es vermöchte, wie Er.“ Mit Palmen und Lorbeerkränzen
wurde nun der Sarg bedeckt, und unter dem Geſange: „Wenn ich einmal ſoll ſcheiden“ ſchloß ſich die Gruft, die letzte irdiſche Wohnung des großen Meiſters; doch nein, ſeine Wohnung iſt auf der ganzen Erde, denn ſein Name wird auf derſelben fortleben, ſo lange die Kunſt lebt, länger, wie der Marmor und das Erz ſeiner Werke.
Danniel Chriſtian Rauch wurde am 2. Januar 1777 in Arolſen in Waldeck geboren. Er war ein Sohn armer El⸗ tern. Sein Talent wurde ſchon frühzeitig durch den Anblick der Kunſtwerke im Schloſſe zu Arolſen geweckt, und er empfing beim Bildhauer Valentin und dann in Kaſſel bei dem Bild⸗ hauer Ruhl den Unterricht. Er lebte dort in ärmlichen und drückenden Verhältniſſen; da ſtarb ſein Oheim, der Diener im Schloſſe zu Sansſouci war. Um deſſen Verlaſſenſchaft zu erheben, ging er nach Potsdam und mußte es in ſeinen ärmlichen Verhältniſſen für ein Glück halten, daß er deſſen Stelle erhielt. Ein glücklicher Zufall half ihm zur Fort⸗ ſetzung ſeiner künſtleriſchen Laufbahn, den der Freund Rauchs, der Baron von Rennekampf, Oberkammerherr am Hofe zu Oldenburg, alſo mittheilt: Schadow hatte den Auftrag erhal⸗ ten, die Büſte der Königin Louiſe anzufertigen. Rauchs Dienſt brachte ihn häufig in die Nähe der Königin und er verſuchte, ihre Büſte in Thon zu modelliren. Der Verſuch gelang ſo vortrefflich, daß die Königin, der ein Zufall die Büſte vor Augen führte, ſich ſeiner annahm und ihn zu ſeiner Ausbil⸗ dung nach Dresden ſandte. Sie ahnte damals nicht, daß eines der größten Meiſterwerke Rauchs einſt ihr Grabmonu⸗ ment werden ſollte. Im Jahre 1804 machte er ſeine erſte Reiſe nach Italien, wo er Thorwaldſen kennen lernte, und in ihm, in Canova, Schadow und Wilhelm von Humboldt Freunde und Gönner fand. Bis zum Jahre 1811 lebte er in der ewigen Stadt. Seine beiden Reliefs Hippolyt und Phädra und Mars und Venus, von Diomed verwundet, und die Büſte Rafael Mengs trugen ſeinen Ruhm über die Alpen nach ſeinem Vaterlande und 1811 rief der König Friedrich Wilhelm III. ihn zurück, um das Denkmal der Königin Luiſe, ſeiner dahingeſchiedenen Wohlthäterin, welches jetzt im Mauſoleum zu Charlottenburg ſteht, zu entwerfen. Er vollendete daſſelbe in Rom im Jahre 1813, und begründete dadurch ſeinen Ruhm. Daß dieſe Statue mehr den Ausdruck des Schlummers, als den Ernſt des Todes auf dem wunder⸗ ſchönen Antlitz trägt, kann ich nicht als einen Tadel, ſon⸗ dern nur als einen hohen Beweis ſeiner künſtleriſchen Mei⸗ ſterſchaft anſehen. Im Jahre 1814 kehrte er nach Berlin
zurück. Nun ſchuf er die marmornen Statuen Bülow's und
Scharnhorſt's, welche vor der Berliner Hauptwache aufge⸗ ſtellt ſind und die eherne Statue des Marſchalls„Vor⸗ wärts“ mit ihren meiſterhaften Basreliefs. Neben dieſen Mei⸗
ſterwerken hat er in kaum zehn Jahren über 70 Büſten mit
Wenn nach dem Vorigen der Werth etwas rein Rela⸗ lives, ein bloßes Verhältniß, in welches Güter und Dienſte beim Austauſch treten, alſo die Tauſchfähigkeit derſelben unter einander ausdrückt, ſo ergiebt ſich die Fruchtloſigkeit
