Jahrgang 
1857
Seite
690
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dem eingebornen Schönheitsſinne unſerer Natur ihre Be⸗ rechtigung findet. Gilt dies aber unbeſtritten von den edlen Metallen, aus denen das Geld beſteht, ſo findet es auch auf das Geld ſelbſt Anwendung. Denn das Münzgepräge iſt weiter Nichts, wie wir bereits erklärten, als die Bezeichnung der Qualität und Quantität des in den einzelnen Münzen enthaltenen Metalls. Das Gepräge eines Thalers z. B. iſt der Stempel, wodurch ich nach dem neuen Münzfuß ein Stück Silber als eines Pfundes fein Silber, nach dem Miſchungsverhältniß von 9 Theilen Silber zu 1 Theil Kupfer, erkenne. Dieſes Prägen wird vorgenommen, um den Tauſchenden nicht in jedem Falle die große Mühe des Abwägens und Probirens des Metalls zu verurſachen, und um dem Stempel eine ſichere Grundlage und allgemeine

Staatsgewalt angebracht. dadurch nicht mehr und nicht weniger werth, daß es nach Gewicht und Gehalt bezeichnet iſt, man müßte denn ſeinem urſprünglichen Werth eine Kleinigkeit dafür hinzuſetzen, daß man die Arbeit des Prägens ſelbſt in Anſchlag bringt, weil dieſelbe den Taͤuſchenden viele Mühe ſpart und einem ihrer dringendſten Bedürfniſſe, dem Bedürfniſſe zu tauſchen ſelbſt, fördernd entgegegen kommt.

Iſt nun das Geld eine Waare, ſo gut wie andere, ſo wird ſein Werth, d. i. ſeine Tauſchfähigkeit gegen andere Artikel, eben denſelben Schwankungen unterworfen ſein, wie die Werthe dieſer, und dieſes Steigen und Sinken wird durch dieſelben Umſtände bedingt werden, durch das Ver⸗ hältniß des Angebots zur Nachfrage. Dergleichen Werths⸗ ſchwankungen des Geldes geben ſich durch ein allgemeines Sinken oder Steigen der Preiſe kund, was eben eine Zu⸗ oder Abnahme der Tauſchfähigkeit des Geldes, mit andern Worten ſoviel bedeutet: daß man für eine beſtimmte Summe Geld nicht mehr ſo viel Waare bekommt, als ſonſt, oder umgekehrt. Wir kennen ſeit Beginn der neuen Ge⸗ ſchichte mehrere Veranlaſſungen, welche einen ſolchen Einfluß ausübten. Eine beſonders nachhaltige Werthsverminderung erlitten die edlen Metalle ſeit Entdeckung der amerikaniſchen Bergwerke im Anfange des 16. Jahrhunderts, und wir ſahen aus den oben angeführten Preiſen der Handarbeit und des Getreides in jener Zeit, im Vergleich mit den jetzigen, den Beleg dazu, indem 1 damaliger Groſchen(etwa 11½ 1⁄10 Thaler an Silbergehalt) beinahe ſoviel Tauſchfähigkeit beſaß, wie gegenwärtig 1 Gulden. Ferner zeigten ſich zeit⸗ weilige erhebliche Schwankungen während der großen Kriege, welche das Ende des vorigen und den Anfang dieſes Jahr⸗ hunderts ausfüllten, als ungeheure Summen baarer Münze zurückgehalten, ſowie von den Kriegskaſſen gewaltiger Heere und Flotten in Anſpruch genommen wurden. Eine ent⸗ ſchieden ſinkende Tendenz aber beginnt ſich, mindeſtens in Bezug auf das Gold, gegenwärtig vorzubereiten, da ſo reichliche Quellen, wie die Gruben im Ural und Sibirien, die Wäſchereien in Kalifornien und Auſtralien, bei länger anhaltender Strömung auf das Verhältniß der Vorräthe zum Bedarf bedeutenden Einfluß üben müſſen. Natürlich gehen aber dergleichen Veränderungen nur ſehr langſam und allmählig vor. Denn bei der Dauerhaftigkeit der edlen Metalle iſt ihre ſeit Alters aufgeſammelte Quantität ſo enorm, ſo überwiegend gegen den jährlichen Zufluß, wie be⸗ deutend dieſer auch an ſich erſcheinen mag, daß derſelbe ſich erſt nach geraumer Zeit geltend zu machen vermag.

Wenn ſonach ein allgemeines Fallenoder Steigen der Preiſe vorkommen kann und wirklich vorkommt, und wir darin Nichts weiter erblicken, als eine Erhöhung oder

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Anerkennung zu verſchaffen, wird er unter der Garantie der Das Stück Metall wird alſo

Verminderung des Geldwerthes, alſo einer einzelnen Waare gegen die übrigen, ſo iſt doch ein allgemeines Steigen oder Fallen der Werthe unmöglich und geradezu Unſinn.

