Lesczinsky's zwiſchen Frankreich und Deutſchland ewig ge⸗ rechtet, ewig geſtritten worden. Dann ſagen wir ihm mit der Jungfrau von Domremy„ewig Lebewohl“ und betrach⸗ ten uns auf der Rückfahrt nach Zabern noch einmal ruhiger die ſtaunenswerthen Werke der Menſchenhand, das beſtän⸗ dige Sichkreuzen von Eiſen⸗ und Waſſerbahn, die Viadukte und Brücken, Dorf und Schloß Lützelburg ſammt dem Wege, der über Phalsburg und ſeine vierhundertjährige Veſte nach Saarünion führt, weiterhin die triſten Wohnungen am Rande der Schlucht und die umfangreichen, nur auf Leitern zu erkletternden Trümmer von Ochſenſtein, um in Zabern auszuruhen und ſo gut zu eſſen, als man's dort haben kann.
Ganz verlaſſen dürfen wir den Platz noch nicht. Noch bleibt uns ein lohnender Gang zu machen, zur St. Veits⸗ grotte. Hin führt vom erſten Bahnwärterhäuschen ein mäßig ſteiler Bergpfad durch köſtlichen Buchenwald; immer tiefer ſinkt zur Linken des Wanderers die Thalſohle, endlich ſtößt man auf einen ſteinernen Brunnentrog, auf vereinzelte, immer größere und zahlreichere überhangen, bis an dem ungeſchlachteſten und keckſten der⸗ ſelben der Pfad rechtsum macht und ihn uns als die Seiten⸗ wand des ſenkrecht aufſteigenden Steinkoloſſes zeigt, der, in halber Höhe etwa, vom Höhleneingang in Form eines ſpitz⸗ bogigen Portales durchbrochen wird. Wie grandios der Eindruck bei günſtiger Beleuchtung iſt, wird Sie mein Zeichner lehren; ich führe Sie geradezu den mit einem ver—
Felsblöcke, die höhlenbildend
zweifelt morſchen Geländer verſehenen ſchrägen Steig hinan in die Grotte(ſ. d. Abbildung). 40— 50 Fuß tief, etwa 20 Fuß breit und vorn gegen 15, hinten gegen 8 Fuß hoch, iſt das künſtlich erweiterte Gewölbe durch ein grünes Holz⸗ gitter in Vorhof und Heiligthum halbirt. Den vorderen Theil des letzteren nimmt der Altar ein, auf dem Kreuze und Tannenbäume, Statuen, Blumen und Leuchter in mehr frommer und bunter, als ſchöner Gruppirung beiſammen⸗ ſtehen. In welcher Beziehung die aus dreibeinigen Töpfen hervorgewachſenen Englein und die in Menge umherhängen⸗ den Schnüre aller Farben zur Heilung der vom Veitstanz Befallenen ſtehen, der die Grotte ihren Namen verdankt, iſt mir unbekannt. Daß die Kur im Anfange des 12. Jahr⸗ hunderts en gros gemacht worden, darf kein Gläubiger be⸗ zweifeln; lediglich um Gotteswillen geſchah's indeß ſo wenig, wie heutzutage im Bade zu Steben. Denn— heißt es in einem Reglement von 1418, wenn der Prieſter„ein Ambt einer Rotten geſungen, ſollen dieſelbigen armen Lüt in den⸗ ſelbigen rotten um den Altar geführt werden, und ein ides krankes Menſch ein pfennig pfrymen, desglichen dornach auch opfern, und ſo ein perſon nit ſo geſchickt wer, das es ſolches thun mecht, ſol der ihm ſo es umb den Altar führt, für in darlegen. Darzu ides armes Menſch ein pfennig in den Stock geben, und ſolches von dem Almuſen⸗ gelt, ſo den armen Lüten geben iſt, usrichten(1) und was übrig blibt in den Stock auch ſtoſſen(0).“— (Fortſetzung und Schluß in Nr. 47 u. 48.)
Volksmwirthſchaftliche Skizzen.
Von H. Schulze⸗Delitzſch.
