zu verwandeln, welche in beſonderen Vorrichtungen ange⸗ zündet ein ausgezeichnet blendendweißes Licht entwickelt, ſo i*ſt doch die Benutzung derſelben mit ſo großer Gefahr ver⸗ bunden, daß ihre Anwendung dadurch gänzlich prekär iſt.
Ums Jahr 1830 ſtellte der Naturforſcher Reichen⸗ bach eine Reihe von Verſuchen über die Beſtandtheile des Theers aus Buchenholz an und fand hierbei außer verſchie⸗ denen anderen flüſſigen und feſten Körpern einen fettartigen weißen Stoff, den er aus beſonderen chemiſchen Gründen mit dem aus dem Lateiniſchen gebildeten Wort„Paraffin“ bezeichnete. Weitere Unterſuchungen deſſelben und anderer Chemiker über die Theere aus anderen Holzarten, aus Stein⸗ kohlen, Braunkohlen und Torf haben dargethan, daß dieſe in qualitativer Beziehung dem Buch enholztheer ſehr ähnlich, aber in den quantitativen Verhältniſſen untereinander ſehr verſchieden ſind. Dieſe Erfahrungen blieben mehrere Jahre von der Technik ganz unbeachtet, obgleich bereits Reichen⸗ bach bei ſeiner erſten Bekanntmachung über die Entdeckung des Paraffins dieſes für Lichtkerzen ſehr geeignet erklärte und es in dieſer Form an mehrere ſeiner Fachgenoſſen ver⸗ theilte. Die deutſche Entdeckung des Paraffins blieb— wie ſo häufig auch bei anderen Fällen— der Induſtrie fremd, bis ſie in England von derſelben aufgefaßt wurde, um durch Gewinnung deſſelben und Verwendung zu Licht⸗ kerzen die zum großen Theil werthloſen Torflager Irlands mit Vortheil auszubeuten. Die praktiſche Verwendung der flüchtigeren Theeröle fällt aber in eine noch ſpätere Zeit, denn erſt ſeit 3 bis 4 Jahren hat man begonnen, dieſelben als ſchöne Leuchtmaterialien zu benutzen.
Bald nach der Entdeckung des Paraffins wurde von meinem Vater das Terpentinöl in Benutzung gezogen, um die Flamme des Weingeiſtes leuchtend zu machen. Er fand ſich hierzu dadurch veranlaßt, daß die Praktikanten in ſeinem Laboratorium beim Verlaſſen deſſelben oft die Weingeiſtlam⸗ pen fortbrennen ließen, weil ſie bei der unmerklichen Licht⸗ entwickelung am ſtarken Tageslicht unbeachtet blieben. Da aber das Terpentinöl in den ſchwächeren Weingeiſtarten, wie ſie zum Speiſen der Lampen benutzt werden, unlöslich iſt, ſo mußte ſeine Löſung durch einen geringen Zuſatz von Aether unterſtützt werden. Ein intelligenter Kaufmann, der von dieſem Leuchtendmachen der Weingeiſtflammen Kenntniß er⸗ hielt und zugleich bei meinem Vater geſehen hatte, daß die Miſchung aus ſehr engen Glasröhren ganz ohne Docht in Form des Gaſes verbrannte, wußte dieſe Benutzung und Verbrennungsart induſtriell auszubeuten. Er brachte nicht allein die Miſchung als ſog. Gasäther, ſondern auch beſon⸗ ders hierzu conſtruirte Lampen in den Handel. Die Gegen⸗ wart des Aethers in dieſem Gasäther begünſtigt jedoch un⸗ gemein die Entzündbarkeit deſſelben und es fanden häufig in den Lampen ſelbſt Exploſionen ſtatt, wodurch Feuersgefahr oder Körperverletzungen veranlaßt werden konnten. Man unterließ daher den Zuſatz von Aether und bezweckte eine größere Löslichkeit des Terpentinöles in dem Weingeiſt da⸗ durch, daß man ein Gemiſche beider der Deſtillation unter⸗ warf und dies Deſtillat ſo lange als Leuchtſtoff für ſich auf⸗ ſammelte, als es noch ungetrübt und ungeſchieden auftrat. Aber auch hiermit war die Entzündungs⸗ und Exploſions⸗ fähigkeit noch nicht ſo vermindert, daß man bei der Darx⸗ ſtellung und Verwendung dieſes Gemiſches ganz ohne Gefahr hätte ſein können. 8
Im vorletzten Decennium unſeres Jahrhunderts lernte man das flüchtige Oel, welches bei der trockenen Erhitzung des gemeinen Harzes erhalten wird und ein Gemiſche von vorhanden geweſenem Terpentinöl mit einem ſehr flüchtigen
ölartigen Zerſetzungsprodukt des Harzes ſelbſt iſt, als Leuchtmaterial verwenden und brachte es unter dem Namen Camphin, womit jedoch auch häufig das obige Gemiſche von Weingeiſt und Terpentinöl bezeichnet wurde, in den Han⸗ del. Mit der Verwendung dieſes Camphins trat aber auch wiederum die Verbrennung vom Docht ſelbſt ein, eine Ver⸗ brennungsweiſe, die auch auf alle übrigen ſpäter eingeführten Leuchtſtoffe übergeführt werden mußte.
