keine Rückſicht, weil ſie den Haushalt der Geſellſchaft, nach ihrer Anſicht, gar nicht berühre. Allein dies wäre nur dann begründet, wenn dieſe unentgeltlich von der Natur gegebene Nutzbarkeit eine feſte, von der durch die Arbeit hervorgebrachten ſtets in beſtimmtem Verhältniß getrennte Größe bildete und ſich nicht ewig veränderte. Es iſt nämlich das unabläſſige Beſtreben des Menſchen, die Arbeit durch die Naturkraft zu erſetzen, d. h. mit Hülfe der Naturkräfte ſeine Anſtrengung zu vermindern. Angeſpornt durch das Eigenintereſſe, unterſtützt durch die immer vermehrte Reihe von Ent⸗ deckungen, weiß der menſchliche Verſtand tauſend neue Mittel und Wege zu finden, die Naturkräfte für ſeine Arbeitszwecke zu benutzen, ſo daß ein beſtimmter Konſumtionsartikel, obſchon er in Bezug auf ſeine Nutzbarkeit Nichts verliert, einen immer kleinern Theil von Arbeit in ſich ſchließt, alſo
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immer weniger werth, immer wohlfeiler wird. Auf dieſe Weiſe ſtrebt in den meiſten Producten die unentgeltliche Mit⸗ wirkung der Natur die mühevolle des Menſchen zu erſetzen und in Folge davon vermindert ſich der Werth, während die Brauchbarkeit bleibt, in manchen Fällen ſogar ſteigt,
weil durch die herbeigezogene Naturkraft die Arbeit nicht nur
billiger, ſondern zugleich auch vollkommener geliefert werden kann. Daher kann der Fall vorkommen, daß eine Nation
umſomehr Genüſſe oder Reichthümer hat, je weniger ſie Werthe beſitzt,
und es iſt durchaus nothwendig, von vornherein dieſe Begriffe ſcharf auseinander zu halten, weil durch ihre Vermengung eine Menge von Streitigkeiten und Irrthümern in der Wiſſenſchaft wie im praktiſchen Leben ſich eingeſchlichen haben, deren Beſeitigung jeder gedeihlichen Entwickelung vorangehen muß.
der Krankenſtube.
III. Die Schwindſuchi. (Schluß.)
Wenden wir uns von der Betrachtung der Verlaufs⸗
arten zu den in der Tuberkuloſe auftretenden Erſcheinungen
an den einzelnen Organen, ſo ſei die Anmaßung fern, daraus ein allgemeines Krankheitsbild zuſammenſetzen zu wollen. Jeder einzelne Krankheitsfall würde deſſelben mit einzelnen Erſcheinungen auch wieder ſpotten. Nur Hindeutungen, Contouren, Farben ſeien vorgelegt.
Den Eintritt der Tuberkelbildung und eben dieſer, keiner andern Krankheit des i liſenen Organs, vermag aus⸗ ſchließlich der Arzt, oft ſelbſt er nicht mit poſitiver Be ſtimmtheit zu apresibenn. bereits ſehr argwöhniſch machen, Kränkeln ſich mit erhöheter Reizbarkeit des ganzen Organis⸗ mus verbindet, wobei das ſogenannte gute Ausſehen auf⸗ fällig abnimmt, trotz ungeſtörter Eßluſt der Körper abmagert und am Abend fieberartige Aufregungen conſequent wieder⸗ kehren, ohne daß ſich ein beſtimmtes Leiden deutlich als Quelle derſelben erkennen läßt. Der Verdacht wächſt, wenn der Kränkelnde von auffallend weißem, faſt durchſcheinendem Teint iſt, wenn die Hautvenen ſtark hervortreten, die Farbe häufig, ohne beſondere Veranlaſſungen wechſelt, wenn ſich die Wangenröthe ziemlich ſcharf umſchrieben zeigt, wenn die Hauttemperatur und namentlich die der Hände ſich oftmals und plötzlich ändert, wenn ſtarke Neigung zu nächt⸗ lichen Schweißen ſich entwickelt. Als accidentielle, doch höchſtens nur ergänzende Symptome tritt hierzu eine gewiſſer⸗ maßien