Jahrgang 
1857
Seite
692
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Thierwelt. Er ſagt vom Löwen:Nichts was ich über dieſes Thier in Erfahrung gebracht, beſtimmt mich, ihm den wilden oder edlen Charakter beizulegen, den man ihm zuzu ſchreiben pflegt. Er hat Nichts von dem Adel des Neu⸗ fundländer oder Bernhardiner Hundes. Ueber ſeine große Stärke kann kein Zweifel ſein, aber es ſcheint doch nicht, daß ſie derjenigen des indiſchen Tigers gleichommt. Wenn der Löwe einen Ochſen wegnimmt, ſo trägt er ihn nicht frei im Rachen, ſondern er ſchleppt denſelben am Boden hin; man ſieht ihn in Wahrheit niemals anf den Rücken einer Giraffe oder auch nur eines Elenthiers ſpringen. Der Löwe greift das Thier gewöhnlich an der Seite an, oder an der Kehle. Die

Eingeweide und die fetten Theile eines Elenthiers ſättigen

den größten Löwen! Der Jakal kommt ſchnuppernd heran und empfängt zuweilen einen Schlag von der Tatze des Löwen, der ihn todt niederſtreckt. Iſt der Löwe geſättigt, ſo ſtreckt er ſich zum Schlaf nieder und iſt dann leichte Beute. Eine Löwenjagd mit Hunden iſt, verglichen mit der Jagd auf den indiſchen Tiger, ziemlich ungefährlich: der Hund bringt ihn aus dem Lager heraus und zum Stehen, ſo daß der Jäger ruhig auf ihn zielen kann.

Als Livingſtone von Nariele in einem kleinen Boot am Ufer des Fluſſes hinfuhr, hob ein Hippopotamus mit ſeinem

Kopf das Boot in die Höhe, ſo daß die eine Hälfte ganz außer dem Waſſer war, und faſt umſchlug. Einer der Rei⸗ ſenden wurde herausgeworfen, die übrigen ſprangen nach dem nahen Ufer. Als ſie von hier zurückſahen, erblickten ſie den Hippopotamus, wie er ſich eine Weile die Scene anſah, wie um ſich zu überzeugen, was er für Unheil angerichtet. Es war Niemand zu Schaden gekommen, außer daß Mann und Gut durchnäßt waren. Es iſt dies, wenn man am Ufer hinfährt, etwas ſo ungewöhnliches, daß die Leute riefen: Iſt das Thier toll? Es waren 8 Menſchen in dem Canoe; man kann hiernach die ungeheure Kraft des Thieres abnehmen.

Livingſtone iſt überzeugt, daß vor Allem der Handel in das Innere des afrikaniſchen Continents eindringen und die Eingebornen für ſich gewinnen muß, bevor das Chriſtenthum

ſeine Segnungen über die Eingebornen ausſchütten kann.

Daher legt er, ebenſo wie Barth auf die Entdeckung des Stromſyſtems des Kuara oder Niger, den größten Werth auf ſeine Entdeckung des Flußſyſtems von Inner⸗Afrika. Ein großer Fluß(Zambeſi) mündet im Oſten, ein anderer im Lande Congo im Weſten. Von ihren beiden Mündungen aus hat der Handel und die Induſtrie in das Innere des ſüdlichen Afrika einzudringen, wo vor Allem die Baum wollencultur zu pflegen iſt.

Der Hopfen.

Von Heinrich Jäde.

Bier wurde ſchon bei den alten Völkern gebraut; im alten Aegypten war das zu Peluſium gebraute das be⸗ rühmteſte; Ariſtoteles(geb. 384 vor Chr.) ſpricht von einem berauſchenden Getränk, das aus Malz bereitet iſt, Theophraſt von einem Gerſtenwein; die alten Deutſchen treten ſogleich in der Geſchichte als Biertrinker auf aber wir wiſſen nicht, ob man auch den Hopfen im Alterthum beim Bierbrauen benutzt hat; doch ſagt man, daß die Cimbern ſich der Tamarisken bedient hätten, um ihr Bier würzig und haltbar zu machen.

