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verarbeiten. Vielmehr muß er für das erhaltene Gold ſich erſt dasjenige, was er braucht, anderswo verſchaffen. Da⸗ bei geſchieht, im Grunde genommen, weiter Nichts, als daß, anſtatt einer einzigen einfachen Umwechslung zwei der⸗ gleichen vorgenommen werden, wodurch ſich das Geſchäft als Umwechslung in zwei Akten darſtellt, als aus zwei Faktoren zuſammengeſetzt, welche Kauf und Verkauf heißen. Jeder behält ſo das Bedürfniß und deſſen Befriedigung, den Genuß, für ſich, während er die Frucht ſeiner An⸗ ſtrengung, welche den letztern bedingt, auf einen andern überträgt. Der Tauſch, Leiſtung für Leiſtung, erhält alſo ſein Recht, indem Derjenige, der dem Andern etwas zu deſ⸗ ſen Bedarf gewährte, wieder Etwas zum Entgelt dafür be⸗ kommt, was, wenn es ihm auch den ſeinerſeits geſuchten Ge⸗ nuß nicht unmittelbar gewährt, ihn doch in den Stand ſetzt, denſelben ſich ſofort anderweit zu verſchaffen, ihn alſo mit⸗ telbar zum Ziele führt. So verkauft er alſo erſt ſeine Sache, ſeine Dienſtleiſtung für die Zwiſchenwaare, das Geld, um mit dieſem alsdann eine andre Sache oder Dienſt⸗ leiſtung, deren er benöthigt iſt, für ſich zu erkaufen, und indem er nach einander Verkäufer und Käufer geworden iſt, hat er weiter Nichts gethan, als getauſcht.
Um die ganze unermeßliche Wichtigkeit dieſer Ver⸗ mittelung des Tauſches in der Form des Kaufes für den menſchlichen Verkehr zu würdigen, mögen uns folgende ein⸗ fache Erwägungen dienen.
Erſtlich wird es allein auf ſolche Weiſe möglich, wie wir ſchon oben andeuteten, daß ſich nicht immer erſt Zwei ängſt⸗ lich aufſuchen müſſen, von denen gerade jeder das beſitzt, was der andere braucht, wenn ein Tauſch zu Stande kom⸗ men ſoll. Vielmehr fragt nunmehr Jeder bloß nach einem Abnehmer ſeines Produktes, ohne ſich darum zu kümmern, ob dieſer Abnehmer ihm gerade dasjenige dafür wieder geben kann, was er ſelbſt eben braucht, weil das Geld, welches er für ſeine Sache erhält, ihn in den Stand ſetzt, ſeinen Bedarf ſich jederzeit von jedem Dritten zu verſchaffen. Ohnedies mußte z. B. A, der ein Sopha veräußern wollte und Ge⸗ treide dafür brauchte, lange ſuchen, bis er Einen fand, der erſtens ein Sopha verlangte, und zweitens gerade das ge⸗ ſuchte Getreide beſaß, um daſſelbe dafür geben zu können. So aber ſchlägt er ſein Sopha an Jeden los, der es verlangt, und kauft ſich ſein Getreide bei jedem Andern, der ſolches beſitzt, von dem Gelde, welches ihm der Abnehmer des Sophas bezahlte. Der Verkäufer des Getreides, dem es ſeinerſeits ebenfalls durchaus nicht um das Metall an ſich zu thun iſt, ſondern vielleicht um einen Anzug, verwendet das erhaltene Geld ebenfalls weiter zur Beſchaffung ſeines Be⸗ darfs von einem Vierten, und ſo wandert daſſelbe als Ver⸗ mittler einer unabſehbaren Reihenfolge von Tauſchgeſchäften von Hand zu Hand, mit der Wirkung der Befriedigung der Bedürfniſſe aller Zwiſchenbeſitzer auf die für alle möglichſt leichteſte und bequemſte Weiſe.
Ferner wird nur durch eine ſolche geeignete Zwiſchen⸗ waare die Theilbarkeit der zu vertauſchenden Gegenſtände ermöglicht, ohne welche der Tauſch in den meiſten Fällen ſofort ſtocken würde. Denn in der Wirklichkeit ſtellt ſich der Fall faſt nie ſo, daß eine Leiſtung mit der Gegenleiſtung von völlig gleichem Werthe wäre, und ohne Weiteres mit ihr um⸗ gewechſelt werden könnte. B z. B., der einen fertigen Rock umſetzen will, bedarf nicht blos Brod, ſondern auch Fleiſch, Butter, ein Paar Stiefel und etwas Feuerungsmaterial, welche Gegenſtände in den von ihm gewünſchten Quantitäten alle zuſammen den Werth ſeines Rockes nicht überſteigen. Allein der Rock kann doch nicht zerſchnitten, und ſeine Stücke
an verſchiedene Perſonen überlaſſen werden, und doch ſind
die dafür begehrten Gegenſtände im Beſitze verſchiedener Perſonen. Hier iſt die direkte Umwechslung eben ſo un⸗ möglich, wie in dem oben angeführten Beiſpiele von dem Hauſe, und nur durch die vermittelnde Zwiſchenwaare iſt der Tauſch und die daran geknüpfte Befriedigung der Be⸗ dürfniſſe zu bewerkſtelligen, indem dieſe Zwiſchenwaare theilbar iſt, der Verkäufer des Rockes oder Hauſes alſo die erhaltene Summe theilen und ſo zur Befriedigung ſeiner ver⸗ ſchiedenen Bedürfniſſe einzeln verwenden kann.