knotige Geſtalt der Finger, die Neigung der Nägel, ſich klauenförmig zu krümmen, ſtarkes Hervortreten der Längsfaſern ihres Gewebes, Ausfallen und vorzeitiges Grauwerden der Haare. Dabei magert die geſammte Muskulatur ab und wird ſchlaff, namentlich ſinken die Gruben über den Schlüſſelbeinen auffallend tief ein und werden auch beim tiefen Einatl hmen nicht Ansgebauicht, weil die Tuberkelbildung gewöhnlich in den obern Lungenlappen beginnt und dieſe alſo zuerſt unwegſam für die eingeathmete Luft werden.— Die Stimme des Kranken iſt gewöhnlich ſehr bald ſchwach, oft auffallend hoch, in den allererſten Anfängen der Krankheit aber auch mitunter von beſonders metalliſchem Wohllaut. Im weiteren Vorſchritte des Uebels verliert ſie aber ihren Klang immer mehr, wird belegt, heiſer, bis zuletzt wirkliche Stimmloſigkeit eintritt. Bruſt⸗
Den Nichtarzt muß es aber wenn ein unbeſtimmtes
wenn er
ſchmerzen fehlen faſt niemals, ebenſowenig der Huſten; doch kommen allerdings Fälle vor, wo beides abgeht. Namentlich vermindern ſich die Bruſtſchmerzen faſt immer im weiteren Fortſchritte der Krankheits⸗Verheerungen, und der Huſten wird oftmals dann erſt quälend, wenn die Tuberkuloſe bereits eine Entwickelung erlangt hat,
welche nicht mehr an Heilung denken läßt.— Dagegen
treten häufig ſchon in den erſten Stadien Lühlngbrſch werden ein. Die Verdauung bleibt inſeh faſt niemals unge⸗ ſtört; Aaigund zu Durchfällen iſt häufiger, als das Gegen— theil. Der Urin wird meiſtens ſehr reichlich abgeſondert und oft als zuckerhaltig(diabetiſch, beſonders in den ſpätern Stadien) erkannt. Menſtruationsſtörungen begleiten bei den Frauen faſt immer die ganze Krankheitsdauer, während bei den Männern eine Erhöhung des Geſchlechtstriebes beinahe als ſymptomatiſch angeſehen werden darf.— Dabei ſcheinen jedoch die Centralpunkte des Nervenſyſtems, Gehirn und Rückenmark nur ſelten alterirt. Es fragt ſich ſogar ſehr, ob die oft beobachtete Empfindlichkeit der Dornfortſätze an den Rückgratwirbeln, die Reizbarkeit des Spinalnerven⸗ ſyſtems, die reißenden, den rheumatiſchen ähnlichen Schmerzen im Verlaufe einzelner Nervenſtränge u. ſ. w. nicht bloß einem örtlichen Druck durch tuberkuloͤſe Infiltration der benach⸗ barten drüſigen Gebilde zuzuſchreiben ſind. Die Geiſtes⸗ thätigkeit, die Intelligenz zeigt ſich faſt niemals vermindert, öfters eher erhöht, ſelten überhaupt beinträchtigt. Doch bleibt es ein äußerſt charakteriſtiſches, wenn auch vorläufig ganz unerklärbares, ſehr conſtantes Symptom, daß die Kranken im Anfang ihres Leidens meiſtens hypochondriſch, ſehr ängſtlich, von der herannahenden Todesgefahr feſt überzeugt ſind und gerad beim weiteren Fortſchreiten des Uebels dieſe ſchwarzen Gedanken mit Heiterkeit und großer Zuverſichtlichkeit auf einen glücklichen Ausgang vertauſchen. Gegen das äußerſte Ende des allgemeinen Zerſtörungs⸗ dramas treten freilich mit andern heftigen Nervenerſchei⸗ nun Jeih namentlich Krämpfen, auch Delirien und Torpor ein. Die eigentliche Kunſthilfe gegen die Tuberkuloſe iſt dem Arzt ganz ausſchließlich zu überlaſſen. Man wird um ſo weniger ſelbſtthätig eintreten wollen, je mehr man ſich klar
wadht, daß es kein Mittel auf der Welt giebt, durch welches
die von der Tuberkelbildung betroffenen Organe nomittele