Der römiſche Gelehrte Plinius(geb. 23 nach Chr.) thut des Hopfens unter dem Namen Lupus salictarius Er⸗ wähnung, und ein Gelehrter verſichert uns, daß dieſe Pflanze um deswillen salictarius(vom lateiniſchen salire ſpringen) heiße, weil ſie in Sprüngen ſich an andere Pflanzen an⸗ hänge jedoch könne das Wort salictarius auch von salix die Weide herkommen; lupus ſei ſie aber ſicher deshalb ge⸗ nannt, weil ſie den andern Pflanzen verderblich wie ein Wolf ſei ſie ausſauge und vernichte.

Plinius nennt aber den Hopfen neben der Paſtinake nur als eine Pflanze, welche zur Speiſe, und zwar weniger zu einem Nahrungsmittel, als zu einem Leckergerichte diene. Möglich alſo, daß die Römer die bekanntenHopfenkeim⸗ chen, welche wir im Frühjahre, wie Spargel, in Gemüſe⸗ und Salatform verſpeiſen, auch bei ihren Gaſtmählern ver⸗ wendet haben.

Hierzu gebraucht man auch den wildwachſenden Hop⸗ fen, und Plinius ſpricht nur von dieſem. Wir wiſſen jedoch, daß der wilde für den Zweck des Bierbrauens doch gar zu unanſehnliche Blumenhüllen und Körner hat, obwohl um den Ural herum ein ſolcher, ohne alle Pflege, eine ausge⸗ zeichnete Ernte liefert.

Vom Hopfenbau finden wir bei den Völkern der alten Geſchichte keine Spur. Der Hopfen, der überhaupt wie die

beſſeren Getreidearten und Küchengewächſe aus Aſien ſtam⸗

men mag, taucht nach der Völkerwanderung in Deutſch⸗ land auf.

Mit der Völkerwanderung beginnt das Mittelalter, und das germaniſche Element bekommt die Oberhand. Wenn uns Iſidor von Sevilla, welcher im ſiebenten Jahr⸗

hundert lebte, verſichert, daß in Italien die erſten Ver⸗

ſuche gemacht worden ſeien, den Hopfen zum Bier zu ver⸗ wenden, ſo wohnten ja dort Longobarden und auch Go⸗ then, alſo Germanen. Von Hopfengärten iſt zuerſt unter dem fränkiſchen König Pipin(im achten Jahrh.) die Rede.

Und nun macht ſich ſogleich das Mittelalter bemerklich. Giebt es eine Arbeit, ſo giebt es auch Frohnden; neue An⸗ lagen bringen neue Dienſtarten hervor. Dahin weiſt die Notiz, daß Abt Adalard von Corbei durch ein Statut vom J. 822 die Müller ſeines Stiftes von der Hopfen⸗ arbeit befreite. Ferner: wo etwas erklecklich iſt, hat gewiß auch die Geiſtlichkeit ihren Theil daran der Hop fenzins wird mit unter den älteſten Leiſtungen an Kirchen und Klöſter genannt.

Von jetzt an kommen Hopfengärten in vielen Schenkungs⸗ und andern Urkunden vor; im 13. Jahrhundert ließen es ſich deutſche Fürſten ſehr angelegen ſein, die Kultur dieſer Pflanze zu heben; namentlich die askaniſchen Grafen der Mark ſorgten für Anlage von Hopfengärten.

Die Bewohner der Marken, dann auch Braunſchweigs und Kurſachſens waren auch nachmals beſonders eifrig da⸗ hinter her. Die altmärkiſche Stadt Gardelegen wurde durch Bau und Ausfuhr des Hopfens ſo berühmt, daß ſie dem halben Adler in ihrem Wappen drei belaubte Hopfen⸗ ſtangen hinzufügen durfte. Zu Bieſenbroch in der Ucker⸗ mark ſollen einſt gegen 300 Hopfenhacker gewohnt haben. In der Mitte des 17. Jahrhunderts war die Pflege dieſes

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