her iſt namentlich jeder Huſten und Schnupfen, überhaupt jede Reizung der Athmungsorgane mit beſonderer Sorgfalt
zu überwachen, damit ſie ſich nicht feſtſetzen, nicht in chro⸗
niſche Leiden verwandeln. Aber auch nach jeder andern acuten Krankheit und namentlich nach den gewöhnlichen des Jugendalters muß die Beobachtung ſtrenge Wache halten, damit der gefürchtete Feind nicht nachſchleicht oder den min⸗ der kräftigen Körper überſtürze. Gelang es nun, den Pflege⸗ befohlenen unverſehrt durch die Jugend⸗ und Entwicklungs⸗
* jahre zu geleiten, dann iſt die letzte Aufgabe noch, ihn von
einer zu frühen Verheirathung abzuhalten. Indem wir ſo von der Lungenſchwindſucht ſcheiden, iſt es vielleicht nicht ohne Nutzen, auf einige der marktſchreieriſch
angeprieſenenen Mittel gegen Bruſtaffectionen hinzuweiſen,
welche ſich unter beſtimmten Namen in den Zeitungen annonciren. Da ſind zuerſt„die Ackermann'ſchen und Rhein'ſchen Bruſtkaramellen“, à Pfd. 18 Sgr., eine reine Conditoreiwaare, aus Zucker und Rettigſaft zuſammenge⸗ miſcht, durchaus nicht wirkſamer als Malzbonbons. Auch „Dr. Koch's kryſtalliſirte Kräuterbonbons“ gehören hierher.
Da 4 Loth 5 Sgr. koſten, koſtet das Pfd. 1 Thlr., wofür man ungefähr 4 Pfd gewöhnlichen Zucker haben kann, welcher genau dieſelben Dienſte leiſtet. Denn von den in dieſen— mit Pflanzenfarbe rothblau, mit Neroliöl wohl⸗ riechend gemachten— Bonbons angeblich enthaltenen„lin⸗ dernden, reizſtillenden, Auswurf erleichternden, mild rühren⸗ den und ſtärkenden“ Kräuter⸗ und Pflanzenſäften vermochte die chemiſche Analyſe nicht das Geringſte zu entdecken. Etwas zuſammengeſetzer aber nicht wirkſamer iſt die furcht⸗ bar theure„Pate pectorale“ des Apothekers„George d'Epinal“. Sie beſteht aus einem abgedampften kalten Süßholzaufguß, dem Zucker, Klebgummi, Eiweiß und Cur⸗ cumetinktur zugeſetzt iſt. Ferner werden die„Lieber'ſchen Kräuter“ oder„Blankenheimer Bruſtthee“, à 2 Thlr. das Pfund, verkauft, und ſind— Blätter des ſogenannten Hohl⸗ zahn(Galeopsis grandiflorà). Endlich giebt es noch eine „Essentia antiphtisica Lobethalii“, à 3 Gld. 12 Loth, was doch für eine Auflöſung von Kochſalz und etwas Jod⸗ natrium in Waſſer recht anſtändig bezahlt iſt.
Der Fartzug der Vögel im Herbſte.
(Schluß.)