Endlich wäre auch durch die bloße direkte Umwechslung Bedürfniſſen, die Jemand an einem ganz andern Orte und zu einer ganz andern Zeit braucht, und die er im Augenblicke noch nicht einmal ſpeciell anzugeben im Stande iſt, nie und nimmermehr abzuhelfen, während die Zwiſchenwaare beim Tauſch dies Alles leicht und auf ſtets zutreffende Weiſe er⸗ ledigt. Man nehme an: ein Arzt hat eine wiſſenſchaftliche Reiſe in fremde Länder vor, zu welcher er ſich durch ſeine ärztliche Praxis die Mittel verdienen muß. Er bedarf vor⸗ ausſichtlich während dieſer Reiſe Nahrung, Kleidung, Trans⸗ portmittel, Wohnung und Dienſte mancher Art. Unmöglich kann er dieſe Dinge für ſeine gegenwärtigen ärztlichen Dienſt⸗ leiſtungen einwechſeln und auf die Reiſe mitnehmen, und er müßte die Reiſe unterlaſſen, wäre nicht die Zwiſchenwaare, das Geld da, von dem er ſich die nöthige Summe an ſeinen ärztlichen Honoraren ſparen und dann gewiß ſein kann, daß er dafür, vielleicht erſt in Jahren, in ganz fernen Gegenden und von Menſchen, denen er ſelbſt nie einen Dienſt geleiſtet, alles Benöthigte ohne Schwierigkeit tauſchweis zu erhalten vermag. Ferner: ein Advokat in X.. läßt ſeinen Sohn in N. ſtudiren, und braucht für denſelben während dieſer Uni⸗ verſitätszeit Unterhalt und Unterricht. Wie wollte er es im Wege der einfachen Umwechslung anfangen, ſich dies für ſeine Dienſtleiſtungen von den Leuten in N. zu verſchaffen, von denen höchſt wahrſcheinlich Niemand ſeiner Dienſtleiſtun⸗ gen bedarf? So aber läßt er ſich von ſeinen Klienten in X. Geld zahlen, und iſt nun im Stande mit dieſem die ſeinem Sohne von den Profeſſoren, Speiſewirthen, Schnei⸗ dern, Hausbeſitzern ꝛc. ꝛc. in N. geleiſteten Dienſte zu be⸗ lohnen.
Aus alle Dem ergiebt ſich zur Genüge, welche wichtigen Dienſte das Geld der Menſchheit von jeher erwieſen hat, und noch leiſtet, indem es die Entwickelung des Tauſches bis in das Unendliche ermöglicht. Jeder ſtellt nun ſeine Dienſte, nicht mehr dieſer oder jener Perſon, deren Bedürfniſſe er, unter ängſtlicher Rückſicht auf das eigne, erſt mühſam er⸗ mitteln mußte, ſondern der Geſellſchaft gewiſſermaßen im Ganzen zu Gebot, ohne ſich darum zu kümmern, wer die dadurch bezweckte Befriedigung genießen wird, und ob gerade dieſer ihm den gewünſchten Gegendienſt zu leiſten im Stande iſt. Ebenſo erhält er als Entgelt nicht unmittelbare Genuß⸗ mittel, ſondern Geld, mit dem er ſich dieſelben anſchafft, wo und wann er will. Auf ſolche Weiſe erhebt ſich der Umſatz, der Verkehr über den Kreis perſönlicher Beziehungen, über Zeit und Raum. Meiſtentheils weiß Niemand, durch weſſen Anſtrengungen ſeine Bedürfniſſe befriedigt werden, und weſſen Bedürfniſſen ſeine eignen Anſtrengungen zu gut kommen, da der Tauſch durch die Dazwiſchenkunft des Geldes in unzäh⸗ lige Umwechslungen ſich auflöſt, bei denen die Betheiligten die unmittelbare Berührung mit einander verlieren.
In dem Motive alles Tauſches:„die Anſtrengung im Verhältniß zur Befriedigung zu vermindern,“ liegen zugleich ſeine Grenzen. Zwiſchen unſern Bedürfniſſen und deren Befriedigung liegen Hinderniſſe, welche wir durch Arbeits⸗