eigner Hand in Marmor ausgeführt. Von ſeinen Werken, welche er in den Jahren 1824— 1840 geſchaffen, nenne ich nur das Grabmal der Königin von Hannover für das Mauſoleum zu Herrenhauſen, die Sarkophagſtatue König Friedrich Wilhelms III., die ſechs Victorien in der Wal⸗ halla bei Regensburg und das Dürermonument in Nürn⸗ berg, dann begann er das Monument Friedrichs des Gro⸗ ßen, eines der erſten und vorzüglichſten Werke der neuern Skulptur Europa's, welches im Jahre 1851 in Berlin unter den Linden aufgeſtellt wurde. Seine Moſesgruppe, welche unbedingt zu ſeinen vollendetſten Werken gehört, und die ehernen Statuen Gneiſenau's und Yorks ſchließen die Reihen der Meiſterwerke ſeines thätigen und ruhmvollen Lebens. Im Oktober dieſes Jahres ging Rauch von Berlin nach Dresden, um dort wegen eines Steinleidens einen bekannten Arzt zu conſultiren, ein hoher, friſcher und kräftiger Greis, deſſen Geſtalt die Jahre nicht gebeugt hatten. Stahr er⸗ zählt, er habe ihn dort bei ſeinem Schüler Rietſchel getroffen und am andern Tage die Räume des neu eingerichteten Muſeums der Antiken⸗Abgüſſe mit ihm durchwandert. Er ſei erſtaunt geweſen über ſeine geiſtige Friſche und Lebendigkeit, mit der er ſich über die Einrichtung des Muſeums und des neuen dresdener Kunſtbaues ausgeſprochen und ſich dabei erinnerte, wie er als fünf und zwanzigjähriger Jüngling durch dieſe Mengsſchen Gypsabgüſſe die erſten Eindrücke von antiker Bildhauerkunſt erhalten habe.„Wenn ich das
Damals mit dem Jetzt vergleiche“, habe er geſagt,„ſo kann
ich mich der freudigen Rührung, wie die Kunſt bei uns fort— geſchritten, nicht erwehren und noch jedesmal, wenn ich in Berlin über die Schloßbrücke gehe, ſo überkommt mich beim Anblick der Marmorgruppen immer ein Gefühl der Bewun⸗ derung, daß ſo Etwas in Deutſchland doch hat gemacht wer⸗ den können.“ Der weitere Verlauf ſeiner Krankheit iſt be⸗ kannt, die Hoffnung wechſelte mehrere Wochen mit der Furcht. Am dritten December Morgens 7 Uhr entſchlief er im Beginn des zwei und achtzigſten Jahres. Am Nach⸗ mittage erſchienen die Bildhauer Dresdens und überbrachten ihrem geſtorbenen Meiſter den Lorbeerkranz. Am Sonn⸗ abend fand die Ueberführung der ſterblichen Reſte Rauchs nach Berlin ſtatt. Unter den Klängen des Beethovenſchen Trauermarſches geleiteten die Künſtler und Freunde, Depu⸗ tirte der Stadt und der Senat der Akademie den mit Pal⸗ men und Lorbeern geſchmückten Sarg nach dem Bahnhofe. Glockengeläute ertönte von allen Thürmen: Auf dem Ber⸗ liner Bahnhofe nahmen die Freunde den Sarg in Empfang und geleiteten ihn nach den Räumen ſeines Ateliers nach dem Lagerhauſe, welches er ſelbſt als ſeine Heimath bezeich— nete und von wo der Trauerzug ihn zu ſeiner Ruheſtätte neben ſeinem Meiſter Schadow, neben Beuth und Schinkel in kühler Erde geleiten ſollte.
Volksmirthſchaftliche Skizzen. Von H. Schulze⸗Delitzſch. XI. Vom Preis.
der Bemühungen, einen abſoluten Maßſtab dafür, gleich⸗ ſam eine beſtimmte Werthseinheit aufzufinden, auf welche ſich alle Werthe reduciren ließen. Es würde dies nothwen⸗ dig irgend eine beſtimmte Sache, deren Werth unter allen
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