Jahrgang 
1857
Seite
585
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und arzt gen gen ich ng⸗ lte. la⸗ ihn

Wus heliebt.

Dem neuſten Hefte der ſo verdienſtvollen Petermann'ſchen

Mittheilungen aus Juſtus Perthes' geographiſcher Anſtalt

entnehmen wir nachſtehenden höchſt intereſſanten Notizen über die

Erfolge der chriſtlichen Miſſionen in Hindoſtan, welche klar dar⸗

thun, wie völlig vergeblich bis jetzt die Anſtrengungen und Opfer

der katholiſchen wie der proteſtantiſchen Propaganda in dieſem

Lande waren.Die Katholiken, heißt es, waren früher in In⸗ dien zahlreich, aber nach dem Geſtändniß ihrer eigenen Miſſionäre hat ihre Zahl während des letzten Jahrhunderts bedeutend ab⸗

genommen. Wie geringen Erfolg ihre Bemühungen für die Be⸗

kehrung der Hindu's hatten, geht am deutlichſten aus einer Aeußerung des Abbé Dubois hervor, der 32 Jahre lang als Miſſionär in Meiſor lebte.Mit dem Beiſtand eines eingebornen Miſſionärs, ſagt er,habe ich Alles in Allem 2 300 zum Chriſtenthum bekehrt; davon waren zwei Drittel Pariah's oder Bettler und die übrigen Vagabunden und der Auswurf verſchie⸗ dener Stämme, die, ohne Hilfsmittel, nur deshalb Chriſten wurden um neue Verbindungen anzuknüpfen, eine Heirath ein⸗

zugehen oder aus ähnlichen ſelbſtſüchtigen Gründen. Mit

Scham muß ich erklären, daß ich mich keines Falles erinnere, wo ein Eingeborner aus Ueberzeugung oder ganz uneigennützigen Gründen das Chriſtenthum angenommen hätte. Viele der Be⸗ kehrten widerriefen und fielen zum Heidenthum zurück, nachdem ſie eingeſehen, daß die chriſtliche Religion ihnen nicht die welt⸗ lichen Vortheile gewähre, die ſie davon erwartet hatten und die, welche Chriſten blieben, ſind die Verworfenſten unter meiner Heerde. Nicht viel beſſer ſind die Reſultate, welche die prote⸗ ſtantiſchen Miſſionäre erzielt haben. Der Erſte, der Indien zum Feld ſeiner Thätigkeit wählte, war der Deutſche Bartholomäus Ziegenbalg. Er begab ſich, vom König von Dänemerk unter⸗ ſtützt, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts nach Tranquebar und erfreute ſich ſpäter beſonders des Schutzes Georgs I. von England und der engliſchen Biſchöfe. Ihm folgten andere lutheriſche Miſſionäre, unter denen vor Allem der ehrwürdige Schwarz erwähnt werden muß. Dieſer außerordentliche Mann erwarb ſich die Achtung Aller, die mik ihm in Berührung kamen, der Hindus wie der Mohammedaner und Chriſten und bei dem großen Vertrauen, das er von Seiten mehrer einheimiſcher Fürſten genoß, trug er weſentlich zur Verbreitung des Chriſten⸗ thums im ſüdlichen Indien bei. Hier, in den Diſtrikten ſüdlich von Madras, in Tinevelly, Travancore und Cochin haben die proteſtantiſchen Miſſionäre auch bis auf den heutigen Tag den meiſten Erfolg gehabt, namentlich bilden in Travancore die Chriſten einen verhältnißmäßig größeren Theil der Bevölkerung, als ſonſt irgendwo in Indien, mit alleiniger Ausnahme von Goa, wo zwei Drittheile aller Einwohner römiſche Katholiken ſind. Aber ſelbſt hier iſt die Zahl der Bekehrten nicht groß, wenn auch in Tinevelly, wo ſchon 1785 eine kleine chriſtliche Gemeinde zu Palamcotta beſtand, etwa 60,000 Eingeborne das Chriſten⸗ thum angenommen haben. Viel geringer noch iſt die Zahl der Bekehrten in den nördlicheren Provinzen, ſo daß die Geſammt⸗ zahl der Bekehrten in Indien etwa 112,000 beträgt, ein faſt ent⸗ muthigendes Reſultat, wenn man bedenkt, daß über alle Theile Indiens eine Menge Miſſions⸗Stationen verbreitet ſind, daß die verſchiedenen europäiſchen und amerikaniſchen Geſellſchaften ſeit einem Jahrhundert keine Mühe und keine Koſten ſcheuen um ihre Zwecke zu verfolgen und daß gegenwärtig über 400 Miſ⸗ ſionäre in Indien beſchäftigt ſind. Der Grund davon liegt hauptſächlich darin, daß die ſtarren Religionsſatzungen der Hin⸗ dus, an denen ſie mehre tauſend Jahre unverändert feſtgehalten