Daß nun bei dem Camphin ein Zerſetzungsprodukt des Harzes mit ins Spiel kommt, führte die Techniker darauf hin, ihre Aufmerkſamkeit auf die flüchtigen Theeröle zu wen⸗ den und Verſuche anzuſtellen, ob dieſe als Leuchtmate⸗ rialien zu verwenden ſeien. Der Erfolg war glänzend, denn nicht allein, daß dieſelben ſich am Docht als mit blendend weißer Flamme brennbar zeigten, ſondern auch die Darſtel⸗ lungskoſten dieſer Theeröle ſind ſo niedrig, daß die neuen Leuchtmaterialien mit Erfolg in Concurrenz zu den alten treten können und ihre Verwendung im Allgemeinen mit weniger Gefahr verbunden iſt, als beim Camphin und Gas⸗ äther. Wir ſind durch ſehr exacte eigene und fremde Ver⸗ ſuche zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Unglücksfälle, welche im Verlauf der beiden letzten Jahre bei der Beſchäf⸗
tigung mit den neuen Leuchtſtoffen vorgekommen ſind, auf
Rechnung des Camphins und anderer Gemiſche, aber nicht auf die der Theeröle zu ſtellen ſind und glauben dieſes um ſo mehr, weil die wenigen Fabriken, welche aus dem Theer den Leuchtſtoff darſtellen, dem ungemein großen Verlangen nach Theeröl nicht genügen konnten und die Händler deßhalb oft zu den älteren Leuchtſtoffen ihre Zuflucht nehmen mußten.
Fürerſt wurde der in den Gasbeleuchtungsanſtalten in großer Menge abfallende Steinkohlentheer auf Leuchtöl be⸗ arbeitet und weil das Reſultat ſo ungemein genügend aus⸗ fiel, wurde auch der Theer der Braunkohlen und des Torfs, das theerartige Produkt von der trocknen Erhitzung der bitu⸗ minöſen Mergel⸗ und Schieferarten in Betracht gezogen. Auch ſelbſt Erdpech und ſchwarzes Erdöl, die wir als Re⸗ ſultate der Einwirkung von Hitze auf Steinkohlen im Innern unſerer Erde, alſo auch als Theerarten betrachten können, wurden mit günſtigem Erfolg auf Leuchtöle verarbeitet, die wir unter den verſchiedenartigſten Benennungen, wie Photo⸗ gen, Mineralöl, Hydrocarbure, Schieferöl, Picolin u. ſ. w. jetzt verwenden.
Nachdem der Impuls zur fabrikmäßigen Darſtellung derartiger Leuchtöle im Auslande gegeben war, warf ſich auch die deutſche Induſtrie mit jugendlichem Eifer auf dieſen neuen Erwerbszweig. Die in vielen Gegenden des mitt⸗ leren und nördlichen Deutſchlands vorkommenden mächtigen Ablagerungen von Braunkohlen, die oft localer Verhältniſſe halber gar keinen oder nur einen ſehr untergeordneten Werth hatten, wurden hierbei beſonders in Betracht gezogen, da ihr Theer neben einem ſchönen Leuchtöl auch eine hinreichende Menge Paraffin enthält, um mit Erfolg darauf verarbeitet zu werden. Nicht allein einzelne Kapitaliſten, ſondern auch Actiengeſellſchaften mit bedeutenden Fonds haben ſich in der neueſten Zeit dieſer Verwerthungsart der Braunkohlen zu⸗ gewendet und es finden ſich oder entſtehen jetzt an verſchie⸗ denen Orten, wo Braunkohlen billig zu bebauen und nicht als Heizmaterial hinreichend verwendet werden können, die großartigſten Etabliſſements zur Gewinnung des Leuchtöles, das wir hier im Beſonderen Kohlenöl nennen wollen, und des Paraffins.
In ſolchen Gegenden zeigt ſich ein reges betriebſames Leben. Bohranſtalten zur Auffindung oder Beſtimmung der Mächtigkeit und Ausdehnung der Braunkohlenlager trifft


