Bedingungen, in allen Arten und zu allen Zeiten ſich gleich bliebe, vorausſetzen, welche dann gewiſſermaßen den Werths⸗ meſſer für die andern abgäbe. Allein eine ſolche Sache giebt es nicht und kann es niemals geben, weil der Werth ſeinem Weſen nach, als von Angebot und Nachfrage ab⸗ hängig, ewig ſchwankend iſt und ſein muß. Der Begehr nach gewiſſen Dingen und Dienſten, wovon die Nachfrage abhängt, wechſelt fortwährend unter den Menſchen. Denn was noch heute als ein vielgeſuchtes Befriedigungsmittel für ein allgemein vorhandenes Bedürfniß gilt, kann in wenigen Wochen von andern bis dahin unbekannten Gegenſtänden verdrängt werden, welche dem Geſchmack und den Forderun⸗ gen des Publikums noch beſſer entſprechen. Ja das Be⸗ dürfniß ſelbſt wechſelt nach Umſtänden und Mode, und be⸗ ſonders machen, wie wir ſchon früher zeigten, bei fortſchrei⸗ tender Kultur, fortwahrend rohe, materiellere Bedürfniſſe feineren und geiſtigeren Platz. Auf der andern Seite bleiben ſich auch Mühe und Aufwand bei Herſtellung der Dinge nicht gleich, was nothwendig das Ange bot derſelben beeinflußt. Namentlich werden durch Erfindungen von beſſern Werkzeugen und Maſchinen, überhaupt durch An⸗ wendung verbeſſerter Betriebsmethoden, Arbeit und Koſten bei Herſtellung der meiſten Produkte geringer, was im Gan⸗ zen auf das Sinken des Werths von Einfluß iſt, während auch wieder zu Zeiten und unter Verhältniſſen der Werth der Arbeitsſtoffe, beſonders bei Naturerzeugniſſen, wie Ge— treide, Erträgniſſen der Viehzucht, Jagd, Fiſcherei u. a. erheblichem Steigen und Sinken ausgeſetzt iſt.
Aus allen dieſen Gründen wird ſich höchſtens eine an⸗ nähernde Löſung der Frage finden laſſen. Es giebt eine Art Arbeit, die ſich vor allen andern überall ſtets am meiſten gleich bleibt: die bloße Anſtrengung der Muskeln, welche weder Kraft, noch Geſchick, noch Erfahrung im außer⸗ gewöhnlichſten Maße erfordert, die Arbeit des einfachen Tagelöhners. Dieſelbe iſt überall am leichteſten zu haben, bleibt am gleichförmigſten und bringt den niedrigſten Lohn ein, während die übrigen Beſchäftigungen und Dienſte, je nach den Erforderniſſen, welche man an die Fähigkeiten ihrer Verrichter ſtellt, in ihren Lohnſätzen ſteigen. Um alſo einen Anhalt zur Vergleichung des Werthes der verſchiedenen Dinge zu gewinnen, braucht man ſie nur auf die Erträge ſolcher Tagarbeiten zu reduciren. Zunächſt iſt alſo die Höhe des Tagelohns an einem beſtimmten Orte und zu einer be⸗ ſtimmten Zeit zu ermitteln. Um aber nicht durch den ſehr verſchiedenen Werth des Geldes zu verſchiedenen Zeiten ge⸗ täuſcht zu werden, muß man ſodann mit dieſem Tagelohn den Preis eines der nothwendigſten und allgemeinſten Be⸗ dürfniſſe— wie Getreide u. a.— zuſammenhalten, um,
ohne mühſame Zuſammenſtellung des Geſammthaushalts
eines ſolchen Arbeiters, ein der Wirklichkeit ziemlich an⸗ näherndes Bild der fraglichen Zuſtände zu erhalten. So
Scheffel beträgt, ſo ſieht man, daß ſich in dem fraglichen Verhältniſſe im Grunde wenig geändert hat. Denn die Summe der Befriedigungsmittel für ſeine Bedürfniſſe, die ſich der Tagarbeiter für ein beſtimmtes Quantum ſeiner Ar⸗ beit verſchaffen konnte, iſt ohngefähr dieſelbe geblieben, wie uns das gegebene Beiſpiel eines der ihm nothwendigſten Gegenſtände lehrt, mit deſſen Preiſe die der übrigen nach— weislich im Verhältniß ſtanden.
