Jahrgang 
1857
Seite
587
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V Skizzenblatt von Eliſe Polko.

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Ju Volk

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Durch alle Buchhandlungen und Poſtämter für 12 ½ Ngr. vierteljährlich zu beziehen.

Inbalt: Des Malers Töchterlein. Skizzenblatt von Eliſe P olko.(Schluß.) Johann Chriſtian Friedrich Gutsmuths. Von Moritz Kloß. Volkswirthſchaftliche Skizzen. Von Sch ulze⸗Delitzſch. VII.(Schluß). Die zukünftige indobritiſche Armee. Aus der Krankenſtube. V. Die Pocken. General Cavaignac. Aus dem Weltleben. Was beliebt: Bernhard Perthes. Die politiſche Lage. Von einem verlornen Poſten.

Des Malers Tüchterlein.

(Schluß.)

Zwei volle Jahre vergingen, der reiche Handelsherr Brautkrönlein zu erwerben! Wie oft gedachte Frau Ger⸗ Chriſtian Mayr von Augsburg kehrte zurück und man traud ihres einſtmaligen frevelhaften Wunſches mit tiefſter hörte bald darauf viel reden von großen Geſchäften, die er Reue. Der alte Maler ließ ſich das Gebrechen ſeines unternommen, und gewaltigen Handelsverbindungen, ſo Kindes dagegen wenig kümmern, und den Mangel an er angeknüpft mit verſchiedenen reichen Mynheers. Sein Freiern.So behalten wir ſie, und das iſt ein Gottes⸗ einziger Sohn kam aber nicht wieder, die Leute erzählten ſegen! ſagte er auf alle Klagen ſeiner Ehefrau und ſſiich, ſein Vater habe ein ungeheures Schiff gekauft und malte heiter ſeine ſteifen Heiligen und lachenden Engels⸗ ausgerüſtet, das ſolle in fernen fremden Ländern theures köpfe weiter. 1 Elfenbein holen, und ſeltene Steine und allerlei andere Da, eines Tages, ſechs Jahre nach dem Scheiden coſtbare Dinge, und da ſei Georg mit hinausgeſegelt. Georg's, juſt an Eliſabeth's achtzehntem Namenstage, Auch in's ſtille Malerhaus drang dieſe Kunde, Eliſabeth ſaß die holdſelige Jungfrau einſam in dem Malerſtübchen purde todtenblaß, als man ſie ihr erzählte, und die Roſen ihres Vaters. Sie war eben aus der Meſſe zurückge⸗ aauf ihren Wangen kränkelten ſeitdem. Sie arbeitete aber kehrt, das Meßbuch lag noch auf ihren Knien, den Roſen⸗ eifriger als je zuvor, that ſogar bei ihrem Vater allerlei kranz hielt ſie wie im Traume zwiſchen den ſchlanken Handlangerdienſte, und half der Mutter getreulich in Fingern. Ob ſie wohl betete? Recht verklärt ſchaute jedem Geſchäft. Selten ſah man ſie dagegen vor den ſie wohl darein, aber es war doch mehr irdiſche Freude Thoren luſtwandeln, oder an der Thüre ſtehn, auch auf in ihren Augen als Andacht, und ein roſiger Schein, wie der Bank unter der Ulme ſaß ſie nur in den Abendſtunden, von einem recht glückſeligen Gedanken, flog eben über ihre wenn Niemand mehr dort vorüber ging; wer alſo das V Wangen. Etwas Gutes und Liebes war's gewiß, was

wunderfeine Mädchengeſicht ſo recht mit Muße zu be⸗ juſt durch ihre Seele flog, und das iſt dann vor dem trachten begehrte, der mußte fein die Meſſe hören. lieben Gott ſo gut wie ein Gebet. Indem klopfte ein Mit dem Anſchauen allein war's aber auch gethan, Freier Jemand an die Thür, aber recht ungeduldig, als ob er's kamen nicht in's Haus um das ſtumme Kind zu werben. nicht erwarten könnte, und die Thür ſprang auch gleich Bitter waren die Thränen, ſo die Mutter über ſolches darauf weit auf. Verwundert erhob ſich das Mägdelein Verſchmähen im Stillen weinte. Wozu nützte nun des und der an den ſie eben ſo recht herzinnig gedacht, ſteht

Mägdleins Schönheit, wenn ſie nicht dazu diente ihr ein leibhaftig vor ihr als ſchlanker bildſchöner Jüngling.