Jahrgang 
1857
Seite
626
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theilung d. i. Tauſch vermindern. Allein der Vorgang des Tauſches ſtößt ſelbſt auf Hinderniſſe, erheiſcht ſelbſt An⸗ ſtrengungen und ruft eine Menge menſchlicher Arbeit her⸗ vor, z. B. Waarentransport und Handel. Demnach ſpart der Tauſch einerſeits Anſtrengungen, wie er ſie andrerſeits hervorruft. ſchen von zwei Uebeln, von zwei Anſtrengungen die kleinſten wählen, weshalb ſich der Tauſch ſo lange weiter ausdehnen

Nun werden aber natürlicher Weiſe die Men⸗

treten zu den Produktionskoſten die Koſten des Transports, des Zwiſchenhandels, wohl gar noch Zölle, kurz die Koſten des Tauſches, und Letzterer kann daher nur ſolange beſtehn, als dieſe ſeine Unkoſten nicht gleich 4 ſind, und ſo die ur⸗ ſprüngliche Werthsdifferenz ausgleichen und die bezweckte Erſparniß vernichten. Das natürliche Geſetz über die Gren⸗

zen des Tauſches lautet demnach:der Tauſch entwickelt

wird, als die Arbeit, die er erfordert, geringer iſt, als die⸗

jenige, welche er erſpart, mit andern Worten: bis ſeine Koſten

in Stillſtand, ſobald man durch die eigne Produktion, die eigne Dienſtleiſtung billiger und beſſer zu einer Sache, zur Befriedigung eines Bedürfniſſes gelangt, als wenn man ſie von Dritten eintauſcht. Nehmen wir ein Beiſpiel aus dem internationalen Verkehr. Ein Land iſt im Stande, wegen

reichhaltiger Kohlen- und Erzlager den Centner Eiſen mit⸗

telſt einer Summe von Arbeit und Koſten herzuſtellen, welche wir gleich 8 ſetzen wollen, während ein anderes, von der

Natur in dieſer Hinſicht weniger begünſtigtes dies nur mit⸗

telſt Arbeit und Koſten gleich 12 vermag. Sicher wird das letztere geneigt ſein, das Eiſen von dem erſtern zu beziehen und dadurch eine Erſparniß gleich 4 zu machen. Allein nun

ſeine Vortheile aufwiegen. Er geräth daher ſofort von ſelbſt ſtill.

ſich von ſelbſt, vermöge des menſchlichen Eigenin⸗ tereſſe, bis zu dem Punkte, wo ſeine Koſten ſeinen Nutzen überſteigen, und ſteht alsdann von ſelbſt Wie überflüſſig es daher und wie ſehr gegen das Intereſſe der Geſellſchaft iſt, durch willkührliche Verord⸗

nungen von Staatswegen hier einzugreifen, ſpringt in die

Augen. Dennoch werden faſt in keinem Punkte die wohl⸗ thätigen Folgen des Eigenintereſſe für die Geſammtheit ſo ſehr durch Eingriffe der Staatsgewalt gekreuzt, als gerade hier, da es noch immer ziemlich allgemein für eine Aufgabe der Staatswirthſchaft geachtet wird, unter dem Vorwande der Kräftigung der inländiſchen Induſtrie, die nothwendigſten Stoffe und Produkte zum Schaden der großen Mehrheit von Konſumenten und zum alleinigen Vortheil einer kleinen An⸗ zahl von Producenten zu vertheuern; eine Frage, mit der wir uns ſpäter noch beſonders zu beſchäftigen haben werden.

Die neuen Leuchtmaterialien

im Beſonderen aus den Praunkohlen.

Von Dr. Franz Döbereiner in Freiburg a. d. U.

Der gebildete Menſch iſt in ſeinen Bedürfniſſen uner⸗ und Fackeln, in Perſien die Bergnaphtha zur Unterhaltung

ſättlich und ſucht ſtets nach neuen Quellen, um ſie zu befrie⸗ digen und ſich dadurch die Genüſſe des Lebens zu erhöhen. Wir wollen im Nachſtehenden ein Bild ſolcher Beſtrebun⸗ gen nach der Erzielung eines guten Leuchtſtoffes und der Gewinnung zweier ſolcher Körper aus den Braunkohlen geben.

