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war ſie ſchon ſo gut als verlobt. Aber es war dies weder die einzige Liebe noch auch die einzige Charlotte, die in ſei⸗ nem Leben eine Rolle ſpielt. In Mannheim, wohin er von Bauerbach aus ſich nochmals wandte, und wo er eine Zeit lang am Theater beſchäftigt war, lernte er Charlotte von Kalb kennen, zwar eine verheirathete Frau, die er ſpäter wieder in Weimar traf, aber ſehr enthuſiaſtiſch für Dichter und daher zuerſt mit Schiller, ſpäter mit Jean Paul in ſehr enger Verbindung, obgleich ſie ſpäter die veröffentlichten Nachrichten über dieſe Verhältniſſe abläugnete. Von Schiller
Württemberg 1793. In Dresden, wohin Schiller von Leipzig aus mit ſeinem neu gewonnenen, treueſten und beſten Freunde Körner gereiſt war, verliebte er ſich auf einer Re⸗ doute in ein Fräulein von Arnim, und es entſpann ſich ein, wenigſtens von ſeiner Seite, ſehr ernſthaftes Verhältniß. Nicht ebenſo ernſthaft war es freilich von Seiten des Mäd⸗ chens und ſeiner Mutter, welche Schiller nur für den Fall hinhalten wollte, daß eine glänzendere Verbindung ſich für das Töchterchen nicht würde ſchließen laſſen. Unſer Dichter wurde hier ziemlich regelrecht gefoppt und ging jedenfalls mit
1 V 1 — Schillers Geburtshaus in KMarbach 3 Körners Weinberg bei Dresden. ecexiſtiren Briefe, deren Inhalt deutlich zeigt, daß er ſich von einiger Bereicherung an Menſchenkenntniß aus dieſem Ver⸗ ihrem zwar geiſtvollen, aber zu enthuſiaſtiſchen und zudring⸗ hältniß hervor, obwohl er dem Mädchen, das weniger ſchuldig b lichen und vielleicht nicht ganz wahren Weſen abgeſtoßen als ſchwach und der Mutter gehorſam geweſen zu ſein ſcheint, 4 zurückzog. Margarethe Schwan, die Tochter des Mann⸗ ein freundliches Andenken bewahrte. Bei ſeiner Ueber⸗ heimer Buchhändlers, war eine andere Flamme des raſch ſiedelung nach Weimar 1787 wurde das Verhältniß mit auflodernden jungen Schiller. Sie war ein Mädchen von Charlotte von Kalb erneuert, oder vielmehr es war ohne lebhaftem und gebildetem Geiſte und Schiller ſcheint mit ihr Zweifel das Motiv der Ueberſiedelung. Gewiß iſt, daß ſelbſt ziemlich einig geweſen zu ſein. Als er von Mannheim V dieſes Verhältniß zu einer geſellſchaftlich höher geſtellten 1785 nach Leipzig ging, wurde ein Briefwechſel verabredet Dame inſofern günſtig auf Schiller wirkte, als es ihm eine
und wirklich begonnen. Von Leipzig aus hielt dann Schiller Sicherheit des Benehmens gab, die er von Haus aus nicht
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Schillers Aſyl in Bauerbach. Schillers Garten in Jena. V bei ihrem Vater um ihre Hand an. Hr. Schwan ſagte ſei⸗ V beſaß und die er in Weimar den fürſtlichen und literariſchen ner Tochter kein Wort davon und lehnte den Antrag ab: Größen gegenüber ſehr gut brauchen konnte. Schiller zog V aallerdings konnte Schiller einem Mädchen damals keine ſich indeſſen von Frau v. Kalb zurück; er erklärte, daß ihr Eriſtenz bieten. Schiller brach nun den Briefwechſel ab, Einfluß auf ihn kein wohlthätiger, daß ſie nie wahr gegen was dem Mädchen, das die Urſache nicht kannte, vielen ihn geweſen, daß ſie ihn mit Liſt hätte umgarnen wollen. Kummer gemacht zu haben ſcheint. Später ſtellte ſich ein Wie viel Antheil an dieſen Aeußerungen ein inzwiſchen ge⸗ 4 freundſchaftlicher Verkehr wieder her, und Schiller wie ſeine knüpftes Verhältniß mit ſeiner ſpätern Gattin, Charlotte—
Gattin ſahen Margarethe Schwan auf ihrer Reiſe nach von Lengefeld hatte, läßt ſich nicht genau beſtimmen. Gewiß