haben, in alle Verhältniſſe des Lebens eingreifen und mit ihrem ganzen Weſen aufs Innigſte verſchmolzen ſind. Aber es iſt auch nicht zu läugnen, daß die chriſtlichen Miſſionäre in ihrem Eifer bisweilen zu weit gegangen ſind und ſo, anſtatt Achtung vor dem Chriſtenthum zu verbreiten, vielfach Anſtoß erregt haben. Capitain Weſtmacott von der Bengalarmee berichtet hierüber Folgendes: Auf dem Markte zu Hurdwar ſah ich 1831 eine An⸗ zahl Traktätchen und Bibelüberſetzungen in den Läden der Pa⸗ ſtetenbäcker und überraſcht durch einen ſo ungewöhnlichen Anblick hielt ich an um nach der Urſache zu forſchen. Ich fand, daß die Hindus einem chriſtlichen Miſſionär erlaubt hatten ſich in einem Gebäude zu etabliren, in welchem ſich die Pilger zum Bade im Ganges verſammeln und während er gegen die Thorheit und Abſcheulichkeit des Badens als eines Mittels zur Reinigung von der Sünde predigte, vertheilte er Traktätchen an Alle, welche von dem Fluß zurückkamen. Die Nachfrage war ſo groß, daß er ſie kaum befriedigen konnte. Ich blieb einige Zeit den Vor⸗ gang mit anzuſehen und ſah, wie die Leute die Pamphlete ſchleu⸗ nigſt hinwegtrugen um ihr Zuckerwerk hineinzuwickeln. Sie ſprachen mit großer Heiterkeit von den Anſtrengungen des ehr⸗

würdigen Herrn, ſagten, er habe eine ganze Wagenladung Trak⸗

tätchen und jeder Paſtetenbäckerladen ſei aufs Beſte damit ver⸗ ſehen. Viele erfahrne Civil⸗ und Militärbeamte in indiſchen Dienſten haben vor dem Parlament ihre beſtimmte Ueberzeugung ausgeſprochen, daß unter den Eingebornen in Indien keine wirk⸗ lichen Bekehrungen zum Chriſtenthum erzielt worden ſeien. Im Januar 1838 nahm eine Anzahl eingeborner Chriſten zu Mund⸗ ſchurah in der unmittelbaren Nähe von Calkutta ihre frühere Hindu⸗Religion wieder an und ſie erklärten öffentlich, daß ſie das Chriſtenthum abgeſchworen hätten. Damit nicht zufrieden be⸗ mächtigten ſie ſich gewaltſam der Kapelle, in der ſie früher ihre Andacht verrichtet hatten, brachten ein Bild des Kartic dahin und verehrten es in ihrer alten Hinduweiſe. Dieß muß Jeden, der mit den Lehren der Brahminen bekannt iſt, überzeugen, daß die Bekehrten nie aufrichtig ihre Religion verließen. Neun Zehntel von denen, die ſich Chriſten nennen, ſind notoriſch der Völlerei und allen Laſtern ergeben, oder ſie ſind Ausgeſtoßene, die überhaupt keine Religion hatten und mit Freude einen neuen Glauben annahmen, der ihnen pekuniäre Vortheile verſpricht. Auch muß man bedenken, daß ſie durch das Aufgeben ihres Glaubens von dem Umgang mit ihren Familien und Verwandten ausgeſchloſſen werden, ohne in dem Zugang zur Geſellſchaft der Europäer Entſchädigung zu finden. Da die zum Chriſtenthum Bekehrten meiſtens Trunkenbolde werden und alle Laſter aber keine Tugenden der Europäer annehmen, ſinkt ihr Charakter ſo tief, daß dieß allein einen anſtändigen Eingebornen, der über⸗ haupt einen Charakter zu verlieren hat, abſchrecken würde ſich einer ſo nichtswürdigen Klaſſe beizugeſellen. Europäer und Aſiaten ſcheuen ſie, und man kennt kaum einen Fall, wo die erſteren einen eingebornen Chriſten in ihren Dienſt genommen hätten.

Je mehr die oſtindiſchen Angelegenheiten das Intereſſe der Gegenwart faſt ausſchließlich in Anſpruch nehmen, da ſie ſehr ſtark auf die politiſchen Verhältniſſe Europas zurückwirken, um ſo mehr macht ſich auch das Bedürfniß fühlbar, über die geogra⸗ phiſchen und geſchichtlichen Verhältniſſe jener Länder ſich unter⸗ richten zu können. In erſterer Beziehung iſt, zumal in dem letz⸗ ten Heft der Petermann'ſchen geographiſchen Mittheilungen, eine genaue Orientirung in der Topographie, in den Sprach⸗ und