und in Amerika zwei Auflagen in deutſcher Sprache erſchienen und in vier Auflagen(je zu 5000 Exemplaren) iſt das Buch engliſch, in drei holländiſch, in zwei franzöſiſch, ferner in zehn ſlaviſch, magyariſch und wendiſch, ſowie polniſch, däniſch, ſchwediſch, wallachiſch, kroatiſch, lettiſch, ſerbiſch, ruſſiſch, finniſch, norwegiſch und bretagneſiſch, desgleichen tamuliſch, bengaliſch,
hindoſtaniſch, chineſiſch(in vier Dialekten), malayiſch, kafferiſch,
arabiſch, perſiſch, im Neger⸗ Engliſchen, in der Sprache der Eskimos, von Linika, Timeah, Seſſuto, Mahratta, Guzurathi, Dajakiſch gedruckt worden; auch in der neugriechiſchen, jüdiſch⸗ ſpaniſchen und thibetaniſchen Sprache unter die Leute gekommen.
In einem franzöſiſchen Blatte finden wir eine Beſchreibung jener unwürdigen, empörenden Ceremonie, in welcher erſt jüngſt wieder eine deutſche proteſtantiſche Prinzeſſin ihren Glauben von ſich geworfen und die ruſſiſche Religion angenommen hat, bevor ſie zu der Ehre einer Heirath mit dem ruſſiſchen Großfürſten Michael zugelaſſen wurde. In Weiß, die Tracht der Neube⸗ kehrten, gekleidet, ohne Schmuch ſchritt das unglückliche Opfer, ſoeben noch Cäcilie, jetzt, mit ihrem neuen ruſſiſchen Namen, Olga, durch die Gemächer des Palaſtes, der Zar voran, ihr Bräutigam neben ihr, aber ohne ihr den Arm zu geben, denn noch war ſie ja nicht feierlich aufgenommen in die neue Gemein⸗ ſchaft, noch war ſie der hohen Ehre nicht würdig als die Ange⸗ hörige der Familie förmlich anerkannt zu werden. An der Ca⸗ pelle angelangt und hier vom Clerus empfangen, übergab der Zar die Prinzeſſin dem Metropoliten, worauf die Confirma⸗ tionsfeier ſtattfand. Nachdem dieſe beendigt war, durfte die Prinzeſſin Olgaunter der Leitung der Kaiſerin den ruſſiſchen Heiligen ihre Verehrung darbringen, und wurde dann der Gemeinde vorgeſtellt. Wenn ſchon jeder äußere Reli⸗ gionswechſel, bei welchem doch in vielen Fällen eine wirkliche tiefe Ueberzeugung als der Beweggrund angenommen werden kann, einen trüben und unangenehmen Eindruckmacht, weil, auch wenn die Frage eigennütziger Motive gar nicht in Betracht kommt, mit Recht angenommen wird, daß kein chriſtliches Bekenntniß einen tieferen und ächten religiöſen Sinn ſo völlig unbefriedigt läßt, daß ein eklatanter Bruch mit dem eigenen früheren Glauben und dem der Väter und der Familie gerechtfertigt wäre, ſo gibt es kaum ein widerlicheres Schauſpiel, als ein im proteſtantiſchen Glauben aufgewachſenes Mädchen zu ſehen, welches, ohne daß das Motiv religiöſer Ueberzeugung auch nur in Frage käme, um eines rein äußerlichen Vortheils willen zur Abſchwörung eines Glaubens, in dem ſie ſelbſt bisher ebenſo wie ihre Familie ihre Befriedigung gefunden, und zu der plötzlichen thatſächlichen Ver⸗ läugnung der weſentlichſten Grundſätze jenes Glaubens, insbe⸗ ſondere zur Verehrung von Heiligen genöthigt wird, die ihr ſchon als einer Deutſchen völlig fremd ſind, deren Verehrung über⸗ haupt ihr von ihren bisherigen Religionslehrern als ſeelenver⸗ derblicher Aberglaube dargeſtellt wurde. Nicht als ob wir die unglückliche Dame ſelbſt anklagen möchten; wohl aber müſſen wir geſtehen, nicht einzuſehen, welche Entſchuldigung es für die⸗ jenigen gibt, die über das Wohl eines jungen 17jährigen Mäd⸗ chens zu wachen den natürlichen Beruf haben: für das Fami⸗ lienhaupt, welches zu einer ſolchen Entfremdung von den erſten ſittlichen Lebensbedingungen die Hand bietet oder ſie nicht zu verhindern ſucht, und für die proteſtantiſche Geiſtlichkeit, welche zu feig iſt um gegen ſolchen durch bloß äußerliche Gründe beding⸗ ten Abfall von dem Glauben, den ſie zu vertreten und zu ſchützen hat, laut ihre Stimmen zu erheben.
