wie ſie Rothbach bietet, ſind auch anderwärts keine Selten heit, und daß das Corps de garde an der Kirche liegt, iſt nicht naiver, als die Schildwache vor dem Hauſe des Bi ſchofs von Straßburg. In Offweiler, wo die Straße bald unter, bald über den Häuſern hinſpringt, werden wir von ſelbſt wachgerüttelt, und das iſt gut, denn der Hain von Nuß⸗ und zahmen Kaſtanienbäumen, in dem das Dorf lagert, iſt eben ſo beachtenswerth, wie weiterhin die Eiſen werke von Zinsweiler, das naſeweiſe Förſterhaus auf der Höhe von Oberbronn und dieſes Oberbronn ſelbſt, das uns einen ſchmucken, glitzernden Thurm mit großem goldenen Knopfe venommirend entgegenhält und deſſen Hauptſtraße, mit ganz präſentablen Häuſern beſetzt, am Ende des Orts
vor dem prächtigen Park des v. Strahlenheim'ſchen„Schloſ⸗ ſes“ vorüberführt. Grüßen wir von der Höhe das Münſter der Hauptſtadt und rollen dann hinab in's zweite Baden⸗ Baden, das gebenedeite Niederbronn. Schon im Hinunter⸗ fahren ſieht man hinter blendend weißen Häuschen die ſchwarzen Hüttenwerke der Herren von Dietrich: den Werk⸗ tag neben dem Sonntag. Das Erz liefert die Gegend ſelbſt und zugleich viele Verſteinerungen, wie denn z. B. die un⸗ gewöhnlich großen Ammoniten, die der auch als Menſch aus⸗ gezeichnete Leiter des Etabliſſements, Herr Engelardt, mit urbaner Bereitwilligkeit zeigt, für Kundige und Unkundige von Intereſſe ſind. (Schluß folgt.)
Berliner Skizzen. Von Guſtav Raſch.
III. Miß Juſia Paſtrana.
Wenn man vor zehn bis zwölf Jahren in Berlin aus dem Brandenburger Thor nach dem Thiergarten ging, ſo kam man, rechts einbiegend, ſofort zu einer großen wüſten Sandebene, welche alle Kriterien der weiten märkiſchen⸗ Sahara, in deren Mitte eine der größten und ſchönſten Städte der Welt erbaut worden iſt, aufzuweiſen hatte, zu dem ſogenannten Exereierplatz. Der wohlgepflegte grüne Raſen und die ſtattlichen Bäume des Thiergartens, eines Parkes, wie Europa keinen zweiten aufzuweiſen hat, und der Staub einer wüſten, von keinem Baume beſchatteten Sand fläche grenzten hier dicht aneinander, die Kunſt einer prächti gen Parkanlage und die innerſte Natur der Mark Branden burg berührten ſich hundert Schritt vor der Stadt der In telligenz in einer ſcharfen Linie. Wer indeß vor zwölf Jahren hier hinausſpaziert iſt und ſich über den Staub geärgert hat, den der leiſeſte Windhauch ihm in’s Geſicht warf— man ſagt, die Teltower Rüben gedeihen nur in dem Sande, wo ein Windſtoß ein ganzes Rittergut mit fortbläſt der er kennt heute den ehemaligen Exercierplatz nicht wieder. Die weite, wüſte Sandfläche hat ſich in große grüne, Raſenplätze umgewandelt, zwiſchen denen man nur einzelne, breite Wege zum Tummeln und Zureiten der Pferde mit großer Spar ſamkeit reſervirt hat, und an den äußerſten Grenzen dieſer weiten, grünen Fläche erheben ſich Reihen ſo ſtattlicher Häuſer und Paläſte, daß man ſie unbedingt zu den ſchönſten zählen kann, welche Berlin überhaupt aufzuweiſen int Stande iſt. Die ganze nördliche Seite des ehemaligen Exercier platzes, den Paläſten des berühmten Peter von Cornelins und des Grafen von Raczinsky gerade gegenüber, nehmen die