mahl der blutbefleckten Medizäerin, als er gegen Karl V. zu Felde ſtürmte, und 200 Jahre ſpäter, im öſtreichiſchen Erbfolgekriege, die Trenkſchen Panduren und die Magyaren Nadasdy's. Trenk beſonders, der entſetzliche Menſch, ließ es zweimal in einer Weiſe verheeren, daß man auf den Straßen der Stadt 1500 Leichen zugleich gezählt haben will. Sollen wir grollen? Heinrich II. wurde in frevlem Spiel getödtet, auf dem Spielberg verſchmachtete Trenk, und Zabern ſteht wieder friſch und munter da, umgeben von Landhäuschen, die zum Theil wunderlieb ſind, und überragt von den koloſſalen, wie ineinander gewachſenen Fels⸗ und Mauermaſſen von Hohbarr, von den Schlöſſern Groß⸗ und Klein⸗Geroldseck, die der„böſe Fritz“, der treffliche Pfälzer, auf ſeinem Zuge gegen die Grafen von Lützelſtein zu Ruinen umſchuf. Ein hübſcher Fleck Erde, und wenn es wahr ſein ſollte, daß die Liederlichkeit der geiſtlichen Herrn von wei⸗
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das Thal ſchon auf!„Um Gottes Willen, ſtill gehalten! Wir wollen hinaus!“ Aber das Dampfroß iſt ſo wenig zu halten, wie das des Grafen Montgomery; es geht durch und wir müſſen mit. Hu, wie das enge wird zwiſchen dem Fluſſe und den thurmhohen Felswänden und Seitenmauern! „Luft, Licht!“— So ſein Sie doch ruhig, es hört Sie ja bei dem dumpfen Gebrauſe des Zugs keine Seele!—„Da, jetzt liegen wir im Waſſer“— nein, der Zug geht drüber. „Weh, jetzt überfluthet das Waſſer uns“— nein, wir fahren darunter hin.„Aber nun, im Augenblicke wird Alles zer⸗ ſchellen an jener furchtbaren Felswand“— Ruhe doch, ſeh'n Sie denn nicht den Tunnel? Wir fahren hindurch. Das nachtet und tagt—„mein Gott, der Zug hält; gewiß ein Unglück.“ Gehn Sie doch, es iſt Lützelburg, die Station. Und wieder tagt's und nachtet.„Man wird ja toll! Wäre nur... aber Gott im Himmel! dort nimmt der Kanal ſchon
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Schloß von Zabern.
land noch heute ſichtbare Spuren ihrer anſteckenden Kraft in den niederen Ständen des Orts gelaſſen, ſo haben die Leute ſchweres Unrecht. Wer ſchön wohnt, ſoll gut ſein, damit der Menſch zur Natur paſſe!
Aber ſtill! Hören Sie den ſchrillen Pfiff in der Nähe? Das gilt uns, denn es iſt der Straßburg⸗Pariſer Zug, den wir beſteigen müſſen. Nur geſchwind Fahrkarten nach Saar⸗ burg gelöſt, dann auf den Eckſitz am Fenſter, bei Leibe nicht rückwärts! Da ſchellt's ſchon— en avant!
Den Kanal links kennen Sie, aber wo will denn der hin? Er läuft ja ſchnurſtracks auf die immer dichter, immer zerdrückender herandrängenden Vogeſen los! Und die Eiſen⸗ bahn auch! Freilich mag da irgend ein enger Zickzack⸗Ein⸗ ſchnitt ſein, durch den ſich die Zorn windet, aber den har⸗ ſchen Wendungen können doch die beiden nicht folgen,'s iſt ja auch gar kein Platz da, und— Himmel!— da hört ja
den Tunnel ein, wir kommen um, ertrinken in tiefer Nacht! Hülfe!“— Sapperment, nicht ſo feige! Warum ſollen ſich denn Bahn und Kanal nicht einmal im Reiche des Pluto kreuzen? Geſchwind die Ohren zu, denn da drunten wird's ſchrecklich raſſeln. So, das nennt man Finſterniß! Aber zerren Sie mich doch nicht ſo, als ging's direkt in die Hölle! Meinen Sie denn, man durchführe faſt drei Kilometer in ein Paar Sekunden? Geduld, das Ende wird ſchon kom⸗ men. Aha! Spüren Sie, wie es ſchon dämmriger wird? Man ſieht den Rauch, hier und da ein Stückchen Wand glitzern. Nun wird's Morgen; merken Sie auf, bald kom⸗ men die Sonnenſtrahlen. Hurrah, da ſind ſie, und wir auf der weiten Hochebene Lothringens— bei Hommarting und Saarburg.
Wir ſteigen aus, werfen einen verdutzten Blick hinaus in das einſtige Reich Lothar's II., um das bis zur Regierung
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