Jahrgang 
1857
Seite
693
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Blättern der Kartoffelpflanzen an,

Gewächſes ſo bedeutend, daß z. B. ein einziger Hopfenbauer zu Kalbe bei einer Ernte 500 Wispel gewonnen haben ſoll und der gewöhnliche Preis für den Scheffel an Ort und Stelle 18 Pfennige war. Dafür ging aber der Hopfen aus dieſen Ländern mit großem Gewinn nach Schweden, wo noch die Königin Chriſtine in ihrem Garten einige Hopfenpflanzen als ausländiſche Seltenheit zeigte. Denn man glaubte bis dahin nicht, daß dieſe Pflanze in jenem Klima fortkommen könne; und da man gleichwohl den Hop⸗ fen zur Würze und zur Konſervirung des Bieres gebrauchte, ſo mußte Schweden einen großen Theil ſeiner Einnahme aus Landesprodukten(man ſagt% des Eiſens) zum An⸗ kaufe deſſelben verwenden. Zwar hatte ſchon Guſtav I. (ſeit 1523 König), zu deſſen Zeit ein Pfund Hopfen ſo viel wie eine Tonne Malz galt, den Anbau angeregt; jedoch erſt dem König Karl XI. gelang dieß ſo weit, daß der Hopfen⸗ bau nicht wieder einſchlief, ſondern vielmehr endlich die nord⸗ deutſche Einfuhr und folgeweiſe die dortige Maſſe der Hop⸗ fengärten unnöthig machte.

Ja, die Schweden erfanden noch einen andern Gebrauch des Hopfens, indem ſie deſſen Ranken zu Garn, Stricken, Sackleinwand und ſogar zu Papier verarbeiteten. Die Er⸗ findung des Hopfenpapiers jedoch wird dem Dr. Schäffer zu Regensburg zugeſchrieben.

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Auch England, das jetzt ſich vor allen Ländern durch ſeine Hopfenkultur auszeichnet, ging ſehr ſchwer und ſpät an die Einführung derſelben. Nicht ſowohl, daß man, wie in Schweden, dem Klima mißtraut hätte und von einigen miß⸗ lungenen Verſuchen zurückgeſchreckt worden wäre, als viel mehr weil die Regierung die Verſetzung des Bieres mit Hopfen für eine ſchädliche Verfälſchung hielt und darum den Anbau verbot. Erſt im 16. Jahrhunderte fielen dieſe Schranken, und noch lange mußte England große Summen für fremde Einfuhr außer Landes gehen laſſen.

Eher noch bequemten ſich die Niederländer zum Hop⸗ fenbau, und bei ihnen ſcheint im 14. Jahrhunderte ſchon das Hopfenbier ſo beliebt geweſen zu ſein, daß es als ein gutes geiſtliches Gefälle betrachtet wurde; denn der Biſchof von Lüttich und Utrecht ließ ſich im J. 1364 von Kaiſer Karl IV. geſtatten und durch den Papſt beſtätigen, daß er von jedem Faß Hopfenbier einen Groſchen erheben dürfe.

Es ſcheint ſonach, daß der Hopfen vorzugsweiſe zum germaniſchen Lieblinge beſtimmt war; denn auch nur um der Bewohner Flanderns willen ſtiftete Johann der Un⸗ erſchrockene, Herzog von Burgund, zu ſeinen Ehren den Hopfenorden.

Die Kartoffelknolle und ihre Erkrankung.

Von hDr. J. Speerſchneider.

III. Durch weſlche Mittel kann man erwarten, der Rartoffeffäule Einhalt zu thun?

Man darf wohl kaum noch mit einem Mittel gegen die Kartoffelſeuche hervortreten, ohne vom Publikum mit un⸗ V gläubiger Miene und Achſelzucken empfangen zu werden, be⸗ ſonders jetzt, wo man nach vielen erfolgloſen Verſuchen die Krankheit von ſelbſt ihrem Erlöſchen nahe gebracht wähnt. Wenn ich trotzdem mich unterfange, ein ſolches Mittel zu beſprechen, ſo geſchieht dieſes einmal, weil ich die Hoffnung, die bewußte Krankheit durch Naturſelbſthilfe demnächſt be⸗ ſeitigt zu ſehen, nach meinen Erfahrungen nicht theilen kann, und zweitens, weil ich mir ſchmeichele, durch Unterſuchungen einige Verhältniſſe der Krankheit ſoweit aufgeklärt zu haben, daß ich die vorzuſchlagende Behandlung als eine rationelle bezeichnen darf.

