663
Materie und einen geringen Rückfall des fetten Oeles, von welchen es ſich mit Vortheil ebenfalls nur auf chemiſchem Wege, durch Zerſtörung derſelben, befreien läßt. Man ſchmilzt die Preßkuchen und ſetzt zu der geſchmolzenen Maſſe in gewiſſen Verhältniſſen ſaures chromſaures Kali im gepulverten Zu⸗ ſtand, Salzſäure und Schwefelſäure; das Gemiſche wird durch fortgeſetzte Erwärmungund ſtetige Bewegung in die vielfachſte Berührung und dadurch in Wechſelwirkung gebracht, die darin beſteht, daß die Schwefelſäure aus dem chromſauren Kali die Chromſäure abſcheidet, welche die Hälfte des Sauerſtoffes zum Theil an die färbende Materie, zum Theil an den Waſ⸗ ſerſtoff der Salzſäure abgiebt und dadurch zugleich die zer⸗ ſtörende Wirkung durch das frei gewordene Chlor bedingt. Iſt die Einwirkung beendigt, ſo überläßt man das Gemiſche der Ruhe und langſamen Abkühlung, wobei ſich das Paraffin als eine feſte Maſſe abſcheidet, die durch mehrmaliges Um⸗ ſchmelzen mit Waſſer von den ſalzigen und ſauren Beimen⸗ gungen befreit wird. Der letzte Vorgang bei der Reinigung des Paraffins beſteht nun in der Behandlung mit concentrir⸗ ter Schwefelſäure, welche alle noch vorhandenen fremden Stoffe zerſtört, ohne ſelbſt auf das Paraffin einzuwirken, Es wird zu dem Ende die Maſſe 3 bis 4 Mal mit con⸗ centrirter Schwefelſäure, aber jedesmal mit einer geringeren Menge derſelben in einer dem Siedepunkt des Waſſers nahen Temperatur in Berührung geſetzt und das dabei geſchmolzene Paraffin durch ſtetes Umrühren in die vielfachſte Berührung mit der Schwefelſäure gebracht, welche die fremden Stoffe zerſetzt und verkohlt. Findet beim neuen Schmelzen mit Schwefelſäure keine merkbare Veränderung ſtatt, ſo iſt die Reinigung beendigt. Das Paraffin wird endlich zu wieder⸗ holten Malen mit Waſſer, dem wohl auch etwas Natron⸗ lauge zugeſetzt iſt, erwärmt, bis jeder Rückhalt von Säure entfernt iſt. Es erſcheint nun nach dem Erſtarren durch mechaniſch aufgenommene kohlige Theile weißgrau bis grau⸗ ſchwarz; um dieſe zu entfernen, wird es in einem Keſſel auf dem Waſſer⸗ oder Dampfbad geſchmolzen und ſo lange bei deſſen Temperatur der vollkommenen Ruhe überlaſſen, bis ſich jene kohligen Theile vollſtändig abgeſetzt haben. Nach dem Erſtarren läßt ſich das Paraffin leicht aus dem Keſſel heben und von dem am Bodentheil ſitzenden Schmutz durch Schaben oder Schneiden befreien. Es ſtellt nun eine ſeidenglänzende und alabaſterartige, mitunter auch beinahe glasartige Maſſe dar, welche mit einigen Procenten Stearin verſchmolzen und zu Kerzen ausgegoſſen wird.
Seit Kurzem wird in den Zeitungen ein Geheimniß offerirt, das Theerfett auf rein mechaniſchem Wege auf Paraffin zu bearbeiten; natürlich läßt ſich über das dabei in Anwendung kommende Verfahren nichts ſagen.
