ſchrift. Bilde; da ſteht ſie:
„Proſits neu Jahr— Ihr Lieben, ja gewis muß euch „in dieſem Jahre ein beſonderer Seegen zuflieſſen, weil Ihr „uns mit ſo vielen Wolthaten im Verfloſſenen beſchenkt hat „— und doch muß ich euch geſtehen, daß unter allem Lieben „und guten mir Doch euer Rickchen das Liebſte iſt, ſo wir „von euch erhalten.
„Das iſt wahrheit von eurer treuen dankbaren gevatterin
Frid. Brion.
„PS. Rickchen wünſchte ſein groß Parſanes Halstuch „zu haben in einem Land, wo niemand Kleine trägt.“—
Treten wir hinaus, ſo leſen wir an der Mauer der nahe liegenden Kirche auf einem horizontalen Grabſteine die Worte:
„Hier ſchläft in ſeinem Erlöſer der Hochehrwürdige und Hochgelehrte Herr Joh. Jakob Brion, treueifriger Lehrer hieſigen Kirchſpiels, Seines Alters 70 Jahr 6 Monath. Stehe ſtill und weine, Chriſt und Menſchenfreund; Hier ruhn die Gebeine Eines Mannes, der vereint Tugend pries und Tugend übte, Gott und Menſchen liebte.“
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Sie iſt nicht lang und fügt einen Strich zu ihrem
Neben ihm ruht ſeine Gattin. Sei Beiden die Erde leicht!———
So!— Von Seſenheim kann man nicht neugierig in die Weite, nur ſinnend nach Hauſe gehn. Gern ſagt man ſein „Danke“ auf die zahlreichen„Helf Gott“, die man auf dem köſtlichen Richtwege nach Schierheim vernimmt, freut ſich ſchweigend der Burſchen, die dort im Walde kegeln, und iſt unvermerkt in Biſchweiler, der dichtgedrängten Fabrikſtadt mit ihren rothen Schornſteinen, triſtmodernen Arbeiterwoh⸗ nungen und unendlichen Tuchrahmen. Was Sie hier, wie in St. Francisko, vermiſſen werden, iſt ein ordentlicher Thurm, ein hervorragendes Gotteshaus; doch was braucht man einen Gott, wenn man Geld hat? Beſteigen wir den von Hagenau kommenden Bahnzug und fahren, den duftig hingehauchten Schwarzwald zur Linken, durch gartenartige Gemüſefelder, vorüber an dem in baumloſe Fläche hinge⸗ ſtreckten Hoerdt, deſſen eigenthümlicher Thurm ſchon in eine Spitze zuſammenlaufen will, als es dem Gecken noch einmal einfällt, ſich breit zu machen, gen Vendenheim. Dort zeigt uns das an Wilhelm Müller und ſeinen Flaſchenberg erin⸗ nernde„Est. Est.“ auf den Mützen der Bahnbeamten, daß wir in die Oſt-, d. h. die Paris⸗Straßburger Bahn einge⸗
Boden. Nah' und näher rücken wir Straßburg— es brauſt, wir fahren unter dem Walle durch— ſei uns ge⸗ grüßt, du liebe, wohnliche Stadt!—
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Volkswirthſchaftliche Skizzen.
Von H. Schulze⸗Delitzſch. X. Nutzbarkeit und Werth.
So wichtig und folgenreich iſt das ſtrenge Auseinander⸗ halten der beiden obigen Begriffe, wie wir namentlich ſpäter bei der Lehre vom Eigenthum ſehen werden, daß wir noch einmal ganz beſonders darauf zurückkommen.
Wir wiederholen alſo:
„Daß Nutzbarkeit— d. h. die den Dingen inwoh⸗ nende Eigenſchaft, zur Befriedigung menſchlicher Bedürf⸗ niſſe zu dienen— und Werth etwas ganz verſchiedenes ſind; „daß die Nutzbarkeit zum Theil durch die Natur, zum Theil durch die Arbeit des Menſchen hervorgebracht wird;“ „daß die von der Natur hervorgebrachte Nutzbarkeit un⸗ entgeltlich iſt, und nur die durch Arbeit eines Menſchen her⸗ vorgebrachte Nutzbarkeit einen Werth hat.“
Die Werthloſigkeit der von der Natur hervorgebrach⸗ ten Nutzbarkeit als eines Naturgeſchenks, bezeugen Luft und Waſſer, Licht und Wärme der Sonne u. a. m., Dinge von äußerſter Nützlichkeit für uns, die wir gar nicht ent⸗ behren können, und welche doch Niemandem Etwas koſten, weil ſie gar keinen Werth haben. Da nun das, was vom Ganzen gilt, auch von ſeinen Theilen gelten muß, ſo wird es bei allen Produkten, welche theilweiſe durch die Natur, theil⸗ weiſe durch menſchliche Arbeit hervorgebracht ſind— und dies iſt weitaus bei den allermeiſten der Fall— ſtets einen Bruchtheil unentgeltlicher und einen Bruchtheil werth⸗ voller Nutzbarkeit geben, und wir haben das hierauf be⸗ zügliche volkswirthſchaftliche Geſetz bereits früher dahin feſt⸗ geſtellt:„Daß die Mitwirkung des Menſchen, der Werth, beihier ſtets im umgekehrten Verhältniſſe zur Mitwirkung
der Natur, der unentgeltlichen Nutzbarkeit, ſteht.“ Dies will ſoviel ſagen, daß, jemehr die Natur durch ihre Geſchenke gethan, die Brauchbarkeit einer Sache zu vollen— den, deſto weniger dem Menſchen dazu zu thun übrig bleibt, und umgekehrt; mit andern Worten: daß mit der er⸗ höhten Mitwirkung der Naturkräfte, trotz der da⸗ durch herbeigeführten Steigerung der Nutzbarkeit, nothwendig ein Sinken des Werthes verbunden iſt.
Erproben wir dieſen wichtigen Satz an einer Zahl praktiſcher Beiſpiele. Eins unſerer wichtigſten Nahrungs⸗ mittel iſt das Brod. Die dazu erforderlichen Grundſtoffe liefert die Natur. Stick- und Kohlenſtoff, Salze, Gaſe, Keimkraft, welche zuſammen das Getreide bilden, Alles iſt von der Natur gegeben, doch muß eine Unzahl von menſch⸗ lichen Arbeiten hinzukommen, um dieſen Stoffen und Kräften in dem ſchlüßlichen Produkt„Brod“ diejenige Geſtalt zu geben, die ſeine volle Nützlichkeit für uns, die Fähigkeit, unſern Hunger zu ſtillen, bedingt. Worin liegt nun der Werth des Brodes? Gewiß nicht in dem, was die Natur zu ſeiner Herſtellung thut, ſondern in der Geſammt⸗ heit der dazu erforderlichen Dienſtleiſtungen, im Vergleiche zu dem, womit ich ſie vergelte, was ich dafür zahlen muß. Bleiben wir der leichtern Vertheilung halber bei einem Geld⸗ preiſe, als Aequivalent für die im Brode ſteckenden Arbeiten, wie dies in der Praxis ja auch meiſt der Fall iſt, etwa 1 Groſchen für das Pfund, ſo wird man bei der Zerle⸗ gung des Werthes, als der Geſammtarbeit, alle einzelnen
zur Broderzeugung erforderlichen Dienſte bedenken müſſen.
lenkt haben, und ſo wiſſen wir uns wieder auf bekanntem⸗


