Jahrgang 
1857
Seite
624
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dieſelbe in der Gewährung einer beſtimmten Sache oder in der Verrichtung eines beſtimmten Dienſtes beſtehen, zu be⸗ greifen, ſobald dadurch nur irgend ein menſchliches Be⸗ dürfniß befriedigt wird. Der Arzt und Sachwalter, von denen der Erſtere den Letztern in einer Krankheit behandelt, der Letztere einen Prozeß für den Erſteren führt, ſtehen eben ſo gut in einem Tauſchverhältniß mit einander, wie der Schneider, der dem Bauer für einen Sack Roggen ein Paar Hoſen verabfolgt. Und eben ſo gut, wie Dienſte gegen Dienſte, und Sachen gegen Sachen, mag ein Dienſt gegen eine Sache ausgewechſelt werden, ohne daß das Weſen des Geſchäfts dadurch ein anderes würde.

Faſſen wir zunächſt die Umwechslung als die primi⸗ tive und einfachſte Form des Tauſches in's Auge. Von zwei Perſonen empfindet jede ein Bedürfniß und beſitzt jede den Gegenſtand oder die Fähigkeit, eine Thätigkeit zu übernehmen, wodurch das Bedürfniß der andern befriedigt wird. Der Gärtner A beſitzt Obſt und Gemüſe, und be⸗ darf Brod, welches der Bäcker B hat, der ſeinerſeits wieder Obſt und Gemüſe wünſcht. Oder der Kaufmann GC ſucht Unterricht für ſeinen Sohn, und der Lehrer D braucht Zucker und Kaffee, mit denen C handelt. Der Doktor E endlich braucht Jemand, der in ſeinem Garten gräbt und pflanzt, und der Tagarbeiter, der dies verſteht, muß einen Arzt für ſeine kranke Frau haben. Alle dieſe Perſonen wechſeln nun den Beſitz der genannten Sachen gegenſeitig aus, oder leiſten ſich gegenſeitig die gewünſchten Dienſte, und die Sache iſt abgemacht. Jeder Theil hat ein Bedürfniß durch die Sache oder den Dienſt eines Andern befriedigt und dieſem Andern dafür wiederum ſeine eigene Sache oder Thätigkeit zur Verfügung geſtellt, welche dazu taugten, deſſen Bedürf⸗ niſſe genug zu thun, womit ſich das beiderſeitige Verhältniß tauſchweiſe mittelſt einfacher Umwechslung ausglich. Da⸗ bei ſteht Nichts im Wege, daß man ſich die Umwechslung nicht auch unter mehr, als zwei Perſonen denken könnte, in einer Art von Kreislauf. Z. B. der Advokat A führt für den Schneider B einen Prozeß, dieſer liefert dem Kaufmann C einen Anzug, und der Letztere, auf B's Anweiſung, dem Advokat A einen Centner Zucker. So ſind die gegenſeitigen Leiſtungen ebenfalls ſämmtlich ausgeglichen und der Aus⸗ tauſch vollzogen, ohne daß das Weſen der Umwechslung durch die Zahl der Betheiligten, die mehreren Glieder in der Kette geändert würde. Jeder von ihnen hat ein Bedürf⸗ niß gefühlt und eine Anſtrengung für einen Andern un⸗ ternommen, die Befriedigung des eignen Bedarfs aber unmittelbar durch die Leiſtung eines Dritten erhalten, ſo daß bei ſämmtlichen Betheiligten die wechſelſeitige Uebertragung der Früchte der eignen Anſtrengung auf einander mit allen bion wohlthätigen Folgen für den Einzelnen Platz gegrif⸗ fen hat.

Trotz alledem ſind aber der Umwechslung ihrer Natur nach ziemlich enge Grenzen gezogen, die zu überſchreiten ſie unvermögend iſt, ſowohl hinſichtlich der Gegenſtände des Tauſches, wie der beim Tauſch betheiligten Perſonen. Wie will z. B. ein Baumeiſter ein Haus, die Frucht ſeiner Thätigkeit innerhalb eines Jahres, gegen die tauſenderlei Dinge umwechſeln, die er während dieſer Zeit braucht? Er muß Kleidung, Möbeln, Fleiſch, Brod, Bücher, Feuerung, Licht ꝛc. ꝛc. haben, Alles von verſchiedenen Perſonen, und zu den verſchiedenſten Zeiten und kann doch nicht das Ge⸗ bäude in tauſend Stücke zerlegen, und das eine davon heut,