VI. Arbeit und Naturkraſt,
Die Anſtrengung alſo, die Arbeit, iſt die nothwen⸗
dige Vermittlerin zur Befriedigung unſerer Bedürfniſſe,
welche letztere wir ohne irgend eine Thätigkeit unſererſeits nicht zu erreichen vermögen.
Jedoch würde dieſe Thätigkeit für ſich allein nicht zu ihrem Zwecke führen, ſtände ihr nicht eine andere Macht zur Seite, welche ſie überall ſtützt und ergänzt. Und ſo erhalten wir zwei Factoren der Pro⸗ duktion, welche, neben einander herlaufend, in einander ein greifend, die Aufgabe löſen: die Arbeit des Menſchen und die Macht der Natur. Die letztere ſtellt nämlich ein⸗ mal die Stoffe, als Gegenſtände der Bearbeitung, ſodann ihre Kräfte, als Hilfsmittel der Arbeit zu unſerer Ver⸗ fügung. Und ſo ſehr iſt die Arbeit in allen ihren Ver— richtungen von der Naturhülfe abhängig, daß ſie, bei Licht betrachtet, in Nichts weiter beſteht, als die Dinge in die rechte Lage zu einander zu bringen, worauf denn die von Natur ihnen inwohnenden Kräfte das Weitere bewirken. Alle Arbeitswerkzeuge nämlich vom Einfachſten bis zum Komplicirteſten ſind nur Vorrichtungen, um die Naturkräfte zu den Zwecken der Arbeit heranzuziehen. Im Meſſer, der Axt, dem Pfluge z. B. iſt es die dem Eiſen von der Natur beigelegte Eigenſchaft der Härte, vermöge deren es weichere Stoffe zertheilt, im Hammer die Schwere, in der Dampfmaſchine die Spannkraft der Gaſe u. ſ. w., die wir für uns in Bewegung ſetzen. Allein, wie die menſchliche Arbeit ohne die Naturkraft ſo kann auch
auf wirthſchaftlichem Gebiete Nichts vermag, ſo kan die Letztere wiederum der Mitwirkung der erſtern nicht ent⸗
die factoren der Production.
behren, ſoll ſie wirklich zur Befriedigung unſerer Bedürf⸗ niſſe führen, welche nur in der Wechſelwirkung beider erreicht werden kann. Es liefert nämlich die Natur uns die Befrie⸗ digungsmittel in mehr oder weniger vollſtändiger Brauch⸗ barkeit, wenn wir unter Brauchbarkeitoder Nutzbarkeit diejenige Eigenſchaft der Dinge verſtehen, vermöge deren ſie uns Dienſte leiſten, d. h. eben unſre Bedürfniſſe befriedigen. Immer muß die Arbeit zu dem Geſchenk der Natur noch Etwas hinzuthun, um die völlige Brauchbarkeit herzu⸗ ſtellen, und wäre es nur, wie bei wilden Früchten, die Anſammlung und der Transport zur Verbrauchsſtätte. Dieſer Arbeitszuſchuß findet in jedem Falle in verſchie⸗ denem Grade ſtatt, je nachdem die Natur ihrerſeits mehr oder weniger geleiſtet hat, und ſo erhalten wir das Geſetz: „daß die Wirkſamkeit der Arbeit im umgekehrten Verhältniß zur Wirkſamkeit der Natur ſteht, was die Brauchbarkeit eines Gegenſtandes anlangt.“ Je mehr die Natur zu deren Vollendung gethan, deſto weniger bleibt für die Arbeit zu thun übrig, und umgekehrt. Wohlgemerkt, um die Brauchb arkeit handelt es ſich hier, nicht etwa den Werth, der im Gegentheil ganz allein durch Arbeit erzeugt wird und lediglich im Austauſch gegenſeitiger Leiſtungen zur Erſcheinung kommt, wovon wir noch beſonders handeln. Dagegen ſtellt die Natur ihre Materialien und Kräfte im Ganzen unentgeltlich zu unſerer Verfügung, weil Niemand für eine Sache etwas fordern kann, zu deren Her⸗ ſtellung er Nichts beigetragen hat. Aus dieſem Grunde nehmen viele Volkswirthe auf dieſe Mitwirkung der Natur


