wenn man in Erfahrung gebracht hat, daß ein Kartoffelfeld von der Krankheit befallen iſt, beeile man ſich, die Erdäpfel, ſobald ſie einigermaßen Reife erlangt haben, einzuernten. Ein zu langes Liegenlaſſen im Boden hat den Nachtheil, daß die kranken Knollen Zeit gewinnen, den Pilz zur vollkommenen Entwicklung zu bringen, Früchte zu tragen und dieſe weiter auszuſtreun. Nebenbei werden ſolche Knollen durch Zerſetzung gänzlich unbrauchbar. Jüngere be⸗ kommen wegen zu ſchnellen Abſterbens des Pflanzenſtengels durch langes Liegenlaſſen nicht die beabſichtigte, vollkom⸗ menere Ausbildung, ſie ſind vielmehr der Gefahr der An⸗ ſteckung ausgeſetzt.

2) Man ſammle auch die kranken Kartoffel⸗ knollen ſorgfältig ein. Häufig iſt es geſchehen, daß man die kranken Knollen auf offenem Felde ihrem Schickſale über⸗ ließ. Es mag dieſes jetzt, wo man dieſe Knollen zu ver werthen gelernt hat, weniger häufig mehr vorkommen, als früher, wo man ſie für unbedingt ſchädlich hielt. Jedenfalls begünſtigt eine ſolche Nachläſſigkeit die Entwicklung und Verbreitung des Samens des Knollenpilzes.

3) Wenn irgend möglich, ernte man die Knollen nur bei trockenem Boden ein, ſondere die kranken ſorgfältig von den geſunden, und bewahre erſtere nur an trockenen, luftigen und dem Lichte zugäng⸗ lichen Orten auf. Werden Kartoffeln bei feuchter und naſſer Witterung eingeerntet, ſo iſt zu befürchten, daß mit der an den Knollen reichlich anhängenden Erde Pilzſporen in die Keller und Gewölbe, wo die Erdäpfel in der Regel aufbe

wahrt werden, ſich verſchleppen. Indem auf ſolche Weiſe die Aufbewahrungsorte mit den wahrſcheinlichen Krankheits⸗ keimen verunreinigt werden, iſt von hier aus eine zweifache Verbreitung der Krankheit denkbar, einmal durch die Knollen ſelbſt, dann durch jene Erde, die häufig dem Dünger einver⸗ leibt wird und mit dieſem auf die neuen Kartoffelfelder gelangt.

Bewahrt man geſunde und kranke Knollen gemiſcht an dumpfen, feuchten Orten auf, ſo kann aus letzteren der Knollenpilz ſich an dem Aufbewahrungsorte entwickeln, ſeine Früchte an die geſunden Erdäpfel ausſtreuen und mit dieſen im nächſten Jahre auf das neue Kartoffelland verpflanzt werden. Iſt aber der Ort wo kranke Knollen für ſich aufbe⸗ wahrt werden ein ſolcher wie oben bezeichnet, ſo wird, weil namentlich Mangel an Feuchtigkeit bei gleichzeitiger Einwir⸗ kung von Luft und Licht jede Pilzentwicklung ſtark beeinträch⸗ tigt, auch die Fruchtbildung unſeres Knollenpilzes faſt gänz⸗ lich verhindert.

4) Wo es irgend thunlich, bringt man erſt nach mehreren Jahren wieder Kartoffeln auf den Acker, auf welchem ſich die Krankheit zeigte. Da ein ſolches Feld die Urſache zu neuer Erkrankung wahrſcheinlich in ſei⸗ ner Oberfläche reichlich birgt, ſo wäre es vielleicht zweckmäßig, daſſelbe recht tief zu pflügen und die oberflächliche Krume möglichſt tief zuzudecken, um das an die Oberfläche Gelangen der vorhandenen Pilzſporen wenn auch nicht gänzlich zu ver⸗ hüten, ſo doch ſo viel als möglich zu beſchränken.

5) Hie und da benutzt man die kranken Knollen zur Fütterung des Viehes. Geſchieht dieſes in beſchränkter Weiſe, ſo mögen ſolche Knollen nicht abſolut ſchädlich ſein, unter Umſtänden können ſie es aber werden, indem ja alle faulenden Körper, als Nahrungsmittel genoſſen, endlich eine abnorme Ernährung und dem zu Folge eine Erkrankung nach ſich ziehen müſſen. Weit vortheilhafter und ohne den ge⸗ ringſten Nachtheil ſind die kranken Kartoffelknollen zur Be⸗ reitung von Stärkemehl zu verwenden, da die Körner dieſes nicht ſo leicht verderben und die durch den Pilz zerſtörten Maſſen durch Auswaſchen vollſtändig entfernt werden können. Dabei wird der in der Knolle wuchernde Pilz auf das gründ⸗ lichſte zerſtört und unter allen Umſtänden für eine Weiter⸗ verbreitung der Krankheit untauglich gemacht.

6) In keinem Falle darf krankes Kraut der Kartoffelpflanzen auf den Aeckern zerſtreut oder unter den Dünger gebracht werden, am wenigſten unter denjenigen, der zur Düngung von Kartoffel⸗ feldern beſtimmt iſt. Zweckmäßig würde ein ſolches Kraut ſo ſchnell als möglich zu trocknen und zu verbrennen ſein.

7) Häufig erſcheint in ihrem erſten Auftreten die Krank⸗ heit des Krautes der Kartoffelpflanzen nur auf einzelne Stöcke oder einzelne Gruppen derſelben beſchränkt. Hier iſt von Nutzen, ſolche Stöcke möglichſt raſch und vollſtändig zu ent⸗ fernen. Es iſt bemerkt worden, daß nach dieſer Entfernung die Verbreitung der Krankheit weſentlich aufgehalten wurde.

Den wichtigſten Angriffspunkt gegen die Kartoffelfäule finden wir in deren zweitem Stadium. Hier wird Aufgabe, der Verbreitung der Krankheit von dem Kraute auf die Knolle zu begegnen. 4

Ich glaube zur Genüge bewieſen zu haben, daß die Er⸗ krankung der Knolle mit der Erkrankung des Krautes in direktem Zuſammenhange ſteht und zwar dadurch, daß die Sporen des Blattpilzes auf die Knolle gelangen und dieſe

zerſtören. Ein Mittel, das dieſe Zerſtörung verhüten oder

beſchränken ſoll, wird dahin gerichtet ſein müſſen, die Ueber⸗ tragung jener Blattpilz⸗Früchte auf die Knolle gänzlich zu