Die Leuchtmaterialien wurden bis vor wenigen Jahren ſelbſt in den cultivirteſten Ländern nur aus der Pflanzen⸗ und Thierwelt bezogen, in deren einzelnen Gliedern ſie durch die Thätigkeit des Vegetations⸗ und Lebensaktes, alſo in den lebenden Pflanzen- und Thierarten erzeugt werden. Der Menſch baut Oelpflanzen an, um aus ihrem Samen oder Früchten flüſſiges oder feſtes Fett für ſeine Lampenvorrich⸗

des ewigen Feuers benutzt wird.

Die Gewinnung der Fettkörper, die, wie bereits ange⸗ deutet worden, auch ſonſt noch höchſt mannigfaltig benutzt werden, und der Preis derſelben iſt aber von Natur⸗ und anderen Verhältniſſen abhängig. Ein naſſer Froſt vernich⸗ tet die junge Saat der Winterölfrüchte, trockene Witterung verhindert das Aufgehen der Sommerölfrüchte; Kriegser⸗ eigniſſe und ſonſtige politiſche Bewegungen ſchließen die

Meere dem Verkehr und die arctiſchen Stürme und ſchwim⸗ menden Eisberge auf den Polarmeeren machen nicht ſelten

tungen, wie auch für andere Zwecke, zu gewinnen; in gleicher

Abſicht unterwirft er das Schlachtvieh einer beſonderen Mäſtung und betreibt er die Bienenzucht, um neben dem köſtlichen Honig das werthvolle Wachs auszubeuten. Die Pflanzenöle, das Fett des Schlachtviehes und das Wachs der Bienen ſind aber nicht hinreichend, die Bedürfniſſe nach dieſen Stoffen zu befriedigen; vielmehr unternimmt der Menſch noch Reiſen nach entfernten Ländern und er ſcheut nicht die Gefahren der tropiſchen Gegenden, um neben ande⸗ ren Landesprodukten auch fette Körper aus dem Pflanzen⸗ und Thierreich herbeizuſchaffen; er fürchtet nicht die Schreck⸗ niſſe der nördlichen und ſüdlichen Polarmeere und holt ſich aus deren Tiefen die rieſenhaften Bewohner herauf, um aus ihnen den vielfach zu verwendenden Thran und das ſchöne Wallrath zu gewinnen. Nur an einzelnen Orten unſerer Erde finden ſich im Mineralreich Stoffe, die als Leuchtma⸗ terial verwendet werden können, wie z. B. in den Donau⸗ fürſtenthümern das Erdwachs zur Darſtellung von Kerzen

den Fang ihrer thranliefernden Bewohner unmöglich. Durch die Entdeckungen in der Chemie und deren prak⸗ tiſchen Verwerthung hat ſich der Menſch in der Befriedi⸗ gung ſeiner Exiſtenz⸗ und Genußmittel, überhaupt aller Lebensbedürfniſſe von derartigen Ereigniſſen immer mehr und mehr unabhängig zu machen geſucht. So weiß er ſich jetzt auch ſeine Leuchtmaterialien aus häufig vorkommenden mineraliſchen Körpern in hinreichender Menge und von aus⸗ gezeichneter Güte darzuſtellen. Seit vielen Jahren kennen wir die Beleuchtung durch Gas, welches meiſt aus den mine⸗ raliſchen Steinkohlen gewonnen wird und bei der Verbren⸗ nung ein glänzendes Licht entwickelt, wie es nicht beim Ver⸗ brennen von Oel, Talg, Wachs oder Wallrath am Docht erzeugt wird. Leider iſt aber die Anlage zur Gewinnung des Leuchtgaſes und ſeiner Leitung nach den Orten hin, wo es verwendet werden ſoll, ſo koſtſpielig, daß dieſelbe nur in größeren Städten zum Nutzen der Unternehmer und Con⸗ ſumenten ausführbar iſt. Ein Handelsartikel nach weiteren Entfernungen hin kann das Leuchtgas ſeiner Beſchaffenheit wegen nicht werden und iſt es auch gelungen, daſſelbe durch ſtarken Druck und Abkühlung in eine tropfbare Flüſſigkeit