das andere morgen jedesmal für eins jener Bedürfniſſe um⸗

wechſeln. Wie ſoll ein Arzt, ein Advokat es einrichten, daß

Sache bedarf, gerade einen Dienſt mit ſeiner Wiſſenſchaft leiſtet? Ebenſo geht die Umwechslung niemals über den Kreis der perſönlichen Bekanntſchaft hinaus. Man muß von einander wiſſen, die gegenſeitigen Bedürfniſſe kennen, in perſönliche Beziehungen zu einander treten, wenn ſie zu Stande kommen ſoll. Kurz, die Menſchheit würde ſehr bald am Ende des Tauſches, der Arbeitstheilung mit ihren unermeßlichen Segnungen, das heißt am Ende des Fort⸗ ſchrittes ſtehn, wenn man nicht Mittel gefunden hätte, den Tauſch zu erleichtern und von den Beſchränkungen jener urſprünglichen Form zu befreien. Um dies zu bewerkſtelligen, haben die Menſchen ſeit unvordenklichen Zeiten ſich bemüht, eine Zwiſchenwaare einzuführen, welche zwiſchen das Be⸗ dürfniß und deſſen Befriedigung tritt, mit der Aufgabe: den in ſeiner Unmittelbarkeit auf den engen Kreis beſtimmter Perſönlichkeiten beſchränkten Vorgang dergeſtalt zu verallge⸗ meinern, daß Jeder nicht bloß mit dem, der ſein ſpecielles Bedürfniß zu befriedigen im Stande iſt, ſondern Alle mit Allen tauſchen können. Anſtatt daß ich nämlich für meine Sache oder Leiſtung von dem, welcher dieſelbe entgegen⸗ nimmt, unmittelbar meinen Bedarf erhalte, nehme ich die fragliche Zwiſchenwaare, für welche ich dann, je nach Luſt und Gelegenheit, das mir Wünſchenswerthe von jedem beliebigen Dritten jederzeit eintauſchen kann. Als ſolche Z wiſchenwaare dienten in den älteſten Zeiten beſonders Hausthiere, und bekanntlich rührt der römiſche Name des Geldes(pecunia) davon her, wie ſich denn auch in den ho⸗ meriſchen Geſängen Schätzungen von Sachen nach einer Anzahl von Stieren, als Rechnungseinheit, ausgedrückt finden, ſo in der bekannten Stelle, wo die Helden Diomedes und Glaukos in der Schlacht ihre Rüſtungen tauſchen Hundert Stiere die eine an Werth, neun Stiere die andre. Selbſtverſtändlich wird eine ſolche Zwiſchenwaare ihre Beſtimmung um ſo beſſer erfüllen, je ſicherer und bequemer der Empfänger dafür ſein eigenes Bedürfniß in den verſchie⸗ denſten Artikeln dafür einzutauſchen vermag. Sie muß da⸗ her zunächſt der Art ſein, daß ſie ſelbſt ein dauerndes, Allen gemeinſames Bedürfniß befriedigt, daß ſie möglichſt allge⸗ mein begehrt wird. Ferner muß ſie leicht transportabel und aufzubewahren, dem Verderben und Werthsſchwankungen ſo wenig als möglich ausgeſetzt, ſowie leicht abzuſchätzen, leicht wäg⸗ und theilbar ſein, ſoll ſie allen an ſie zu machenden Anforderungen entſprechen. Da nun die Geſammtheit dieſer Bedingungen unter allen bekannten Gegenſtänden zumeiſt bei edlen Metallen zutrifft, ſo hat deren Geltung als Zwi⸗ ſchenwaare ſeit langer Zeit allmälig die übrigen ſonſt gül⸗ tigen verdrängt. Unter Hinzutritt der öffentlichen Garantie, welche durch das Münzgeprägedie einzelnen Metallſtücke mit

dem Stempel eines feſten Gehalts in Quantität und Qualität (Schrot und Korn) verſieht und ſo ihre Abſchätzung fixirt, iſt daher gegenwärtig das Geld überall zu dieſer wichtigen Rolle im Verkehr erhoben, und die Macht geworden, welche in allen civiliſirten Gemeinweſen den Tauſch vermittelt. Und ſo iſt die Umwechslung überall in unſerm Verkehr in die compli⸗ cirtere Form des Tauſches, in den Kauf übergegangen, die zwar den wirthſchaftlichen Charakter der erſtern nicht ändert, ſich jedoch inſofern von ihr unterſcheidet, als der Zweck des ganzen Vorgangs, die Befriedigung der Bedürf⸗ niſſe der tauſchenden Parteien, nun nicht mehr unmittelbar dadurch erreicht wird. Indem mindeſtens der eine Theil, der Verkäufer, die Zwiſchenwaare, das Geld erhält, wird deſſen Stoff, das edle Metall, nur in den allerſeltenſten Fällen ſein Bedürfniß befriedigen, wie etwa beim Gold⸗

er Jedem, von welchem er für den Augenblick irgend eine ſchmied, wenn er einen Dukaten einſchmelzt, um das Gold zu

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