die Feuerung ſo zu regeln, daß jene Temperatur gleichmäßig beibehalten wird. Die Erhitzung der Retorten dauert dann 7 bis 12 Stunden, bei ſehr großen Retorten aber verhält⸗ nißmäßig länger, und der Verkohlungsprozeß iſt als been⸗ digt zu betrachten, wenn bei gleichmäßig fortgeſetzter Er⸗ hitzung die Retortenhälſe ſich abzukühlen beginnen. Man überläßt nun die Retorten einer geringen Abkühlung, entfernt die Deckel derſelben und zieht die Braunkohlencoaks heraus, um ſie entweder in zu bedeckenden Baſſins oder Blechkäſten
der Abkühlung zu überlaſſen oder mit Waſſer abzulöſchen,
worauf die Retorten wieder mit Braunkohlen geſpeiſt und verſchloſſen werden, um ſie von Neuem der Erhitzung auszuſetzen. Die erhaltenen Braunkohlencoaks ſind werth⸗
los, da ſie ſelbſt dann, wenn die urſprüngliche Braunkohle wirkliche feſte Stücke darſtellt, ſo klein zerſtückelt auftreten, daß ſie bei einer Speiſung der Feuerung die Roſtöffnungen ſo verſchließen, daß der Zug, alſo auch die Verbrennung unterbrochen wird, oder zwiſchen jenen unentzündet hindurch⸗ fallen. Sie mögen ſich jedoch zur Verbeſſerung eines ſchweren, naſſen und kalten Bodens eignen, und ſollten Landwirthe darauf aufmerkſam ſein. Auch da, wo die Zubereitung der Speiſen durch die ſogenannte Grude, d. h. eine ſchwache, aber andauernde Einwirkung von Wärme, ſtattfindet, wie dieſes z. B. in der Gegend von Aſchersleben gebräuchlich iſt, zeigen ſich die ſo erhaltenen Braunkohlencoaks als ſehr vor⸗ theilhaft.(Schluß folgt.)
Aus der Krankenſtube.
VI. Maſern und Scharlach.
Schon früher wurde darauf hingewieſen, daß Maſern, Scharlach und Pocken es lieben, ihre Epidemien gleichzeitig zu machen. Doch dürfte man noch genauer und richtiger ſagen: Maſern und Pocken ſtehen hinſichtlich ihres Erſtarkens zu Epidemien in einem atmoſphäriſchen Cauſalzuſammen⸗ hange, welcher gern gleichzeitig auch Lungenkatarrhe, Keuch⸗ huſten u. dgl. endemiſch oder epidemiſch herrſchen läßt, wobei dann das(namentlich in größern Städten) niemals ganz verſchwindende Scharlach ebenfalls beobachtet wird. Da⸗ durch beſchränkt ſich der an die Spitze geſtellte Erfahrungs⸗ ſatz bedeutend. Es iſt ſogar nicht unwahrſcheinlich, daß er nur auf einer ungenauen, nicht conſequenten Beobachtung über die Häufigkeit des iſolirten Auftretens von Maſern und Scharlach beruht. Dieſe Zweifel werden jedoch den Nicht⸗ arzt nur inſofern intereſſiren, als er daraus die Beruhigung entnehmen kann, daß Maſern⸗ und Scharlachepidemien in
bloß zu rudimentären Erkrankungen, deren Symptome zwar äußerſt heftig auftreten, doch faſt immer einen günſtigen
Ausgang prognoſticiren laſſen. Unter den Erwachſenen
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ſcheinen nämentlich Wöchnerinnen zum Scharlach geneigt, ſo daß ſich das ſogenannte„Scharlachfieber der Wöchnerin⸗ nen“ in Gebärhäuſern öfters epidemiſch entwickelt. Hier iſt die Prognoſe außerordentlich ungünſtig. Aber freilich bleibt es noch ſehr zweifelhaft, ob dieſe Kindbettkrankheit auch wirklich identiſch mit dem eigentlichen Scharlach iſt.
Die Maſern machen ihre Epidemien, welche gewöhn⸗ lich eine Dauer von 3— 8 Monaten zeigen, durchſchnittlich im Frühling, Herbſt und Winter; erſcheint aber eine im Sommer, ſo darf man ziemlich ſicher darauf rechnen, daß ſie im Ganzen gutartig verläuft. bindet ſich an keine Jahreszeit, zieht jedoch gerad den Som⸗
mer vor, um ſeine ausgedehnteſten und intenſivſten Epidemien
keinem gegenſeitig bedingenden Zuſammenhang ſtehen.
