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arbeitenden Klaſſen beruhenden Aſſociationsweſens werden die projektirten Vereine ganz beſonders in den Kreis ihrer Beſtrebungen aufnehmen. Aus dieſem Geſichtspunkte iſt denn auch eine Vereinigung, ein Anſchließen derſelben an die in vielen Orten bereits beſtehenden Gewerbevereine in dem Aufrufe angerathen, indem ſich die Beſtrebungen Beider fördern und ergänzen. Wie die Letztern die Vorbildung und Förderung des Gewerbebetriebs nach ſeinen verſchiedenen Nichtungen und in ſeinen ſpeciellen Fächern ſich zur Aufgabe geſtellt haben, hat es die Volkswirthſchaft mit den überall einſchlagenden großen Fragen des allgemeinen Verkehrs, des Handels und Kredits, der Zölle und Auflagen, der Gewerbe⸗ verfaſſung u. a. zu thun, welche ohne Kenntniß ihrer unver⸗ rückbaren, überall mit Naturnothwendigkeit auftretenden aus dem Weſen des Menſchen und der Geſellſchaft abge— leiteten Grundwahrheiten, gar nicht gelöſt werden können. Dieſe praktiſche Seite der Sache aber iſt es vorzugs⸗
weiſe, welche dem Publikum gegenüber geltend gemacht wer⸗
den muß, um daſſelbe für unſere Vereine zu gewinnen. Be⸗ ſonders werden ſich die Gewerbtreibenden und Handwerker am erſten dazu entſchließen, wenn ſie hören, in welcher Weiſe man die Sache anzugreifen, was man Alles hereinzuziehen gedenkt. Nicht bloß belehrende Vorträge über Volkswirth⸗ ſchaft und Gewerbskunde, Technik und neue Erfin⸗ dungen, werden da gehalten; nicht blos geeignete Bücher und Zeitſchriften, Zeichnungen, Proben und Modelle zur Anſicht, Benutzung und Lektüre den Mitgliedern geboten. Da wird auch, ſobald die Theilnahme allgemeiner wird, an die Fortbildung der jungen Gewerbtreibenden, an eine Sonn⸗ tagsſchule u. dgl. gedacht, wie klein und beſcheiden dieſe Anfänge auch ſein und ſich für das Erſte auf die nöthigſte Unterweiſung in deutſchen Aufſätzen, Rechnen und Zeichnen zu gewerblichen Zwecken beſchränken mögen. Endlich ſchließen
„Volkswirthſchaftlichen und Gewerbevereine“ eine ſolche Ausſtellung in den letzten Wochen vor dem Feſte be⸗ ſchloſſen, und dieſe thatſächliche Kundgebung der Wirkſamkeit des Vereins hat ſogleich die Anmeldung einer großen Anzahl von Gewerbtreibenden zu Wege gebracht, welche ohnedies nur ſehr allmählig ſich zum Beitritt entſchloſſen haben würden, indem ſie erſt Früchte der Vereinsthätigkeit zu ſehen erwartet hätten.
Das für hieſigen Ort entworfene, jedoch noch nicht defini⸗ tiv feſtgeſtellte Statut des Volkswirthſchaftlichen und Gewerbevereins wird ſeiner Zeit veröffentlicht wer⸗ den. Wegen der Koſten, welche die Mitgliedſchaft ver⸗ urſacht, iſt aber ſchlüßlich zu wünſchen, daß man dieſelben überall auf ein möglichſt geringes Maß feſtſetzt, um die unbemittelten Gewerbtreibenden nicht vom Beitritt zurück⸗ zuſchrecken. Meiſt wird ein vierteljährlicher Beitrag von 2 ½ bis 5 Sgr. von jedem Mitgliede zur Erreichung von Vereinszwecken genügen, und hat man ſich hier für 21 ½ bis
höchſtens 3 Sgr. auf das Quartal entſchieden, womit man,
da mehrere Hundert Mitglieder angemeldet ſind, für das
Erſte bei Anſchaffung der nöthigſten Zeitſchriften, Bücher
ſich zur Erweckung eines regern Strebens der Gewerb⸗
treibenden im Orte und Belebung des lokalen Verkehrs wohl auchöffentliche Ausſtellungen der Gewerbserzeug⸗ niſſe der Mitglieder zu paſſenden Zeiten an, die der Verein veranſtaltet, und namentlich iſt dies bei der bevorſtehenden Weihnachtszeit räthlich und ſchon öfter mit beſtem Erfolg in unſern kleinen Städten verſucht worden. So iſt auch jetzt wiederum von dem hier in der Bildung begriffenen
und Utenſilien durchzukommen denkt.