Der Werth kommt nur beim Austauſch der Güter und

Dienſte zum Vorſchein, als deren Schätzungsverhältniß gegen einander. Stiege er alſo, oder fiele dr bei allen, ſo wäre das gerade ſo viel, als wäre er nicht geſtiegen oder gefallen. Wenn ein Stück Seidenzeug, auf die Rech⸗ nungseinheit reducirt, 72 Thaler koſtet, und der Wispel Weizen ebenſoviel, und Beides ſteigt oder fällt um 10 Thlr., ſo hat ſich eben ihr Werth nicht verändert. Ich kann, gleichviel ob im ſimpeln Austauſch oder durch Vermittelung der Zwiſchenwaare mittelſt Kaufs oder Verkaufs, nach wie vor für das Stück Seidenzeug einen Wispel Weizen haben, die Tauſchfähigkeit beider Artikel iſt gleich geblieben, und nur ihr Preis, der Werth des Geldes hat ſich verändert, indem ich für eine kleinere Summe mir mehr Befriedigungs⸗ mittel in den bezeichneten Artikeln verſchaffen kann, ſo daß alſo das Fallen des Preiſes gleich einem Steigen des Geld⸗ werthes jenen Artikeln gegenüber ſich darſtellt. Es liegt in der Natur der Sache, daß ſich der Werth der Dinge ſtets nur zum Vortheil einiger auf Unkoſten anderer verändern kann. Steigt er bei den einen, ſo muß er bei den andern fallen, genau, wie die beiden Schalen der Wage, die nicht beide zugleich ſteigen oder ſinken können. Steigt z. B. der Werth des Getreides, d. h. kann ich für ein beſtimmtes Maß Getreide mehr an andern Artikeln im Austauſch er⸗ halten, als bisher der Fall war, alſo etwa ein halbmal oder doppelt ſoviel an Tuch, Leinen, Eiſen ꝛc. ꝛc., ſo iſt damit zugleich das Sinken des Werths dieſer letztern Waaren aus⸗ geſprochen, denn ihre Tauſchfähigkeit gegen das Getreide hat ſich vermindert, während ſich die des Getreides dagegen hob, ſo daß man für eine gewiſſe Quantität davon weniger Ge⸗ treide, als bisher erhielt. Natürlich kann auch ein Steigen des Werthes bei mehreren Artikeln und dagegen ein Sinken ebenfalls bei einer ganzen Anzahl zu gleicher Zeit vorkom⸗ men, was indeß im obigen Sachverhalt Nichts ändert, indem ſich alsdann nur, anſtatt einzelner, ganze große Gruppen von Gütern gegenüber ſtehn. Die in jeder derſelben ent⸗ haltenen Artikel brauchen alsdann, inſoweit das Steigen und Sinken ein gleichmäßiges iſt, unter ſich ſelbſt keine Werths⸗ differenzen zu zeigen, ſondern nur gegen die der andern Gruppe angehörigen. Wenn z. B. der Werth ſämmtlicher Getreideſorten, des Weines, Obſtes, Fleiſches ꝛc. ꝛc. ſinkt, dagegen der der Wollen-, Leinen⸗, Baumwollenwaaren, ſo wie des Leders ſteigt, ſo iſt zunächſt klar, daß man für die erſtere Waarengruppe weniger als bisher von der andern eintauſchen kann. Die unter einer und derſelben Gruppe, der ſteigenden wie der ſinkenden, befindlichen Artikel aber können ſehr leicht ihre bisherige Tauſchfähigkeit gegen ein⸗ ander vollſtändig beibehalten, ihren Werth alſo unter einan⸗ der nicht geändert haben. Nehmen wir an, daß man bisher für 50 Ellen Tuch 200 Ellen Leinwand, 2 Wispel Roggen, oder 2 Oxrhoft Wein erhalten konnte. Beide erſtere Artikel ſteigen, beide letztere fallen je um ½ ihres bisherigen Werthes, und man erhält nun für 50 Ellen Tuch 3 Wispel Roggen und 3 Oxhoft Wein, dagegen immer noch nicht mehr als 200 Ellen Leinwand; ein Verhältniß, das durch die Ver⸗ mittelung von Kauf und Verkauf und die Werthsſchwankun⸗ gen der ſolchergeſtalt mit hereingezogenen Zwiſchenwaare, des Geldes, noch komplicirter werden kann, an der wirthſchaft⸗ lichen Grundlage des Ganzen, an dem Werthsprincip ſelbſt jedoch nichts ändert. Denn wenn auch die Tauſchfähigkeit der zu einer und derſelben Gruppe gehörigen Gegenſtände

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