Dies weder in Bezug auf die Zahl der Erkrankungen, noch in Bezug auf die Gut⸗ oder Bösartigkeit der ſpeciellen Epidemien. Stellen jedoch auch wir Maſern und Scharlach hier nebeneinander, ſo geſchieht es nicht, um die Jahrhun⸗ derte lang zuſammengeworfenen Krankheiten abermals zu⸗ ſammenzufaſſen, ſondern um ſie für den Laien deſto ſchärfer auseinanderhalten zu können.
Darin gleichen ſich, wie ſchon mehrfach erwähnt, beide Krankheiten, daß ſie gern epidemiſch auftreten, anſteckend ſind und gewöhnlich zwar den im Allgemeinen mehr das kindliche und jugendliche, als das reifere Alter. Auch daß die Disp oſition zu Maſern viel allgemeiner iſt, als die zu Scharlach wurde ſchon berührt. Doch ſcheint es bei den meiſten Maſernepidemien, als ob mehr Mädchen als Knaben davon betroffen würden; die Dispoſition zur Krankheit iſt meiſtens gering bis zum 2. Lebensjahr, am ſtärkſten vom 3. bis zum 5. Allein ſie verſchwindet in keinem Lebensalter, und nach langer Ab⸗ weſenheit einer Epidemie werden auch Greiſe und Männer davon ergriffen. Sehr ſelten wiederholen ſich dagegen die Maſern in einem Menſchenleben zweimal, doch ſchützt auch keine Krankheit vor ihnen, ſie können ſich mit jeder verbin⸗ den.— In dieſer letztern, ſehr gefährlichen Eigenſchaft iſt das Scharlach den Maſern gleich, ebenſo zeigt es ſich am häufigſten bei Kindern bis zum Zahnwechſel. Während aber die Maſern bei erwachſenen Menſchen ihre Natur gar
Menſchen einmal befallen, aber
nicht ändern, bringt es das Scharlach bei ihnen faſt immer
zu entwickeln. Dabei herrſcht im Krankheitscharakter der⸗ ſelben nicht die geringſte Regelmäßigkeit. Hinſichtlich der Gut⸗ und Bösartigkeit der einzelnen Fälle beobachtet man vielmehr im Bereiche jeder Scharlachepidemie die allergrößte Verſchiedenheit. Ebenſo wechſelt dieſelbe im Ganzen oft ganz plötzlich ihren Charakter. Seit dem Beginne unſeres Jahrhunderts ſcheinen die Epidemien weit häufiger, als früher wiederzukehren und dazu im Allgemeinen auch intenſiver zu werden.— Dagegen beobachtet der Gang der Maſern⸗ epidemien eine gewiſſe Zuverläſſigkeit in auf- und abſteigen⸗ der Linie. Denn meiſtens beginnen ſie mit leichten, normalen Fällen, bilden dann normale, mäßig ſchwere Krankheiten und werden gegen ihr Ende zwar minder intenſiv, ziehen ſich aber lang hinaus und machen die einzelnen Maſernfälle durch Complicationen nicht blos undeutlich, ſondern auch bösartig.
Gemeinſam iſt den Maſern mit dem Scharlach, daß auf die Anſteckung der Beginn der Krankheit nicht unmittel⸗ bar folgt; vielmehr dauert dieſe ſogenannte„Incubations⸗ zeit“ oftmals eine Woche, doch ſeltener bei Maſern. Ge⸗ meinſam iſt ferner beiden Seuchen, daß ſie nicht mit der Ausſchlagsbildung, ſondern mit einem vorlaufenden Fieber⸗ zuſtand ſich ankündigen. Aber ſchon deſſen Eintritt unter⸗ ſcheidet das Weſen beider Krankheiten. Die Maſern be⸗ ginnen raſch mit entſchiedenem Fieber, Thränen und Reizung der Augen und ſtarkem Schnupfen. Dieſer Zuſtand dauert 1— 4 Tage. Tritt hierzu Brechen, Durchfall oder ein anderes bedeutenderes Unterleibsſymptom, ſo bedingen
Anders das Scharlach. Es