großartigen Gebäude des Kroll'ſchen Etabliſſements ein, eines ſo prächtigen und eleganten Etabliſſements, wie Paris und London kein zweites kennt. Eine heftige Feuersbrunſt legte daſſelbe vor fünf Jahren in Aſche, aber das neue Ge bäude iſt aus den Trümmern des alten, wie ein Phönix aus ſeiner Aſche erſtanden, größer, prächtiger und eleganter; dann drohten der Concurs der Beſitzerin und die polizeilichen und gerichtlichen Anträge der Gläubiger, welche ſo zahllos waren, wie der Sand des ehemaligen Exercierplatzes, dem großartigen Etabliſſement zum zweiten Male den Untergang, indeß hat es auch dieſe Kämpfe mit den Hypotheken⸗ und Wechſelgläubigern, mit Executoren und gerichtlichen Se queſtrationen, mit Verwaltungscomités und polizeilichen
Schließungsverboten glücklich überſtanden, die Gläubiger ſind nicht bezahlt, das Eigenthum des Grundſtücks iſt in an⸗ dere Hände übergegangen, und eine Reihe glänzender Con⸗ certe, Bälle und Redouten füllen jeden Abend die prächtigen, vergoldeten Säle mit dem eleganteſten und vornehmſten Publikum Berlins, während im Sommer die Blumenbeete und Gebüſche des Gartens in feenhafter Beleuchtung ſchim⸗ mern, und ſich die Strahlen der unzähligen Gasflammen, Gasſonnen und Gasſterne in den Waſſerſtürzen der künſt⸗ lichen Springbrunnen und Caskaden ſpiegeln.
Auch heute ſind die Säle des Etabliſſements prächtig erleuchtet. Die großen Spiegelſcheiben der auf die Terraſſe hinausgehenden Fenſter und Flügelthüren reflectiren die Strahlen der großen vergoldeten Kronleuchter faſt bis zur Hälfte der Raſenfläche, welche ſich vorn auf der Terraſſe bis zu den Paläſten Cornelius und Raczinsky ausdehnt, eine Reihe eleganter Equipagen und mehr wie mittelmäßiger Droſchken iſt vor dem Eingangsthore aufgefahren, und der ganze Weg vom Brandenburger Thore bis dorthin iſt mit einer ſolchen Menge von Spaziergängern bedeckt, wie an einem Sonntag Abend im Juli oder Auguſt. Der Billeteur an der Kaſſe kann dieſem Billetſturme keinen Widerſtand leiſten, geſchweige denn ihn durch grüne, gelbe und rothe Ein⸗ laßkarten beſchwichtigen. In einer halben Stunde iſt Alles, was noch an Billets vorhanden war, ausverkauft, ſelbſt die Billetbörſe, welche ſich vor dem Eingangsthore etablirt hatte, hat Bankerott gemacht.
Was iſt es denn, was dieſen Billetſturm erregt, warum iſt die Promenade an dieſem düſtern, regneriſchen und win digen Herbſtabende ſo mit Damen in ſeidenen Kleidern und in glänzender Concerttoilette, mit Herren in Fracks und Glacéehandſchuhen, denen der zugeknöpfte Paletot und die maleriſchen Falten des Almaviva bis zu dem Eingang in die Säle Schirm und Schutz verleihen müſſen, überfüllt, wie an einem warmen, ſonnigen Sommer⸗Nachmittage? Erklingen heute Abend da drinnen die Töne der Zaubergeige Bazzinis, welche ſo wunderbare Dinge erzählen, welche ſo ſüß und verlockend verhallen, wie die Saiten der Violine Alberts von Rudolſtadt in den unterirdiſchen Gemächern der Rieſenburg; ſingt Marie Seebach vielleicht heute in ihrer wundervollen Manier und mit nie geahnter Innigkeit das Lied Gretchens am Spinnrade, oder iſt es der Contrebaß Botteſinis, oder