Unmöglich können die Vögel ihr Reiſeziel in einem „Zuge“ erreichen. Sie müſſen doch unterwegs auch einmal
einkehren, ruhen und eſſen. Wir müſſen alſo von ihren Reiſeſtationen ſprechen. Die Luftreiſe hat, wie jede Luft⸗ ſchifffahrt, ihre Hinderniſſe, ihre Stürme, ihre Gefahren. Die Vögel wiſſen aber genau auszuweichen; ſie haben eine ſichere Vorausempfindung der übeln Witterung. Bei ſchlechter Witterung und widrigem Winde beſchäftigen ſie ſich blos mit Aufſuchen ihrer Nahrungsmittel und freſſen dann gleichſam zum Vorrath. Oft gebieten ihnen aber vorempfundene üble Witterung und andere unbekannte Ur⸗ ſachen ſolche Eile, daß ſie ſich unterwegs nicht Zeit nehmen, um Nahrung für ſich aufzuſuchen. Der Vogelſteller bemerkt dies ſehr oft an dem Zuge der kleineren Waldvögel, der dann, gegen ihre Gewohnheit, nicht dem Gebüſche naht, ſondern unaufhaltſam über das freie Feld, gerade gegen Weſten, gerichtet iſt, und oft von früh an bis Nachmittag drei Uhr anhält, da er ſonſt nur bis gegen Mittag dauert. Sie achten dann nicht auf die Sirenenſtimmen der Lockvögel, ſondern eilen nur immer vorwärts, ohne ſich ſo viel Zeit zu nehmen, als dazu erforderlich iſt, ſich ſatt zu freſſen, was doch z. B. bei der Wachholderdroſſel auf einem volltragenden Beerenſtrauche in wenigen Stunden geſchehen wäre. Bei den Lerchen u. A. ſcheint es umgekehrt zu ſein. Müſſen ſie mit dem Winde ziehen, und weht dieſer im Herbſt in der beſten Zugzeit anhaltend aus Oſten, ſo werden bald fette Lerchen gefangen. Der Zug mit dem Winde iſt ihnen un⸗ angenehm und höchſt anſtrengend; ſie fallen daher nieder und ruhen. Uebrigens werden die Verzögerungen bei gutem Wetter durch verdoppelte Eile nachgeholt. So geht es fort bis an das Meer. Im Meere ſind ihnen Inſeln und Schiffe
Ruheſtationen; die Wachtel z. B. läßt ſich auf Malta nieder.
Sie werden da bei ihrer Ankunft leicht gefangen, und wenn es ihnen gelingt, von Inſel zu Inſel flüchtend, trotz der ge⸗ fiederten und ungefiederten Korſaren, welche an den Klippen lauern, Aegypten, das geheiligte Land der Vögel, zu er⸗
reichen, ſo werden auch hier viele noch gefangen und ſind in Alexandrien ein wohlfeiles und reichliches Nahrungsmittel. Die Lebenden aber ſuchen dort wiederum ihre alten geliebten Stätten auf, wie ein alter Reiſender, der ſich der alten, ſo oft ſchon erfahrenen Bequemlichkeit, Ruhe und Gaſtfreund⸗ ſchaft erinnert. Hunderte von Störchen wenden ſich nach den Ringmauern von Bagdad, andere ſuchen ihre Woh⸗ nung auf den Pfeilern und Knäufen der Ruinen von Per⸗ ſepolis. Immer aber bleibt die Küſte von Afrika der Haupt⸗ ſammelplatz, beſonders Algerien. In Bona und Konſtantine niſten ſie auf allen Moſcheen, zu Maskara ſind die Paläſte Abdel⸗Kader's und ſeiner Beys mit Storchneſtern überdeckt, und in Moſtaganem wird die in Trümmern liegende Cita⸗ delle ausſchließlich von ihnen bevölkert; ſie heißt das„Schloß der Störche.“
Die vollendete Reiſe giebt uns Muße, die Zeitordnung ihres Abzuges genau zu fixiren. Zuerſt verlaſſen uns die inſektenfreſſenden Vögel, dann diejenigen, welche vom Samen leben. Zogen im Auguſt bereits Möven, Spitzkopf, Mauer⸗ ſchwalbe u. ſ. w., ſo folgen ihnen im September die im April, im October die im März angekommenen Vögel. Im November ſind unſere einheimiſchen Vögel faſt alle fort, doch ſieht man gegen Weihnachten bisweilen noch einige junge Feldlerchen, die während der Mauſer den Zug verpaßt haben und nun vom Habicht weggeholt werden. Den Fort⸗ zug der Schwalben beobachtete Fritzſch in Wien am 7. Sept. (1853). Nach dem Volksglauben geſchieht er am 8. Sept., an Mariä Geburt, und des Storches Abzug:
„wenn de Rogge riep is
wenn de Pogge(Froſch) piep(ſtumm) is u. ſ. f.“ Dies ſoll um Jacobi(25. Juli) der Fall ſein. Im nörd⸗ lichen Deutſchland geſchieht's gewiß ſelten ſo früh. Maſius bemerkte zu Salzwedel zwei völlig rüſtige Störche noch am 18. Oct.(1853).
Der Zeitpunkt der Abreiſe, wie der der Ankunft, wird von den Vögeln aus den Geſammtverhältniſſen der Natur
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