In einem früheren Aufſatze desFeierabend(ſ. Nr. 29 und 32) iſt die Veranlaſſung zu dem Faulen der Kartoffel⸗ knollen nachgewieſen worden. Im erſten Stadium der Krankheit ſiedelt ſich ein mikroskopiſch kleiner Pilz auf den vermehrt ſich, trägt Samen und ſtreut dieſen aus. Später, im zweiten Stadium, finden ſich jene Pilzſamenkörner in der Erde auf den Kar⸗ toffelknollen, welche, ſo lange ſie noch jung und dünnbeſchalt ſind, den unter günſtigen Umſtänden ſich entwickelnden Keim jener Pilzſamen in ihr Inneres eindringen laſſen. Durch die eingedrungenen Pilzſporenſchläuche wird endlich die Knolle zerſtört, und aus den faulenden Stellen wuchert zu⸗ letzt ein neuer Pilz hervor, der höchſt wahrſcheinlich die nähere Veranlaſſung zur abermaligen Erkrankung des Kar⸗ toffelkrautes wird.

Nach dieſem Befunde müſſen Mittel, die der Krankheit Einhalt thun ſollen, dahin gerichtet ſein, jenen Pilz zu ver⸗

tilgen, wenigſtens ſeine Vermehrung zu beſchränken.

Giebt es aber Wege, auf welchen ſich dieſes erreichen läßt? Zur Beantwortung dieſer Frage ſind zunächſt die ver⸗ ſchiedenen Stadien der Krankheit in Betracht zu ziehen. Die zweckmäßigſte Heilmethode würde jedenfalls diejenige ſein, welche den Ausbruch der Krankheit des Krautes(die Kräuſelkrankheit) verhüten könnte. Leider fehlen zur Be⸗ gründung eines ſolchen Verfahrens ſichere Anhaltepunkte. Zwar kann als ausgemacht gelten, daß der Pilz des Krautes aus einem ſchon vorhandenen Pilzſamen hervorgeht; wahrſcheinlich iſt, daß dieſer Samen mit den Früchten, die der Pilz der faulenden Knolle(Fusisporium Solani) trägt, identiſch iſt, wenigſtens in näherem Zuſammenhange ſteht; nahe liegt, daß Witterungsverhältniſſe die Entwickelung des Schmarotzers ſtark beeinfluſſen, daß Feuchtigkeit dieſelbe be⸗ günſtigen, während Trockenheit und Dürre ſie aufhalten oder vielleicht gänzlich unterbrechen kann; allein eine nähere Kennt⸗

niß der Bedingungen, unter welchen jene Entwicklung einge⸗

leitet wird, eine Einſicht in die Art und Weiſe, wie dieſe vor ſich geht, mangelt noch. Demgemäß werden alle Mittel, die bezwecken den Krankheitsſamen vom Kartoffelkraute abzu⸗ halten, oder deſſen Entwicklung hier zu verhüten, vorerſt nur als zweifelhafte zu bezeichnen ſein, deren Wirkung wenigſtens nicht überſehen und deren Erfolg nicht beſtimmt werden kann.

In der Vorausſetzung, daß der Samen zur Krankheit mit den Knollen oder Knollenſtückchen im Frühjahre ausge legt wird, hat man letztere mit ätzenden Subſtanzen, am häufigſten mit Kalk, in Berührung gebracht, um die Keim⸗ fähigkeit jenes anhängenden Pilzſamens zu zerſtören. Von mehreren Seiten iſt eine ſolche Behandlungsweiſe als erfolg⸗ reich gerühmt worden, während Andere von ihr keinen Nutzen