Anſtatt der unfruchtbaren Bemühung, die abſolute⸗
Werthseinheit zu finden, eine Aufgabe, welche mit der Quadratur des Zirkels auf gleicher Stufe ſteht, hat die Praxis es daher vorgezogen, ſich einen relativen Maßſtab zu ſchaffen, welcher die Abſchätzung der ausgetauſchten Leiſtun⸗ gen und Produkte erleichtert. Hierzu iſt wegen ihrer allge⸗ meinen Gültigkeit Nichts ſo geeignet, als die von jeher und überall, ſeitdem der menſchliche Verkehr der Kindheit ent⸗ wachſen iſt, eingeführte Zwiſchenwaare beim Tauſch, das Geld. In der That bietet uns daſſelbe, zwar keine Werths⸗ einheit in dem Sinne, daß es bei jedem Dinge die unbe— dingt feſtſtehende Tauſchfähigkeit deſſelben gegen alle andern und unter allen Umſtänden ausdrückte, doch aber eine äußerſt bequeme und erwünſchte Rechnungseinheit, wo⸗ durch man in jedem beſtimmten Falle wenigſtens mittelbar zum Ziele gelangt. Der Preis der Gegenſtände und Dienſte, d. h. die Tauſchfähigkeit derſelben gegen Geld, bildet ſo den nöthigen Anhalt im Verkehr, um das Maß der ausgetauſchten Leiſtungen gegen einander zu be⸗ rechnen. Da ich für Geld Alles ein- und austauſchen kann, kann ich auch die Tauſchfähigkeit aller Dinge, ihren Werth gegen Geld leicht erfahren. Sobald ich aber weiß, wie ſich zwei Dinge zu einem dritten verhalten, kann ich auch ihr Verhältniß gegen einander berechnen, und ſo erhalte ich in der Zwiſchenwaare, dem Gelde, wie geſagt die Rechnungs⸗ einheit, den Vergleichungspunkt, wornach ich den Werth von Leiſtung und Gegenleiſtung abmeſſen und die unerläßliche Ausgleichung beim Tauſche herbeiführen kann. Ich habe ein Stück Tuch zu verkaufen und bedarf einen Wispel Roggen. Der Preis des Tuchs iſt 60 Thaler, der des Roggens 40 Thaler. Indem ich ſo die Tauſchfähigkeit bei⸗ der Artikel gegen Geld, ihren Preis kenne, kenne ich auch ihre Tauſchfähigkeit gegen einander, ihren Werth, und weiß, daß ein Wispel Roggen ⁄ des Werthes von dem Stück Tuch hat, oder: daß man für 1 Wispel Roggen Stück Tuch im Tauſch erhalten kann.
Die Umſtände, welche die allgemeine Einführung des Geldes als Zwiſchenwaare und Tauſchmittels und dadurch als Rechnungseinheit, veranlaßt haben, ſind von uns bereits früher gewürdigt. Dabei darf man aber auch eins nicht außer Augen laſſen: daß nämlich das Geld nicht etwa blos
ein Werthszeichen, ſondern ſelbſt ein Werth, nicht ein
erhielt z. B. nach ſichern urkundlichen Quellen am Ende des
15. Jahrhunderts ein Tagarbeiter und gewöhnlicher Hand⸗ langer beim Bau des Rathhauſes zu Delitzſch 9 ¼ Groſchen (der damalige Groſchen im Silbergehalt ohngefähr 1/12 Tha⸗ ler jetzigen Geldes gleich) Wochenlohn, während der Dresdner Scheffel Roggen im Durchſchnitt 10— 15 Groſchen koſtete. Der Taglohn ſtand alſo auf 1 ½ Groſchen, ſodaß der Scheffel Roggen 8— 10 Tagarbeiten werth war, d. h. daß der gewöhnliche Taglöhner ſich mittelſt der Arbeit eines Tages den 10. Theil eines Dresdner Scheffel Roggen ver⸗ ſchaffen konnte. Wenn nun gegenwärtig der gewöhnliche
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ſchnittspreis des Roggens 3— 4 Thaler für den Dresdner
bloßes Maß, ſondern eine Waare iſt, ſo gut, wie jede andere, das heißt: ein Mittel zur Befriedigung von Be⸗ dürfniſſen. Reden wir zunächſt einfach von edlen Metallen, um dies anſchaulicher zu machen. Die außerordentliche Brauchbarkeit derſelben zu manchen nützlichen Geräthen wegen ihrer Dauerhaftigkeit, Dehnbarkeit und Widerſtands⸗ fähigkeit gegen Roſt, Säuren u. dgl. ſind bekannt. Und wo ſie wahrhaft nützlichen Zwecken nicht mehr dienen, verwendet man ſie zu Schmuck und Prunk, denen wir unter unſern Be⸗ dürfniſſen eine bedeutende Stelle anweiſen müſſen, da die Neigung dazu zu den mächtigſten und vorherrſchendſten ge⸗
Taglohn ohngefähr 10— 12 Sgr. täglich und der Durch⸗ hört, welche ſich bei jedem Menſchen unwiderſtehlich geltend
macht, ſobald die gemeine Nothdurft geſtillt iſt, und die in


