Jahrgang 
1857
Seite
659
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Ein Zwanzigſtel kommt etwa auf den Bäcker, der darin zugleich den Maurer, wegen des Ofens und den Wald

beſitzer, für das Brennmaterial bezahlt; einen weiteren Antheil erhält der Müller, für ſeine eigne und die Arbeit Aller, welche ſeine Mühle bauten und im Stande halten. Fernere Antheile erhalten ſodann der Säemann, der Pflüger, Schnitter und Dreſcher, nebſt Stell

macher, Schmied und allen Handwerkern, welche der Be trieb der Landwirthſchaft in Thätigkeit ſetzt. Auf dieſe Weiſe wird der ganze Preis erſchöpft, und èes bleibt durchaus nichts übrig für die Leiſtungen der Natur. Denn fände ſich etwa noch ein Bruchtheil davon für den Eigenthümer des Grundes und Bodens, ſo gehört dies ebenfalls unter die Belohnungen für Dienſte, welche dieſer etwa durch pacht weiſe Ueberlaſſung ſeines Ackers einer der betheiligten Perſonen, dem Producenten des Getreides geleiſtet hat, und iſt keineswegs als Etwas, was für die Naturkräfte des Grundes und Bodens bezahlt wird, anzuſehen, wie wir noch beſonders in der Lehre von der Grundrente zu zeigen haben.

Ob in dieſer Reihe von Leiſtungen nicht auch manches mal blos eingebildete Dienſte, ganz unnütze Handlungen mit in Anſchlag kommen, mindert im Weſen der Sache Nichts. Genug, daß der Werth nicht in den Dingen, in deren natür licher Nutzbarkeit ſteckt, weder bei Luft und Waſſer, noch beim Brod oder Diamanten, daß alſo Niemand für die Mitwirkung der Natur bezahlt wird; daß vielmehr der Kon ſument die Bezahlung blos auf Menſchen vertheilt, inſofern ſie ihm Dienſte geleiſtet haben, gleichviel ob veelle oder blos eingebildete. Freilich kann ſich dabei ein Schmarotzer mit Liſt oder Gewalt einſchleichen oder eindrängen und ſich für angebliche Dienſte bezahlen laſſen, die er entweder gar nicht ge leiſtet hat, oder die der Andere weder braucht noch verlangt, in welchem Falle der Preis eines Artikels unbilliger Weiſe erhöht wird. Allein dies beweiſt nur, daß eine Ungerechtigkeit inner halb des Verkehrs vorgegangen iſt, hebt aber das Prineip des Werths, wie wir daſſelbe im Vorigen erkannt haben, nicht auf, ſo daß nun etwa der für nicht reelle Dienſte gewährte Antheil des Aequivalents als materiell auf der Sache, auf den konkurrirenden Naturgeſchenken haftend erachtet werden, müßte.

Beſchauen wir uns das S achverhältniß eimal von einem nicht materiellen Bedürfniß, der Sicherheit. Eine Anzahl Menſchen ſchifft nach einem entlegenen Welttheile, eine Ko lonie anzulegen. Die Einzelnen widmen ſich verſchiedenen Beſchäftigungen, fangen die zu ihrem Unterhalt, zur Be ſchaffung von Nahrung und Obdach nothwendigen Arbeiten an. Allein wilde Thiere oder Horden barbariſcher Urein wohner verurſachen Gefahren und Störungen, welche die Koloniſten am Arbeiten hindern, ihr Leben und Eigenthum, das Gedeihen ihrer Pflanzungen bedrohen. Anſtatt daß ſich nun jeder Einzelne gegen den wider ihn insbeſondere ge richteten Angriff mit großem Zeitverluſt und obenein, wegen Mangel an Uebung und Waffen, meiſt ungenügend ver theidigte, kommen Alle überein, dies einigen, welche ſich durch Stärke, Geſchick und Muth am Beſten dazu eignen, als aus ſchließliche Beſchäftigung zu überlaſſen, und ſie dafür zu be⸗ lohnen. Man findet bei näherer Ueberlegung, daß der Totalverluſt an Zeit und Kraft für die Geſammt Arbeit bei dieſer Einrichtung, wo zwar einige Arme ganz ausſchei den, dafür aber alle Uebrigen nun ſich ſtetig und mit ganzer Kraft ihren Beſchäftigungen widmen können, weit geringer iſt, und die Dienſtleiſtungen dieſer K rieger, Jäger, oder wie man ſie ſonſt nennen will, haben Werth, weil ſie ein

