Jahrgang 
1857
Seite
635
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trirtes Volhs- unch Familienbla

Inhalt: Bekenntniſſe eines Gemißhandelten.(Fortſetzung.) Bilder aus den deutſchen Gauen. IV. Das Elſaß. Von Albert Grün. II.(Fort⸗

ſetzung.) Berliner Skizzen. Von Guſtav Raſch. III. Miß Julia Paſtrana. Volkswirthſchaftliche Skizzen. Von Sch ulze⸗Delitzſch. IX. Aus dem Weltleben. Was beliebt: Sybel, k. bair. Hiſtoriograph. Charras über den Feldzug von 1815.

Bekenntniſſe eines Gemißhandelten.

(Foutſetzung.)

V Um nicht von trüben Gedanken, die ſich leicht in mir gewöhnlich einziger Fuß feſt in die Erde gerammt war. feſtſetzten, niedergedrückt zu werden, und um zugleich der Bänke von unbearbeiteten Birkenſtämmchen bildeten die ggeeſtrengen Frau Prinzipalin einen Beweis meiner Füg⸗ ſehr ſchmuckloſen Sitze. Auch im Freien auf den Grant⸗ ſamkeit zu geben, ging ich aus. Einen Begleiter hatte ich wegen befanden ſich ähnliche feſtſtehende Tiſche mit trag⸗ nicht, da ich gleich anfangs an mich ergangene Einladungen baren ſteiflehnigen Schemeln. mmaeeiner Collegen, ſie zu begleiten, unbeachtet ließ. Mir In den meiſten Lauben ſaßen Frauen und Kinder, ge⸗ ſelbſt überlaſſen, unbekannt mit den Verhältniſſen und wöhnlich nur von einem Manne begleitet, beiſammen, und frremd faſt Jedermann, blieb ich auch unter Menſchen ließen ſich, Dieſe Bier nebſt Butterbrod, Jene Milch und immer allein. Plan⸗ und zwecklos ging ich ſtraßauf ſtraß⸗ Kuchen wohl ſchmecken. Die freiſtehenden Tiſche waren ab, bis ich an die Oderbrücke kam. Der Anblick des leb- mehr von jungen Leuten beſetzt, die hier in frugaler Weiſe haft ſtrömenden Fluſſes erquickte mich innerlich. Ich dachte einen ſchönen Sommerabend angenehm zubrachten. In der murmelnden Bäche in meiner Heimath, und wenn ſich der Mitte des Gartens, unter einer halb verfallenen V auch wenig heitere Bilder an dieſe meine Vergangenheit Ueberdachung, ſaßen der Cimbalſpieler und zwei Harfe⸗ knüpften, ein ſanfter Schimmer breitete ſich doch wie ver⸗ niſtinnen. klärend über einzelne aus. Das Ungekünſtelte dieſes öffentlichen Ortes, wo man Ich überſchritt ſinnend, dem Zuge meiner Gedanken der Natur keinen Zwang anthat, gefiel mir. Auch die in die Bergheimath folgend, die Brücke. Harfenklänge Geſellſchaft war nach meinem Geſchmacke. Hier ſo V machten mich aufhorchen, das Geklimper eines Eimbals ſchien es mir ſah kein Vornehmer mich über die Achſel weckte Gefühle, die mich anheimelten. Ich hatte als an. Ich konnte in Geſellſchaft leben und doch für mich Krnabe das Cimbal unzählige Male von herumziehenden bleiben. Ein Aufwärter fragte zuvorkommend nach mei⸗ böhmiſchen Muſikanten ſpielen hören, und obſchon die nem Begehr, als ich an einem noch ganz leeren Tiſche Muſik ſo eben erſt Urſache einer emfindlichen Kränkung Platz genommen hatte. Um nicht viel zu verausgaben, ggeworden war, konnte ich doch dem Zuge meines Herzens beſtellte ich ein Glas Milch mit einer Semmel. Rauchen nacht widerſtehen. Ich folgte den ſchrillen Tönen und be⸗ konnte ich nicht, und es zu lernen, hielt mich die Furcht V fand mich alsbald in einem Gartenlocale, das von Leuten ab, es möge mir übel bekommen und mich unfähig machen, aus dem kleinen Bürgerſtande beſucht war. In dieſem meine Arbeiten zu vollziehen. Garten gab es keinerlei Luxus. Kleine Jasmin⸗ und Als der Cimbalſpieler endigte, griffen ſeine Beglei⸗ Geisblattlauben enthielten roh gezimmerte Tiſche, deren terinnen wieder zu ihren Harfen. Die Mädchen waren