Da der Feierabend lange vor dem obigen Aufruf die Wichtigkeit der durch den fraglichen Verein angeſtrebten volkswirthſchaftlichen Bildung erkannt, und ihrer Verbreitung eine regelmäßige Folge einſchlagender Skizzen gewidmet hat, ſo verſteht es ſich von ſelbſt, daß er auch die weitere Ent⸗ wickelung der Sache mit Intereſſe verfolgen und ihr ſeine Spalten ſtets offen halten wird.*)
Delitzſch, im October 1857. Schulze⸗Delitzſch.
*) Wir werden in einer unſerer nächſten Nummern das Statut, welches mit geringen Abänderungen wohl für die meiſten der ſich bilden⸗ den Vereine paſſend gefunden werden wird, mittheilen und die Sache der Aſſociation überhaupt in jeder Weiſe befördern, überzeugt, daß die Mattherzigkeit und der Kleinmuth, der heute ſowohl in politiſcher wie in ökonomiſcher Beziehung ganze Klaſſen niederhält, ihre Quelle in dem Gefühl der Vereinzelung haben und erſt dann einem kräftigeren und männlicheren Geiſte weichen können, wenn der Einzelne ſich nicht mehr bloß als Einzelſter, ſondern als Glied eines Ganzen fühlen kann, das ihm Halt gibt. Anm. d. Red.
Die neuen Leuchtmaterialien
im Beſonderen aus den Braunkohlen.
Von Dr. Franz Döbereiner in Freiburg a. d. U.
(Schluß.)
Die Produkte von der Erhitzung der Braunkohlen in den Retorten treten durch deren Hälſe nach dem größeren ge⸗ meinſchaftlichen Rohr oder Kaſten, wo ſich bereits ein großer Theil derſelben verdichtet und nach einem Sammelgefäß ab⸗ läuft. Von hier aus gehen die nicht verdichteten Verkoh⸗ lungsprodukte entweder durch eine lange Reihe unter einander
verbundener Fäſſer oder ähnlicher Geräthſchaften, oder nach
einem großen durch Waſſer abgekühlten Reſervoir, wo die Condenſation der verdichtbaren Körper ſo weit ſtattfindet, als unter den gegebenen Verhältniſſen möglich iſt. Die nicht verdichtbaren Luftarten mit ihrem geringen Rückhalt von Theerdämpfen ſind, wie bereits angedeutet, brennbar und dann von leuchtender Beſchaffenheit, weshalb man ſie
entweder als Heizmaterial bei gewiſſen Operationen oder ſtatt des gewöhnlichen Leuchtgaſes zur Beleuchtung der Fabrikräume benutzen kann, was jedoch ſelten der Fall iſt, da ſie bei der Verwendung als Heizmaterial leicht zu ſehr heftigen, das ganze Etabliſſement und Perſonal gefährdenden Exploſionen Veranlaſſung geben können und ihre Benutzung als Leuchtmaterial die Aufſtellung eines koſtſpieligen Appa⸗ rates erfordert. Man läßt ſie deshalb gewöhnlich durch Röhren oder Kanäle nach der Luft entweichen, wodurch ſie Veranlaſſung zu dem ſchon in bedeutender Entfernung von der Fabrik unter dem Wind wahrnehmbaren unangenehmen Geruch geben.
Nachdem in einer Reihe von Verkohlungsarbeiten die


