Zuerſt als ſein Motiv, als den Quell ſeines Urſprungs, das Eigenintereſſe.„Leiſtung für Leiſtung“„Nichts ohne Entgelt“ ſo lautete die Formel, in welcher alle ma⸗ teriellen Intereſſen und Strebungen der Einzelnen ihren Einigungspunkt, ihre Ausgleichung fanden, ſich zum harmo⸗ niſchen Ganzen ineinander ſchlangen. Daher iſt der Tauſch das verkörperte, in und durch ſich ſelbſt begrenzte Eigenintereſſe, der Haushalt der Geſellſchaft ſelbſt im Extrakt, der Kern, um den ſich aller menſchliche Verkehr dreht, und alle Dienſtleiſtun⸗ gen, alle Uebertragungen von Sachgütern, welche nicht auf ihn ihrem letzten Grunde nach zurückbezogen werden können, wie das Almoſen, die Schenkung, gehen die Volks⸗ wirthſchaft nichts an, ſondern gehören, als den ſympathi⸗ ſchen Regungen unſerer Na⸗ tur entſprungen, rückſichtlich ihrer Erklärung und Würdi⸗ gung in das ſittliche Gebiet.
Was ſodann die Mög⸗ lichkeit des Tauſches an⸗ langt, ſoberuhtdieſelbe auf der Uebertragbarkeit der Früchte menſchlicher Arbeit und der dadurch hervorgerufenen Ar⸗ eV beitstheilung.— Könnte H nicht der Eine die Früchte ſei⸗ W ner Arbeit dem Andern über⸗ laſſen, und dieſer mit ſol⸗ chen fremden Produkten und Dienſtleiſtungen ſeine Be⸗ dürfniſſe befriedigen, ſo wä⸗ ren Arbeitstheilung und Tauſch zwecklos und unmög⸗ lich. Und daß nur mittelſt ihres Eintretens der Satz: „daß die Kräfte der Menſchen größer ſind, als ihre Bedürfniſſe,“ zur Wahrheit wird und ſo⸗ mit überhaupt erſt die Vor⸗ bedingung der aufſteigenden Kultur in der Menſchheit ge⸗ geben iſt, haben wir ſchon früher gezeigt.
Endlich das Element des Tauſches, das Me⸗ dium, in welchem er ſich allein entwickeln kann, ſoll er ſeinen Zweck nicht verfehlen, die Freiheit. Was bei der großen Rolle, welche wir dem Eigenintereſſe im Haushalt der Geſellſchaft bei— meſſen mußten, galt, daß demſelben, wenn es ſeine wohl⸗ thätige Wirkſamkeit entwickeln ſolle, volle Freiheit gegeben ſein müſſe, daß keine ſtörenden Eingriffe von Außen ſeine Beziehungen kreuzen dürfen: daſſelbe müſſen wir natür⸗ lich auch für den Tauſch fordern, da ſich ja ſonſt das In⸗ tereſſe in ihm nicht bethätigen könnte. Jede der tauſchenden Parteien ſucht lediglich ihren Vortheil dabei. Sie ſtellt
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Indiſcher Gebirgsbewohner als Freiwiliger in der indobritiſchen Armee.
zu dieſem Zwecke eine Berechnung mit ſich an, in Folge deren ſie den Tauſch nur dann eingeht, wenn er ihrem In tereſſe gemäß iſt, das heißt, wenn er zur Befriedigung ihres Bedürfniſſes mittelſt geringerer Anſtrengung und Koſten führt, als erforderlich ſind, das Bedürfniß durch eigene Thätigkeit zu befriedigen. Und in welchem ungeheuren Maßſtabe dieſe Bedingung alles Tauſches im Ganzen zutrifft, haben wir bei Erörterung der Arbeitstheilung nachgewieſen, welche den Haupthebel in dem gan⸗ zen Mechanismus bildet, und kraft deren ſich die Anſtren⸗ gungen der Geſammthheit fort⸗ während vermindern, wäh rend doch das allgemeine Arbeitsprodukt unausgeſetzt ſteigt. Dies Alles drängt aber mit Nothwendigkeit dahin, daß der ganze Akt nur auf voll⸗ kommen freier Uebereinkunft der Betheiligten beruhen kann. Darüber, was ich bedarf, und was ich an Befriedigung mei⸗ nes Bedürfniſſes ſetzen will, iſt ein Dritter zu entſcheiden weder befugt, noch im Stande, weil dies ganz ausſchließlich meinem eigenſten, innerſten Begehrungs⸗ und Empfin⸗ dungskreiſe angehört. Mit wem man daher tauſchen oder nicht tauſchen, was man als Gegenleiſtung gebenodernicht geben ſoll, darein hat ſich kein Dritter zu miſchen. Nie⸗ mand ſteht das Recht zu, mich zum Tauſche mit Dem oder Jenem zu zwingen, oder vom Tauſche mit Dem oder Jenem abzuhalten, ebenſowenig mich zu nöthigen, mehr oder weni⸗ ger als Gegenleiſtung zu ge⸗ ben, als mir angemeſſen ſcheint. Denn mit jedem ſol⸗ chen Eingriffe wird Motiv und Zweck des Tauſches alte⸗ rirt, ſein Reſultat zu einem meinen Intereſſen widerſtrei⸗ tenden, anſtatt entſprechenden, und das ganze Geſchäft der Sphäre entrückt, innerhalb deren es allein ſeiner Beſtim⸗ mung gemäß wirken kann. Seine Form anlangend, tritt uns der Tauſch in zwei Geſtalten entgegen, in ſei⸗ ner urſprünglichen, als Um⸗ wechslung, in ſeiner durch einen Zwiſchenakt vermittelten, als Kauf, ohne daß er jedoch dadurch den Charakter ver⸗ änderte, welcher in beiden Fällen in der gegenſeitigen Ueber⸗ tragung eigener Arbeit zur Befriedigung fremden Bedürf⸗ niſſes beſteht. Nur beſchränke man ſeinen Begriff nicht etwa auf eine bloße Uebertragung von Sachgütern, wie dies meiſt in der Sprache des gemeinen Lebens geſchieht. Vielmehr iſt darunter jede wechſelſeitige Leiſtung, mag


