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Friedrich Schiller.— Ein Beſuch in Schillers Geburtsort von J. G.— Schiller und Herzog Carl von Württemberg. nen in Sachſen.— Schiller und Körner.— Schiller und Goethe.
Schiller und Lotte.—
Zur Geſchichte des Schillerhauſes in Weimar von Julius Eberwein.—
Schiller und Carl Auguſt von Sachſen⸗Weimar.— Schillers Freundin⸗
Friedrich Schiller.
Geboren den 10. November 1759.
Wir haben dieſe Nummer des„Feierabend“ dem An denken Friedrich Schillers geweiht, deſſen Geburts feſt in dieſe Tage fällt. Die Gegenwart in Deutſchland iſt von einer ſolchen Art, daß ſie faſt nach keiner Seite hin Befriedigung gewährt; die öffentlichen Zuſtände, wie die der Literatur, der Poeſie, der Kunſt bieten faſt durch weg das Bild eines troſtloſen Verfalls. Unwillkürlich wendet ſich daher der geiſtige Blick, ſoweit von einem ſolchen in dem rein materialiſtiſchen Streben unſerer Zeit überhaupt noch die Rede ſein kann, der Vergangenheit zu und ſucht die großen Perſönlichkeiten auf, die wir glück licherweiſe unſer zu nennen berechtigt ſind, ſei es um dar⸗ aus Troſt in der unerfreulichen Gegenwart, oder um Hoffnung für eine Zukunft zu ſchöpfen, welche dunkel und tiefverſchleiert vor uns liegt. Deshalb iſt es nicht zu ver wundern, wenn unſere Zeit ſo überaus reich an Erinne rungsfeiern iſt, wenn ganz Deutſchland ſich mit Denk mälern bedeckt, die das Andenken irgend eines bedeutenden Mannes, der auch ſeiner Zeit Werth und Bedeutung zu geben vermochte, zu verewigen beſtimmt ſind. Wohl ge winnt Deutſchland durch dieſe nur allzuhäufige Aufrich tung von Denkſteinen für die Todten faſt das Anſehen eines Kirchhofs und Kirchhof⸗Ruhe, Kirchhof Oede, ledig lich unterbrochen durch das einförmige Klappern der
Maſchinen und das ſtereotype Pfeifen der Lokomotiven, liegt auch über dem Lande ausgebreitet. Wohl iſt es auch nicht immer das Bedürfniß, ſich an den Vertretern einer größeren Vergangenheit aufzurichten und aus ihnen Kraft zu ſchöpfen für die Nacheiferung, woraus jene Denkmäler und Erinnerungsfeſtlichkeiten hervorgehen, ſondern nicht ſelten lächerliche Epigoneneitelkeit oder das Beſtreben, ſich durch eine Gabe, durch ein äußerliches Zeichen des Andenkens, bei dem in Wahrheit nichts oder nichts Würdiges gedacht wird, mit den Mahnungen abzu⸗ finden, welche eine größere Vergangenheit an das entar⸗ tete Geſchlecht der Gegenwart richtet. Aber im Ganzen iſt dieſe fromme Verehrung der Größen einer vergange⸗ nen Zeit doch immer ein Zeugniß eines von der Gegen⸗ wart nicht befriedigten geiſtigen, idealen Zuges der Zeit, und inſofern gewiß auch eine Bürgſchaft für die Zukunft: denn ein ganz verlorenes und zukunftsloſes Geſchlecht hat auch keine Pietät mehr für die Größen ſeiner Ver⸗ gangenheit, und ſo lange man in Deutſchland noch einen Sinn hat für die gewaltigen Perſönlichkeiten einer beſſe⸗ ren Zeit, wie er ſich in unſern heutigen Erinnerungs⸗ feſten bethätigt, kann man ſich auch den Mahnungen, welche ganz naturnothwendig von ihnen ausgehen, nicht entziehen, iſt ſomit auch die Hoffnung auf unſere Erman⸗