Bedürfniß der Geſammtheit befriedigen, den Uebrigen eine gefährliche und mühſame Anſtrengung erſparen, weshalb ſie von dieſen mit andern Dienſtleiſtungen meiſt in der Form eines Soldes, Gehalts in Naturalien oder Gelde aufge wogen werden. Nicht ſelten führt nun eine ſolche Einrich tung zu großen Mißbräuchen. Hat nämlich die Geſammt heit in die Hände ihrer beſtellten Vertheidiger eine ſolche Organiſation und ſolche Mittel gelegt, wie ſie zur Beſiegung feindlicher Gewalt erforderlich ſind, ſo wendet dieſe Klaſſe Beides nicht ſelten gegen die Geſellſchaft ſelbſt an, um ſich eine unverhältnißmäßig hohe Belohnung zu ſichern. Und um ſich unentbehrlich zu machen, verurſacht man ſelbſt Un ſicherheit, zettelt Kriege an, deren Führung der Geſammt heit ſchwere Koſten und Drangſale aufbürdet. So ent ſtehen bedeutende Störungen im richtigen Gleichgewicht der Dienſtleiſtungen gegen einander, das WerthSp rincip wird aber nicht dadurch alterirt.

Noch ein Beiſpiel, wo Betrug und Liſt ſich einmiſchen. Ein Quackſalber und Wunderdoktor macht ſeinen An hängern glauben, er beſitze das Geheimniß, das menſchliche Leben zu verlängern, jedes Siechthum und Gebreſte zu heilen, dem Alter die verlorene Jugendkraft wiederzugeben. Er macht ihnen allerhand magnetiſchen und ſympathetiſchen Hokuspokus vor, vertheilt ſchützende Amulete und Wunder pillen, die von den ſchlimmſten Krankheiten befreien, und leiſtet den daran Leidenden oder davon Bedrohten natürlich einen außerordentlich wichtigen und von Nienzand ſonſt leicht zu erlangenden Dienſt, für den er ſich denn auch entſprechend bezahlen läßt, einen der Bedeutung der eigenen Leiſtung angemeſſenen Gegendienſt fordert. Allerdings liegt hier ein ſingirter Werth, Seitens der wundergläubigen Patienten eine falſche Schätzung, ein Irrthum, Seitens des Quackh ſalbers ein Betrug vor, aber der ganze Vorgang iſt dennoch wirthſchaftlich normal, Leiſtung und Gegenleiſtung und deren freie Abwägung durch die Betheiligten vorhanden. Solche Dinge kommen täglich mitten in unſerer eiviliſirten Welt vor, und man kann dazu Nichts weiter ſagen, als daß der menſchliche Verſtand auf die Dauer dergleichen Unſinn nicht verdaut, und jeder ſolche Betrug ſeiner endlichen Ent hüllung entgegen geht.

Hiermit meinen wir zur Genüge dargethan zu haben, daß Nutzbarkeit und Werth verſchiedene Dinge ſind, und wir faſſen das Reſultat unſerer Erörterung noch einmal zu ſammen. Bedürfniß Anſtrengung Befriedi gung das war der wirthſchaftliche Lebensgenuß des Menſchen. Nun bezieht ſich die Nutzbarkeit auf das erſte und dritte dieſer Momente(das Bedürfniß und deſſen Be friedigung), der Werth auf das zweite(die Arbeit). Die Nutzbarkeit, die den Dingen inwohnende Eigenſchaft, unſre Bedürfniſſe in die Befriedigung aufzulöſen, iſt von der Natur gegeben, allein ihre Wirkſamkeit iſt in den meiſten Fällen gehemmt, indem ſich eine Menge von Hinderniſſen dazwiſchen ſtellt, welche erſt durch eine Anſtrengung unſrerſeits hinweggeſchafft, bewältigt werden müſſen, ehe jene heilſame Naturkraft ihren wohlthätigen Einſluß auf uns ausüben kann, und erſt dadurch erhält die Nutzbarkeit einen Werth. Ohne dieſe Hinderniſſe, welche ſich zwiſchen das Bedürfniß und die Befriedigung ſtellen, wären Anſtrengungen weder zu machen, noch ihre Produkte auszutauſchen, die Nutzbarkeit wäre ſtets und durchaus unentgeltlich und Allen gemeinſam, und der Begriff des Werths, ſowie mit ihm der des Eigenthums, exiſtirte gar nicht. So aber ſind wir wohl ringsum von nutzbaren Stoffen und Kräften um geben, aber wir müſſen Etwas thun, ſie uns anzueignen, ſie