Sämmtliche Operationen bei der Gewinnung des Mine⸗ ralöles und Paraffins erfordern große Aufmerkſamkeit und fallen trotz dieſer nicht immer gleichmäßig und nach Wün⸗ ſchen aus, was jetzt auch nicht anders zu erwarten iſt, da
dieſer Induſtriezweig ſich faſt noch in der Kindheit befindet und viele Erfahrungen gemacht werden müſſen, bis man dahin gelangt, die ganze Fabrikationsmethode ſo zu ver⸗ beſſern und zu vereinfachen, daß bei gehöriger Aufmerkſam⸗ keit ſtets gleiche Reſultate in Beziehung auf Quantität und Qualität erzielt werden können. Wie ſchon die Ausbeute an Theer aus den Braunkohlen ſehr von dem Hitzgrade der darauf einwirkenden Wärme abhängig iſt, ſo ſcheint ſie noch mehr auf die Menge des leichten Mineralöles, das da⸗ bei entſteht, einzuwirken, und die meiſten Fabrikanten klagen üher die geringe Ausbeute an dieſem werthvollen Theerbe⸗ ſtandtheil. Ich habe bei meinen im vorigen Jahre ange— ſtellten Verſuchen aus einer und derſelben Braunkohlenart nicht allein in Betreff der Theerausbeute, ſondern auch in Beziehung auf die Menge des leichten Mineralöles bei an⸗ ſcheinend gleicher Bearbeitungsweiſe ſehr verſchiedene Reſul⸗ tate erhalten, bin aber dabei zugleich auf ein Verfahren ge⸗ kommen, ſtets eine größere Menge leichtes Mineralöl zu er⸗ halten, als auf die gewöhnliche Weiſe. Meine Mittel er⸗ lauben es mir nicht, dieſes Verfahren in einem größeren Maßſtab auszuführen und auf ſeine Rentabilität zu prüfen, doch bin ich geneigt, Fabrikanten, die darauf reflectiren, bei ihren Verſuchen zur Hand zu gehen.
Der Herr von Liebig ſprach ſich damals, als das Pa⸗ raffin wirklich zu Verfertigung von Kerzen in Anwendung kam, dahin aus, daß nun feſtes Leuchtgas als Leuchtmaterial verwendet werde; dieſer Ausſpruch iſt dadurch gerechtfertigt, daß das Paraffin genau dieſelbe Zuſammenſetzung wie der eigentliche leuchtende Theil in Pem gewöhnlichen Leuchtgas hat, nemlich in 100 aus 85,7 Kohlenſtoff und 14,3 Waſſer⸗ ſtoff beſteht. Die Paraffinkerzen verbreiten ein weit ſchöne⸗ res Licht als Stearin, Wachs oder Wallrath und werden dieſe bald gänzlich verdrängen, da ſie ein weit ſchöneres An⸗ ſehen haben und gewiß in einigen Jahren weit billiger ſein werden; bereits jetzt wird aus manchen Fabriken der Centner ungeformten Paraffins um einige vierzig Thaler verkauft, ein Preis, der ſich mit der Vereinfachung der Fabrikations⸗ methode und mit der Vermehrung der Fabriken weſentlich vermindern wird.
Das leichte Mineralöl iſt ebenfalls ein Kohlenwaſſerſtoff oder ein Gemiſch mehrerer, und läßt ſich demnach als flüſ⸗ ſiges Leuchtgas betrachten, während das ſchwere Mineralöl ſchon etwas Sauerſtoff enthält. Die Conſumenten haben darauf zu achten, ob ſie leichtes oder ſchweres Mineralöl kaufen, denn letzteres bedarf, wenn es beim Verbrennen die volle Leuchtkraft äußern ſoll, eine beſondere Lampenvorrich⸗ tung und leuchtet in den für das leichte Mineralöl einge⸗
richteten Lampen weit weniger und kommt leicht in's Rußen.
Der Preis des leichten Mineralöles iſt jetzt für den Centner 16 Thaler, alſo etwa derſelbe, wie der des gewöhnlichen Brennöles, aber deshalb viel billiger, weil jenes weit ſpar⸗
ſamer und mit einer viel ſtärkeren Luftentwickelung verbrennt.
Aus dem Weltleben.
John Bull iſt ein Mann, der Manchem nicht gefällt, und ſeine Manieren haben etwas Plumpes, ſeine Tritte etwas Schweres, ſeine Gedanken und Handlungen etwas Derbes und ſtark Egoiſtiſches. Aber Alles in Allem iſt er eben ein Mann
harten Neſſusgewebe freundſchaftlicher Verpflichtungen verſtrickt und verlangt auch von fremden Leuten weder ſentimentales Mit⸗ zu werden, hat ihn faſt noch mehr verhaßt gemacht in den glacir⸗
leiden, noch etwa gar wohlthätige Hülfleiſtung. Daß er ſich dieſelbe nebſt ſogenannten guten Dienſten auch nicht aufſchwatzen läßt, um nicht in die anfangs ſeidenweichen und nachher ſtahl⸗