Ein Spanier, Antonio Ferrer del Rio, der ſich ſelbſt als guten Katholiken und Royaliſten bezeichnet und ſein Buch
mene menſchliche Natur ſein.
dem König von Spanien(Gemahl der Königin Iſabella) widmet, hat in ſeiner Geſchichte Carls III. von Spanien der Aufhebung des Jeſuitenordens beſondere Sorgfalt zugewendet und ſämmt⸗ liche Bibliotheken und Archive genau durchforſcht. Das Re⸗ ſultat iſt, daß er die Motive vollſtändig adopirt, welche damals ſämmtliche katholiſche Könige, viele Biſchöfe und den Papſt ſelbſt bewogen haben, die Jeſuiten als„öffentliche Unruheſtifter, un⸗ verſöhnliche Feinde der Biſchöfe, Lehrer einer verworfenen Moral, Betrüger der weltlichen Fürſten, Urheber und Leiter von Ver⸗ ſchwörungen, gierig nach Geld, das ſie mit rückſichtsloſer Gleich⸗ giltigkeit gegen die Mittel aufhäufen, Betrüger an den königlichen Einkünften, rebelliſch gegen Päpſte und Monarchen, Feinde der Kronrechte und blutige Verfolger aller derer, welche ſich ihren Uebergriffen und Gewaltthaten widerſetzen“ zu verdammen. Ein ſolches Votum von einem guten Katholiken und politiſch conſer⸗ vativen Mann, von einem Spanier iſt unter den heutigen Ver⸗ hältniſſen nicht ohne Intereſſe. Auch ſeine Anſicht über den Tod des Papſtes Ganganelli, der die Aufhebung ausſprach, iſt nicht ohne Werth. Bekanntlich behaupten die Jeſuitenfreunde, er ſei in Gewiſſensbiſſen über die Maßregel geſtorben, welche die Fürſten ihm abgenöthigt, während man ihn auf der andern Seite am Gift ſterben läßt, welches die Jeſuiten ihm gemiſcht. Die erſtere Anſicht iſt entſchieden ungeſchichtlich, wie auch Herr
Ferrer wieder klar nachweiſt, indem er die Erzählungen der Je⸗
ſuiten darüber als Märchen darthut. Wahr aber iſt, daß der Papſt ein Jahr nach der Aufhebung des Jeſuitenordens ernſt⸗ liche Befürchtungen zu hegen begann, nicht für ſeine Seele, wohl aber für ſeinen Körper. Es iſt ſehr möglich, daß die Furcht vor einer Vergiftung, vielleicht auch Gegenmittel, die er zu ſich nahm, ſeinen Tod herbeigeführt. Carl III. ſagte darüber:„Ich will die Urſachen, die man für ſeinen Tod anführt, nicht erörtern noch ein Urtheil darüber abgeben, obwohl er für Jeden, der die Grundſätze der Jeſuiten kennt, viel zu denken gibt.“
Gegenüber den Anklagen gegen die engliſche Verwaltung Oſtindiens, die jetzt zu Tauſenden erhoben werden, mag es am Platze ſein auf das Urtheil Leopolds von Orlich, eines preußi⸗ ſchen Officiers, der mehre Jahre Carl Napier's Adjutant in In⸗ dien war, hinzuweiſen, welcher in ſeinem kürzlich erſchienenen Sendſchreiben an Lord W. über den Militäraufſtand in Indien ſagt:„Die Civilverwaltung Indiens iſt unter den obwaltenden Umſtänden die zweckmäßigſte. Wer deren Wirken an Ort und Stelle zu beobachten Gelegenheit hatte, muß von Achtung und Bewunderung erfüllt ſein. Beſchämt muß ich geſtehen, daß ich die Ueberzeugung gewann, daß keinem Volk ſo die Gabe der Co⸗ loniſirung eigen iſt wie dem britiſchen. In einem Lande, wo Intrigue, Beſtechlichkeit und Unwahrheit unter Hohen und Niedern an der Tagesordnung ſind, muß es dem Herzen wohl thun, zu ſehen, wie Gerechtigkeit und jede mögliche Rückſicht auf die Religion, die Sitten und Gebräuche der Indier, die Hand⸗ lungsweiſe der Civilbeamten charakteriſiren. Ich bin weit ent⸗ fernt dieß im vollen Umfang des Wortes von jedem Beamten ſagen zu wollen; denn daß in einem Lande, welches größer als Europa iſt, nicht Ungerechtigkeiten, Gewaltthätigkeiten und Schwächen vorkommen ſollten, würde gegen unſere unvollkom⸗ Doch wo dieſe zu meinen Ohren
kamen, waren es meiſt die eingeborenen Civilbeamten, welche
die Schuld trugen. Indien iſt das Land, in welchem England
viele ſeiner größten Staatsmänner und Generale heranbildete;
es iſt die Schule, in welcher deſſen Jugend ſich denjenigen Cha⸗ rakter aneignet, der ſich in den Stunden der Gefahr zu den
größten Dingen befähigt zeigt.“
Verlag von Hugo Scheube in Gotha.— Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha.— Druck von Gieſecke& Devrient in Leipzig.
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